Nach dem verlorenen Final fuhr der Nati-Coach von Tür zu Tür

Darum gehts
- Nati-Headcoach Jan Cadieux und der neue Nati-Direktor Patrick von Gunten haben die Aufarbeitung des dritten WM-Silbers in Serie beschrieben.
- Cadieux besuchte jeden Spieler persönlich zu Hause, um den verlorenen Final aufzuarbeiten.
- NHL-Profi Lian Bichsel soll nach seinem Ausschluss in die Nati zurückkehren – auch die Mannschaftsführer befürworten den Neustart.
Die Weltmeisterschaft 2026 in Fribourg und Zürich ist nun etwas mehr als drei Monate her, die neue Hockey-Saison startete am Dienstagabend in der Schweiz. Nati-Headcoach Jan Cadieux und der neue Nati-Direktor Patrick von Gunten lassen in einer Medienrunde die Wochen nach der Heim-WM Revue passieren und blicken auf das kommende Hockey-Jahr voraus.
Sie sprechen unter anderem über …
… die Aufarbeitung des verlorenen Finals an der Heim-WM
Cadieux erzählt, dass er jeden einzelnen Spieler persönlich getroffen habe. «Ich habe alle Spieler zu Hause besucht. Das wollte ich nicht per Telefon machen. Wir haben viel über den letzten Tag der WM und den Final gesprochen. Ich wollte verstehen, was gefehlt hat, was wir im Staff vielleicht falsch gemacht haben.» Auch die Zukunft der einzelnen Spieler sei ein Thema gewesen.
«Es waren lange Gespräche, für mich war das Feedback der Spieler sehr wichtig. Waren wir im Staff nervös? War die Vorbereitung auf dieses Spiel richtig? Was müssen wir in Zukunft ändern?» Was Cadieux zum Fazit dieser vielen Gespräche verraten könne: «Es hat nicht an der Nervosität gelegen. Mehr will ich nicht ins Detail gehen, das waren persönliche Gespräche mit den Spielern.»
… den Gold-Traum der Hockey-Schweiz
«Es ist noch immer ein Traum», beginnt der Headcoach. «Wir sind alle noch kleine Kinder in unserem Herzen, darum lieben wir Eishockey so sehr. Wir träumen auch noch – wie ich – mit grauen Haaren.» Was aber ganz wichtig sei: «Um diesen Traum wahr werden zu lassen, müssen wir viele kleine Sachen neu überdenken und richtig machen.» Der ganze Prozess sei die grosse Challenge, erklärt er.
«Du kannst aber nur deine eigene Leistung kontrollieren, nicht, was der Gegner macht. Wie die Form am Tag X der WM aussieht, kann man nicht beeinflussen. Aber bis dieser Tag kommt, werden wir alle unser Allerbestes geben, um wieder die Chance zu haben, WM-Gold zu gewinnen.»
… ein Aufgebot von Lian Bichsel
Der heutige NHL-Profi der Dallas Stars fiel bei Patrick Fischer einst in Ungnade, weil er zwei Aufgeboten für die U20-Nati nicht Folge geleistet hatte. Als Strafe wurde er bis nach der Heim-WM von der Nati ausgeschlossen. «Wir hatten zwei Gespräche mit Lian. Zunächst Patrick und ich gemeinsam, dann habe ich Lian noch ein weiteres Mal alleine getroffen», so Cadieux. «Es waren zwei sehr gute Unterhaltungen – offen und ehrlich. Wir wollten hören, was er zu sagen hatte.» Man habe einen gemeinsamen Neustart gewollt.

Der Entscheid, Bichsel vorübergehend von der Nati auszuschliessen, wurde damals von den Team-Captains mitgetragen. Seine Rückkehr wurde nun ebenfalls von den Mannschafts-Häuptlingen befürwortet, erklärt von Gunten. «Ja, das war abgesprochen. Von beiden Seiten war klar, dass man motiviert ist für eine Rückkehr von Lian. Von ihm sind keine Einwände gekommen und es war niemand nachtragend.»
… Patrick von Guntens neuen Job
«Ich durfte eine Woche nach der WM beginnen. Für mich ist es eine Rückkehr ins Eishockey», erzählt der ehemalige Profi. Von Gunten absolvierte während seiner Aktivzeit über 500 Spiele in der National League, die meisten davon für Kloten. 2013 gehörte er zum Silber-Team der Nati.
«Es ist eine grosse Aufgabe, es geht nicht nur um die A-Nati, sondern auch um alle Juniorenteams. Die erste Priorität waren die Frauen, wo wir den Coaching-Staff zusammenstellen mussten für die WM, die neu im November stattfindet. Die zweite grosse Priorität war natürlich die A-Nati der Männer, wo wir Gespräche mit den Spielern nach der WM geführt haben und von allen die Zusage erhielten, weitermachen zu wollen. Es ist eine spannende Aufgabe – ich bin sehr froh, hier sein zu dürfen.»
Nino Vinzens (nvi) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Seine Expertise verteilt sich hauptsächlich auf die Sportarten Fussball, Ski Alpin und Eishockey.
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