Vernetzte Haushaltsgeräte – Cyberangriff auf Kühlschränke – ist alles angreifbar?

Wie ein Haushaltsgeräte-Hack technisch funktioniert: In Frankreich sorgt ein Cyberangriff auf Kühlschränke in rund 150 Läden für Schlagzeilen. Die Hacker heizten diese auf bis zu 50 Grad auf. Viele Geräte unseres Alltags sind mit dem Internet verbunden. Auch solche, von denen man es zuerst nicht erwarten würde – zum Beispiel ein Kühlschrank im Laden. «Wenn diese Geräte älter sind und mit einer entsprechend alten Software laufen, können sie mit modernen Hacking-Tools relativ einfach angegriffen werden», sagt Bernhard Egger, Leiter des Studiengangs «Information und Cybersecurity» an der Hochschule Luzern.
Die Software gilt als Achillesferse: Offenbar kamen die in Frankreich angegriffenen Geräte alle vom selben Hersteller und liefen mit der selben Software. Für Ladenketten ein praktisches System: Über alle Filialen hinweg können die Kühlgeräte so zentral gesteuert werden. Doch genau das kann laut Berhard Egger auch zum Verhängnis werden: «Die Software sollte regelmässige Updates erhalten, damit sie sicher bleibt. Hacker suchen gezielt nach ungeschützten Geräten – wegen mangelnden Sicherheitseinstellungen können sie darauf zugreifen und die Steuerung ändern». Doch gerade in Supermärkten gebe es oft kein versiertes IT-Personal, das sich darum kümmern könne, so Egger.
Ein wirksamer Schutz vor Cyberangriffen gehöre heute für Hersteller von vernetzten Geräten grundsätzlich dazu, sagt der Experte. In der Schweiz gilt seit über einem Jahr eine Meldepflicht: Cyberangriffe müssen innerhalb von 24 Stunden beim Bundesamt für Cybersicherheit (Bacs) gemeldet werden.
Ausserdem gibt es in der EU neu den «Cyber Resilience Act». Der schreibt vor, dass Hersteller von vernetzten Produkten über die ganze Produkt-Lebensdauer hinweg für Sicherheit sorgen müssen, etwa mit Updates. «Für die Millionen von Geräten, die bereits installiert sind, greift diese Regel allerdings noch nicht», sagt Bernhard Egger.
Das sind potentiell gefährdete Geräte: Kameras, Webcams, Telefonrouter – aber eben auch der Kühlschrank, der Staubsauger oder der Backofen sind heute oft via Handy steuerbar und vernetzt. «Wenn nicht richtig geschützt, bietet dies alles Angriffsfläche», sagt Egger. Dasselbe gilt für moderne Autos mit Kameras: «Diese Daten der Kameras werden irgendwohin geschickt an die Herstellerfirma. Wie sicher diese Daten sind, ist fraglich.» Schon länger könnten Autos theoretisch ferngesteuert werden. «Wenn Hacker Zugriff auf diese Systeme kriegen, könnten sie den Leuten aus der Ferne den Motor abstellen.»
Wie gross die Gefahr ist: Rein theoretisch sei das alles möglich, so Egger. Panik sei aber nicht nötig. «Die Sicherheit bei solchen Systemen ist hoch.» Das Problem liege tatsächlich eher bei der älteren, schlecht gewarteten Infrastruktur, die mit den neuen KI-Möglichkeiten schneller zu hacken sei. «Wenn man früher eine Lücke gefunden hat, dann hatte man vielleicht drei Wochen Zeit, die zu flicken». Heute müsse man sie innerhalb von zwei Tagen schliessen, sagt der Experte. Gleichzeitig kann die KI aber auch dabei helfen, Sicherheitslücken zu finden, die man schliessen muss.
Wie wir uns schützen: Für den Cybersicherheitsexperten Bernhard Egger ist der Fall klar: Updates. «Egal ob beim Handy, beim Laptop oder bei der Staubsauger-App – auch wenn es manchmal mühsam ist, ist es wichtig, die neue Softwareversion auch wirklich zu installieren, wenn sie rauskommt».
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