Nächster China-Stromer fordert Europa heraus

Edler XPeng L03 startet ab 35'600 Franken
Nächster China-Stromer fordert Europa heraus
XPeng zielt mit dem L03 auf das obere Ende der Kompaktklasse. Der SUV überzeugt mit geräumigem Innenraum und guter Verarbeitung, verbannt aber zu viele Bedienfunktionen in den Touchscreen. Dafür lässt der China-Stromer beim Preis aufhorchen.
Publiziert: vor 30 Minuten
Manchmal überrascht die Realität. Wenn ein Auto einen cW-Wert von 0,228 aufweist, hat man sofort Bilder aerodynamisch ausgefeilter Fahrzeuge wie dem tropfenförmigen Mercedes EQS im Kopf. Auch der Hyundai Ioniq 6 oder der VW ID.7 gelten als Aerodynamik-Champions. Dem XPeng L03 sieht man seine extreme Windschlüpfrigkeit nicht auf den ersten Blick an.
Noch erstaunlicher: Selbst im Fond gibts ausreichend Platz, selbst am Kopf. Das ist bei Fahrzeugen mit einer abfallenden Dachlinie nicht immer so. Auch vorne geht es geräumig zu. Mit 4,65 Metern Länge kratzt das SUV-Coupé an der Mittelklasse und zielt damit direkt auf Rivalen wie Kia EV5 oder VW ID.4 – bei letzterem wurde soeben der Nachfolger ID. Tiguan enthüllt.
Das ist interessant, da VW mit dem chinesischen Autobauer zusammenarbeitet und eine Beteiligung von knapp fünf Prozent hält. Vor allem, wenn man den Einstiegspreis des L03 RWD Standard Range von 35'600 Franken anschaut – das sind fast 15'000 Franken weniger als beim aktuellen VW ID.4! Der XPeng schickt 245 PS (180 kW) an die Hinterräder und kommt mit der 58,3-kWh-Batterie im WLTP-Zyklus auf bis zu 445 Kilometer. Wir waren in der Topversion AWD Performance Ultra unterwegs. Der Allradler mit 388 PS (285 kW) und 431 Nm Drehmoment besitzt einen 71,2-kWh-Akku für maximal 440 Kilometer und kostet mindestens 46'600 Franken.
Viel Ladeleistung trotz 400-Volt-Technik
Anders als XPeng G6 und G9, die beide auf eine 800-Volt-Technik setzen, nutzt der L03 ein 400-Volt-Bordnetz. Wie wirkt sich das auf die Ladeleistung aus? Die 58,3-kWh-Batterie des Basismodells schafft maximal 193 kW Ladeleistung, der 71,2-kWh-Akku der Long-Range- und AWD-Versionen bis zu 236 kW.
Von 10 bis 80 Prozent lädt der Akku in rund 20 Minuten – ein Topwert in der 400-Volt-Liga. Vorwärmen lässt er sich manuell (tief versteckt im Untermenü) oder automatisch per Navi. Wir haben die Ladeprobe aufs Exempel gemacht. Kurz vor Ende unserer Testfahrt steuerten wir eine DC-Ladesäule bei einem Ladestand von 36 Prozent an. Eine Vorkonditionierung war nicht nötig, da der Akku die optimale Temperatur hatte. Das Resultat: In knapp 12 Minuten war die Batterie wieder zu 74 Prozent voll. Die durchschnittliche Ladeleistung betrug 157,07 kW – Alltagstest bestanden!
Flott und komfortabel
Auch auf der Strasse überzeugt der L03. Leistung hat er ohnehin genug. Die Fahrmodi reichen von Eco über Comfort bis hin zu Sport. Bei der Allradvariante gibt es sogar einen Escape-Modus: Er hilft dem Auto, sich selbst zu befreien, wenn es im Schnee oder Schlamm feststeckt. Mit dem Eco-Programm ist man immer noch sehr flott unterwegs, im Sportmodus spannt der Stromer die Muskeln und holt alles aus den beiden E-Motoren heraus: Nach 4,5 Sekunden ist der Sprint von null auf 100 km/h erledigt, bei 180 km/h endet der Vortrieb.
Beim Fahrwerk setzt XPeng in Europa anders als in China auf konventionelle Stossdämpfer. Zwar ist die Abstimmung eher komfortorientiert, aber die Karosserie ist besser angebunden als bei anderen chinesischen Autos und deswegen wippt der Aufbau nicht übermässig nach. Vorn kommt eine MacPherson-Achse zum Einsatz, hinten eine Fünflenkerachse. So bleibt der rund zwei Tonnen schwere Stromer auch bei schnell genommenen Kurven neutral und meldet die Annäherung an den Grenzbereich mit einer leichten und gut beherrschbaren Untersteuerneigung.
Die Lenkung fühlt sich synthetisch an und könnte etwas direkter sein. Der Norm-Verbrauch beträgt 18,4 kWh/100 km – nach unserer Testfahrt standen 18,5 kWh/100 km im Bordcomputer. Das passt erstaunlich genau und ist für einen über zwei Tonnen schweren Allradler respektabel.
Zu viele Funktionen im Touchscreen
Den Fahrmodus wechselt man rasch per Lenkradknopf. Die Rekuperation muss man dagegen in den Untermenüs des 15,6-Zoll-Touchscreens suchen. Dem XPeng würden ein paar echte Tasten guttun. Aber auch der L03 gibt den Tesla-Klon und einige eigentlich banale Funktionen sind unnötig digitalisiert. Dazu gehört die Entriegelung des 367 Liter grossen Kofferraums aus dem Innenraum. Immerhin sind auf dem Touchscreen Kurzwahltasten vorhanden.
XPeng L03 AWD Performance im Schnellcheck
Antrieb Elektro, 388 PS (285 kW), 431 Nm, 1-Gang-Automatikgetriebe, Allradantrieb
Fahrleistungen 0–100 km/h in 4,5 s, Spitze 180 km/h, Batterie brutto 71,2 kWh, max. Ladeleistung AC/DC 11/236, Ladezeit 10–80 Prozent in 20 Min.
Masse L/B/H 4,65/1,92/1,60 m, Leergewicht 2040 kg, Anhängelast gebremst 12 % 1500 kg, ungebremst 750 kg, Kofferraum 367–1131 l + Frunk 44 l
Umwelt Verbrauch Werk 18,4 kWh/100 km, 0 g/km CO₂, Reichweite WLTP 440 km, Energieeffizienz A
Preis «AWD Performance» ab 41'600 Fr., Testwagen «AWD Performance Ultra» ab 46'600 Fr, Basisversion mit Heckantrieb und Standard Range ab 35'600 Fr.
Antrieb Elektro, 388 PS (285 kW), 431 Nm, 1-Gang-Automatikgetriebe, Allradantrieb
Fahrleistungen 0–100 km/h in 4,5 s, Spitze 180 km/h, Batterie brutto 71,2 kWh, max. Ladeleistung AC/DC 11/236, Ladezeit 10–80 Prozent in 20 Min.
Masse L/B/H 4,65/1,92/1,60 m, Leergewicht 2040 kg, Anhängelast gebremst 12 % 1500 kg, ungebremst 750 kg, Kofferraum 367–1131 l + Frunk 44 l
Umwelt Verbrauch Werk 18,4 kWh/100 km, 0 g/km CO₂, Reichweite WLTP 440 km, Energieeffizienz A
Preis «AWD Performance» ab 41'600 Fr., Testwagen «AWD Performance Ultra» ab 46'600 Fr, Basisversion mit Heckantrieb und Standard Range ab 35'600 Fr.
Vor dem Fahrer sitzt eine 8,9-Zoll-Instrumententafel, die durch ein 26,8-Zoll-Head-up-Display ergänzt wird. Gute Idee: Wie schon bei der Limousine P7+ wird beim Rangieren das Bild der Rückfahrkamera auch dort angezeigt. Ansonsten hilft der Rangierassistent, der beim Ausparken einwandfrei funktioniert hat.
Ansonsten hinterlässt der Innenraum einen guten Eindruck. Materialien und Verarbeitung wirken hochwertig. Aber das darf man bei einem Preis von 46'600 Franken für die Top-Version auch erwarten. Zum Vergleich: Die ähnlich stark motorisierten Kia EV5 GT-Line AWD und VW ID.4 GTX kosten mindestens 56'950 bzw. 62'100 Franken.
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