Gemeinsame Erdbebenübung – EU-Rettungskräfte in Genf: Schweiz probt den Ernstfall

Auf einem Schutthügel eines zusammengestürzten Hotels stehen Zivilschützerinnen und Zivilschützer und suchen nach Verschütteten. Mit Schlagbohrern versuchen sie, den Beton Schicht für Schicht zu zertrümmern. Unter einem anderen, völlig zerstörten Gebäude nebenan haben Zivilschützer ein Loch gebohrt, um von aussen durch eine Lücke ins Innere vordringen zu können. Suchhunde stehen bereit, um durch die Lücke unter die Trümmer zu gelangen und Verschüttete aufzuspüren.
Das ist seit Dienstagmorgen die Szenerie auf einem Übungsgelände der Genfer Rettungskräfte in der Gemeinde Epeisses nahe der französischen Grenze. Zivilschutz und Armee üben ihren Einsatz nach einer Erdbebenkatastrophe. Parallel sind Retterinnen und Retter auf dem Militärflugplatz im waadtländischen Payerne, wo sie eine mobile Flugüberwachungsanlage installieren.
Eine Premiere in der Schweiz
Das Übungsszenario sieht vor, dass die Situation die Schweiz rasch überfordert und der Bund Rettungsteams aus der EU zur Hilfe ruft. Die Helferinnen und Helfer, die vom Militärflugplatz Payerne nach Genf reisen, gehören dem sogenannten EU-Katastrophenschutzmechanismus an. Sie stammen aus Ländern wie Italien, Belgien, Kroatien, Griechenland, Bulgarien und Armenien.
Für die Schweiz ist die gemeinsame Übung mit Rettern aus der EU eine Premiere auf helvetischem Boden. Dieses Jahr beteiligte sich die Schweiz aber bereits an fünf Rettungsübungen im EU-Raum, darunter Dänemark, Portugal und Polen. Die Szenarien dort waren schwere Explosionen, Waldbrände und Überschwemmungen.
Die Zusammenarbeit mache grossen Sinn, sagt Co-Übungsleiterin Rebecca Dinkelbach. «Kein Land der Welt kann eine grosse Erdbebenkatastrophe mit eigenen Mitteln bewältigen.» Die internationale Hilfe sei in solchen Situationen unabdingbar, so die Vertreterin aus Deutschland.
Wie sehr ein Unglück überfordern kann, hat die Schweiz selbst unlängst erfahren. Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana hat nämlich der EU-Katastrophenschutzmechanismus seine Hilfe angeboten. Es waren Rettungskräfte aus der EU, die bei Transport und medizinischer Versorgung der Brandopfer mithalfen, jene Rettungskräfte, die nun auch in Genf und Payerne mitwirken.
Schweiz will aktives Mitglied werden
Die Schweiz engagiert sich im EU-Katastrophenschutzmechanismus aktuell auch darum stark, weil sie der Organisation gerne beitreten möchte. Anja Zbinden vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz sagt: «Die internationale Zusammenarbeit im Katastrophenfall läuft bereits sehr gut, aber die Schweiz würde bei der Rettungsorganisation der EU gerne aktives Mitglied sein.»
Ein Problem ist, dass die Schweiz kein EU‑Mitglied ist. Doch das ist kein Ausschlusskriterium, denn mittlerweile beteiligen sich neben den 27 EU-Mitgliedstaaten zehn weitere Staaten am Mechanismus, darunter Norwegen, Island und die Türkei. Die Schweiz und die EU seien im Gespräch, sagt Anja Zbinden.
Die Erdbebenübung in Genf und Payerne mit Helfern aus der Schweiz und EU-Ländern dauert noch bis am Donnerstag. Gearbeitet wird bei Tag und Nacht. Im Übungsszenario bereits fixiert ist, dass es zu einem Nachbeben kommen wird, was die Helferinnen und Helfer zusätzlich fordern wird.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.