Wenn Reparaturen Erinnerungen erhalten
Wenn die Kaffeemaschine oder das Radio den Geist aufgeben, müssen sie nicht gleich im Müll landen. Im ersten Repair-Café von Magdeburg bringen 14 Rentner defekte Geräte wieder zum Laufen.
06.10.2026 | 2:44 minHerr Hoschützky holt einen 40 Jahre alten JVC-Radio-Kassettenrecorder seines Sohnes im Repaircafé Magdeburg, Sachsen-Anhalt, ab. "Da ging ein Lautsprecher nicht und das Kassettendeck hat gejault." In der Werkstatt wurde ein Antriebsriemen ausgewechselt und eine oxydierte Steckverbindung gereinigt.
Jetzt läuft das alte Gerät wieder wie neu. Sein Sohn werde glücklich sein. "Er liebt den Kasten", erzählt der Rentner. "Wenn Geräte kaputtgehen oder nicht mehr so richtig wollen, dann geh ich hierher. Bevor wir das wegschmeißen, reparieren die das hier. Das ist schön."
Um der Wegwerfkultur entgegen zu wirken, startet die Berliner Umweltverwaltung ein neues Bonusprogramm. Wer sein altes Gerät zu Reparatur bringt, statt sich ein neues zu kaufen, dem winken bis zu 200 Euro.
14.10.2024 | 1:46 min"Die Top 3 sind Kassettenrekorder, Kaffeemaschinen und Staubsauger"
Das sagt der 80-jährige Peter Padur. "Das sind die häufigsten Elektrogeräte, die bei uns abgegeben werden", so der Hobby-Elektroniker weiter. Bis auf die Materialkosten zahlen die Kunden nichts für die Instandsetzung. Dabei sitzen die Männer oft stundenlang an einem Gerät.
"Alleine mit dem Öffnen des Geräts, verlieren wir oft schon zwei Stunden. Die Reparatur selbst ist ein Klacks," erklärt Peter Padur. Und weiter: "Neuerdings haben sich die Ersatzteile durch den Zoll extrem verteuert, aber solange sie noch billiger als ein neues Gerät sind, lohnt es sich."
Alle ehrenamtlichen Mitarbeiter des Repaircafés Magdeburg wollen ihren Beitrag zur Umwelt leisten, E-Schrott verringern helfen. Alleine in Deutschland wird über die Sammelstellen bis zu einer Million Tonnen Elektronik-Müll jährlich erfasst. Tendenz leicht steigend. Das Problem läge in der Produktion, erklärt der 75-jährige Leiter des Repaircafés, Wolfgang Matschek.
Mehr Platz, weniger Konsum: Eine Familie baut ihre Wohnung um, alte Möbel bekommen ein zweites Leben und Geräte werden geteilt statt gekauft. Inspiration für schlaueres Wohnen und Sparen zuhause.
24.09.2026 | 43:32 minReparieren ist vom Hersteller nicht angedacht
Matschek zufolge würden die meisten E-Geräte in Asien gebaut. "Da kommst du einfach nicht mehr so leicht ran, wenn du Ersatzteile brauchst. Ist auch nicht vorgesehen."
Der Hersteller verkauft lieber Neues, als dass er eine Reparaturanleitung veröffentlicht.
Wolfgang Matschek, Leiter Repaircafé Magdeburg
Wolfgang Matschek hofft, dass sich das mit dem "Recht auf Reparatur" ändert, das Ende Juli in Kraft getreten ist. Hersteller müssen ihre Produkte nicht nur reparaturfreundlicher fertigen und Reparaturanleitungen mitliefern, sondern auch Reparaturen und Ersatzteile weit nach der gesetzlichen Gewährleistungszeit für Elektrogeräte wie etwa Waschmaschinen, Smartphones und E-Scooter anbieten.
In Zukunft sollen Technikunternehmen verpflichtet werden, ihre Geräte reparierbar zu machen. Das EU-Gesetz gilt ab dem 31. Juli. Jutta Müller zeigt, worauf man jetzt achten solle.
10.07.2026 | 2:42 minArbeit im Repaircafé motiviert Rentnergruppe
Wolfgang Matschek ist promovierter Physiker und hat viele Jahre als Mathe- und Informatiklehrer gearbeitet. Computer kennt er seit ihrem Entstehen, bezeichnet sich selbst als "Native". 2015 war er einer der damals acht Gründerväter der Werkstatt. 11 Jahre später ist er immer noch mit derselben Freude dabei.
Das Gefühl, gebraucht zu werden, ist sicherlich auch eine große Motivation für die Männer, die zwischen 68 und 85 Jahre alt sind und auf ihre Erfolgsquote von 81 Prozent stolz sind. Ihr Engagement hat ihnen einige Umwelt-Preise gebracht.
Preisgelder und Spenden der Kunden fließen dann wieder ins Café, für neue Regale oder ihr tägliches Ritual: Kaffee und Kuchen vor der Arbeit.
Sieben rüstige Rentner im Landkreis Göttingen kümmern sich um ihr Dorf. Jeden Donnerstag trifft sich die Mobile Einsatztruppe MET, um zu besprechen, was sie als nächstes in Bühren reparieren oder verschönern wollen.
11.04.2025 | 2:05 minRepaircafé als "letzte Instanz vor der Mülldeponie"
Die Rentner wollen keine Konkurrenz zu Fachwerkstätten sein, sehen sich eher als "letzte Instanz vor der Deponie" an. Dennoch werden sie auch von Fachwerkstätten weiterempfohlen, schmunzelt Wolfgang Matschek. Denn sie retten oft auch die Erinnerungen, die viele Besitzer mit ihren Geräten verbinden.
Das Malteser Alten- und Seniorenzentrum stellt den Männern die Räume inklusive Nebenkosten umsonst zur Verfügung, weil sie auch mehr Laufkundschaft durch das Repaircafé haben. Es lohnt sich also für alle: für die Kunden mit kleinem Geldbeutel, für das Seniorenzentrum und für die Reparaturexperten. Jeder gewinnt etwas.
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