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Tuesday, September 29, 2026

Internet unter Beschuss: Russland greift neuerdings verstärkt Rechenzentren in Kiew an

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Internet unter BeschussRussland greift neuerdings verstärkt Rechenzentren in Kiew an

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Nach einem russischen Drohnenangriff löschen Rettungskräfte einen Brand im Gebäude der Nationalen Akademie der Wissenschaften. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Nach Energieinfrastruktur, Tankstellen und Lebensmittellagern gehören nun auch Rechenzentren zu den Zielen der russischen Armee in Kiew. Die Kampagne soll offenbar Zivilisten, Unternehmen und die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine treffen.

In seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine hat Russland ein neues Ziel: wichtige Rechenzentren für das ukrainische Internet. In den vergangenen Jahren sind solche Anlagen immer wieder angegriffen worden. Mit den viel schnelleren Jet-Drohnen, mit denen Russland inzwischen vor allem die Hauptstadt Kiew ohne Unterbrechung unter Beschuss nimmt, ist aus vereinzelten Angriffen allerdings eine regelrechte Kampagne geworden.

Allein am Montag wurden ein Krankenhaus und die Nationale Akademie der Wissenschaften in der Nähe der deutschen Botschaft getroffen. Wie immer nimmt Russland keine Rücksicht auf Zivilisten: Die Angriffe erfolgten während des Arbeitstages.

Die größten ukrainischen Rechenzentren, die in der Netzstruktur als eine Art Archiv sowie als Kommunikationsknotenpunkte dienen, sind überwiegend in Kiew stationiert. Zudem sind in einem Rechenzentrum häufig die Infrastrukturen unterschiedlicher Anbieter zu finden.

Das Ziel sind Kälte und Hunger

Solche Angriffe können daher die digitale Infrastruktur mehrerer Branchen gleichzeitig lahmlegen. Während bei der Beschädigung eines Kabels oder beim Stromausfall eines Servers der Schaden einigermaßen begrenzt ist, könnten über die Zerstörung eines Rechenzentrums Hunderte von Webseiten, Bankdienstleistungen, Regierungsdiensten oder Einzelhandelsketten abgeschaltet oder beeinträchtigt werden. Bereits jetzt waren teilweise bis zu 100.000 Haushalte in Kiew und der Region um die Hauptstadt ohne Internet. Auch das Funktionieren der Luftalarmsysteme sowie einiger Fernsehsender waren betroffen.

Russland begründet seine Kampagne mit dem Ziel, die Übermittlung von Informationen und Geheimdiensterkenntnissen sowie die Satellitenkommunikation der ukrainischen Armee stören zu wollen. Bis auf einige Einzelfälle trifft das allerdings auf die Angriffe in und um Kiew nicht zu, denn das Militär verfügt über eigene Kommunikationskanäle und eigene Netzwerke und verlässt sich vor allem auf das Satellitensystem Starlink.

Zivile Ziele in der Drei-Millionen-Stadt greift Russland schon länger an, darunter Tankstellen, Lager von Supermarktketten sowie Anlagen der Strom- und Wärmeversorgung. Das Ziel ist, den Einwohnern von Kiew einen möglichst kalten Winter ohne Strom und Lebensmittel zu bescheren. Wenn nun auch das ukrainische Internet ins Visier gerät, dürfte es sich vor allem um die Fortsetzung der Strategie handeln, das Alltagsleben in der Ukraine und vor allem in Kiew soweit es geht zu erschweren - zumal der Alltag der Ukraine stark digitalisiert ist.

Dezentrales System schützt vor komplettem Ausfall

Die gute Nachricht für die Ukraine ist: Die volle Ausschaltung des Internets ist kaum realistisch. Kaum ein anderes Land hat ein derart umfassendes Kommunikationsnetz, das auf einer so großen Anzahl kleiner und mittelständischer Betreiber basiert. Wahrscheinlich verfüge die Ukraine über das weltweit dezentralste System von Internetzugangsdiensten, sagte Telekommunikationsexperte Oleksandr Hluschtschenko der ukrainischen Redaktion der Deutschen Welle.

"Die Ukraine hatte nie eine Art Internetministerium. Die Branche wurde nie wirklich reguliert, niemand hat millionenschwere Lizenzen bezahlt. Der Markteintritt war so günstig, dass Tausende von Unternehmern ihre Dienste anboten", so Hluschtschenko. Tatsächlich kann der Durchschnittsukrainer in manchen Haushalten unter bis zu einem Dutzend Anbieter auswählen. Zwar darf der wirtschaftliche Schaden durch die Angriffe auf die Rechenzentren nicht unterschätzt werden. Es hat allerdings keine allzu weitreichenden Folgen, wenn einzelne Segmente unterschiedlicher Netzwerke ausfallen.

Gleichzeitig können nachhaltige Angriffe trotzdem für eine allgemeine Verschlechterung der Gesamtinfrastruktur und die Verlangsamung des Netzes sorgen. Was jedoch die Daten an sich angeht, werden diese parallel in anderen Speichern sowie in den europäischen Cloud-Diensten gespeichert. Was auf die Menschen jedoch neben der Verschlechterung des Netzes sowie punktueller Ausfälle sicher wartet, ist eine deutliche Preissteigerung.

Zusammenhang mit Sabotage bei Starlink-Anlage in Polen?

Ohnehin stehen die Ukrainer finanziell stärker unter Druck als bislang: Die Angriffe auf die Logistik der Supermärkte wirkt sich auch auf die Lebensmittelpreise aus, und Sprit wird auch in der Ukraine teurer. Wenn neben Reparaturen und der Anpassung der Infrastruktur zusätzlich Batterien, Generatoren und für diese auch Treibstoff gekauft werden müssen, werden auch die Preise der Internet-Dienstleister steigen.

Zu den Angriffen auf die Rechenzentren passt zeitlich darüber hinaus auch die jüngste vermeintliche Sabotage bei der Starlink-Infrastruktur in Polen. Am 23. September geriet eine Starlink-Bodenstation in der Nähe von Warschau in Brand. Die Station blieb zwar in Betrieb, doch dass es ausgerechnet eine Anlage traf, die Daten für die Ukraine verarbeitet, ist wohl kein Zufall. Starlink ist für die ukrainische Armee inzwischen vor allem in Sachen Drohnensteuerung in Echtzeit, Korrektur des Artilleriefeuers und Kommunikation zwischen den Einheiten unersetzlich. Hinzu kommt, dass der Angriff auf eines der Kiewer Rechenzentren dadurch begründet wurde, dass dieses ebenfalls Starlink bedient habe. Die Angaben des russischen Verteidigungsministeriums sollten allerdings mit größerer Vorsicht betrachtet werden.

Die vermeintliche Sabotage in Polen zielte auf eine Anlage, die das Satellitennetzwerk mit dem normalen Internet verbindet. Zu der angegriffenen Station hat die Ukraine aktuell nur eine Alternative in Litauen. Der völlige Ausfall einer solchen Station wäre zwar keine Katastrophe, weil der Datenverkehr auch umgeleitet werden kann. Solche "Gateways" sind aber dann kritisch, wenn viele datenschwere Drohnenvideos gleichzeitig live übertragen werden müssen. Daher kann am Ende wohl von einer mehrstufigen Kampagne gesprochen werden, die nach russischer Auffassung sowohl Zivilisten und Unternehmen, aber eben auch die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine treffen soll.

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