Er nimmt den Bus, sein Kollege ein Mietvelo – wer ist schneller?

Darum gehts
- Luka (18) fährt mit dem Bus, Marco (18) mit PubliBike-E-Bikes: Wer ist schneller von Zürich in Bern?
- Wer das Rennen zum Bundesplatz gewinnt, liest du im Artikel. Die beiden Jugendlichen trennen nur sechs Minuten.
- Luka muss rund 20-mal umsteigen und einmal rennen, Marco kämpft mit Baustellen und leerem Handy-Akku.
Vom Sechseläutenplatz in Zürich zum Bundesplatz in Bern: Luka (18) fährt mit Bussen und muss dafür immer wieder umsteigen. Marco (18) nimmt E-Bikes von PubliBike, die er unterwegs an Stationen wechseln kann. Wer zuerst auf dem Bundesplatz steht, gewinnt. Ihre Routen verraten sie einander nicht.
«Ich habe einen Fahrplan, er nicht»
Am Start in Zürich sind beide noch siegessicher: «Ich habe einen Fahrplan, er nicht», sagt Luka. Marco sieht das gelassen: «Ich habe keinen festen Fahrplan, ich kann fahren, wie ich will.» Die beiden kennen sich aus der Lehre und arbeiten im öffentlichen Verkehr. Normalerweise sind sie zusammen unterwegs. «Meistens reisen wir zusammen, aber heute reisen wir gegeneinander», sagt Luka.
Was es zu gewinnen gibt? Vor allem die Gelegenheit, den Kollegen aufzuziehen. «Ich würd ihn sicher ärgern, wenn ich gewinne», kündigt Luka an.
Raus aus Zürich – Luka legt vor
Luka erwischt den Bus Richtung Bremgarten AG. Zu Beginn läuft es. «Während Marco noch in der Stadt Zürich herumfährt, bin ich schon längst aus der Stadt raus», sagt er. Viel Zeit zum Zurücklehnen bleibt ihm allerdings nicht. Luka rechnet damit, rund 20-mal umzusteigen. An manchen Haltestellen hat er dafür nur ein bis zwei Minuten. «Ich muss die ganze Zeit schauen, ob mein Bus pünktlich ist.» Ein paar Minuten Verspätung, und die nächste Verbindung könnte weg sein.
Marco steht vor der ersten Baustelle
Marco hat seine Veloroute auf Swisstopo eingezeichnet. Den Zeitplan hat er ebenfalls vorbereitet. Nur hilft ihm das wenig, als er vor einem gesperrten Weg steht. «Jetzt stehen wir an einer Baustelle», sagt er. «Es wird ein rechter Umweg.» Immerhin hat er eine halbe Stunde Pause eingeplant. Die muss jetzt als Reserve herhalten. Doch es folgen weitere Umleitungen. Marco hängt seinem Plan hinterher. Seine Hoffnung gilt Lukas Umwegen: «Ich denke positiv, Luka wird sicher ein paar Anschlüsse verpassen.»
Wer Bus fährt, muss auch rennen
Zwischen Hunzenschwil AG und Buchs AG wird es für Luka tatsächlich eng. Die nächste Haltestelle liegt ein gutes Stück entfernt. Er muss zu Fuss weiter. «Ich muss einen Weg von 40 Minuten in 20 Minuten schaffen.» Luka rennt los. Eben war jede Unpünktlichkeit noch sein Feind. Jetzt würde sie ihm helfen. «Ich hoffe, der Bus hat eine Verspätung», sagt er unterwegs. Die Strecke zieht sich für ihn. «Es ist sehr anstrengend.» Dann schafft er es doch noch in den Bus. Wieder auf einem Sitzplatz, richtet er sich an seinen Konkurrenten: «Ja, Marco. Ich muss auch schwitzen.»
Bergauf wird es selbst mit Motor hart
Marco kämpft sich inzwischen den Heitersberg AG hoch. Das PubliBike unterstützt ihn beim Treten. Die Steigung spürt er allerdings trotzdem. «Es ist wirklich richtig steil hier.» Er schaut auf die Akkuanzeige des Velos. Noch alles gut. Unter ihm liegt der Nebel, oben kommt die Sonne heraus. «Wir haben es geschafft. Wir sind oben.» Doch die Erleichterung hält nicht lange. Nun macht das Handy Probleme. Marco hat es an die Powerbank angeschlossen, trotzdem verliert es weiter Akku. «Ich bin jetzt bei 13 Prozent.» Er braucht das Gerät für seine Route. «Wenn ich so weiterfahre, in zehn Minuten habe ich keinen Akku mehr», befürchtet er. Marco wechselt das Kabel. Dann noch einmal. Schliesslich funktioniert es. «Es lädt. Das ist das Wichtigste.»
Luka wartet. Marco kann weiterfahren.
Einmal pro Stunde schicken sich die beiden ein Foto. Zu sehen sein soll ein markantes Gebäude oder eine erkennbare Umgebung – aber kein Ortsschild. So müssen sie rätseln, wo der andere steckt. In Olten hat Luka reichlich Zeit dafür. Rund eine Stunde muss er auf seine Weiterfahrt warten. Er holt sich etwas zu essen und versucht es noch einmal mit einer Ansage. «Marco, während wir essen, kannst du in die Pedale treten.» Genau darin liegt allerdings das Problem. Luka kommt gerade keinen Meter weiter.
«Marco, wo steckst du jetzt?»
Später, in Solothurn, ist die Zuversicht kleiner geworden. Luka versucht herauszufinden, wie weit sein Kollege schon ist. «Marco, wo steckst du jetzt?» Auch die vielen Umstiege und die Laufstrecke machen sich bemerkbar. «Ich bin so kaputt. Ich mag gar nicht mehr.»
Marco kann Richtung Bern direkter fahren. Luka muss weiter den Busverbindungen folgen. Er weiss nicht, ob er den Kollegen noch einholen kann.
Noch eine Ampel. Noch ein paar Minuten.
Endlich ist Luka in Bern. Aber noch nicht auf dem Bundesplatz. Er steigt nochmals um, wartet an einer roten Ampel. «Ich kann es nicht glauben, ich bin einfach in Bern.» Die letzten Meter legt er zu Fuss zurück. Noch könnte es reichen. «Ich hoffe, Marco ist nicht dort.» Dann sieht er seinen Kollegen. Marco wartet bereits. Er hat das Rennen mit den elektrischen Mietvelos gewonnen.
Fast neun Stunden bis nach Bern
Wie lange Marco unterwegs war, zeigen seine aufgezeichneten PubliBike-Fahrten: Die erste beginnt um 8.03 Uhr am Zürcher Bellevue, die letzte endet um 16.52 Uhr am Bahnhofplatz in Bern. Dazwischen liegen acht Stunden und 49 Minuten. Von dort geht es noch die letzten Meter zum Bundesplatz.
Für Luka bleibt nach all den Anschlüssen, Wartezeiten und Laufstrecken Platz zwei. «Ich habe es geschafft, in Bern zu sein», sagt er im Ziel. Sein Fazit: «Ich war sechs Minuten langsamer. Trotzdem eine verrückte Challenge.»
Daniela Bertuzzi (dbe) arbeitet seit 2026 bei 20 Minuten im Ressort Regionen-Netzwerk
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