Warum Hamburgs Stromnetz an seine Grenzen gerät
Hamburg will klimaneutral werden und seine Industrie elektrifizieren. Für einen von Deutschlands größten Industriestandorten fehlt dafür aber etwas Entscheidendes: ausreichend Stromleistung.
29.09.2026 | 1:49 minRechenzentren und ihre Kühlanlagen, Industrieunternehmen auf dem Weg zur klimaneutralen Produktion sowie große Batteriespeicher - sie alle brauchen Strom, viel Strom. Doch in Hamburg werden die Kapazitäten für neue Anschlüsse knapp - bei Hochspannungsstrom für Industrie-Kunden.
Und das, obwohl Hamburg geradezu umstellt ist von Norddeutschlands Windparks. Und obwohl die stadteigenen Hamburger Energienetze 2.000 Kilometer an neuen Kabeln verlegt haben.
Erneuerbare Energien haben im ersten Halbjahr einen Rekordanteil von 58 Prozent am deutschen Stromverbrauch gedeckt. Vor allem die Windenergie hat zum Anstieg beigetragen.
01.07.2026 | 0:27 minStromversorgung: Was machen Transformatoren?
Was fehlt, sind Transformatoren. Sie sorgen dafür, dass der Strom, der in Höchstspannung an die Hamburger Stadtgrenze kommt, runtergeregelt wird für das Hamburger Verteilnetz. Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz will bis 2035 für zusätzliche Kapazitäten 800 Millionen Euro ausgeben, aber Politik und Wirtschaft geht es nicht schnell genug:
Das erfolgt aktuell nicht in der Geschwindigkeit, die wir brauchen. Wir brauchen diese Trafos, und das zeitnah. Das ist ein Thema, das aktuell bei 50 Hertz liegt.
Dr. Peter Wolffram, Hamburger Energienetze
50 Hertz aber sagt: "Neue Umspannwerke (…) benötigen geeignete Flächen, erfordern umfangreiche Genehmigungs- und Abstimmungsprozesse und müssen bei laufendem Betrieb in das bestehende Netz integriert werden. Gerade diese Faktoren bestimmen oftmals den Zeitbedarf der Projekte stärker als die eigentliche Errichtung von Transformatoren."
Deshalb ist das Problem heute Thema auf der gemeinsamen Kabinettsitzung von Hamburg und Schleswig-Holstein: Die einen brauchen Strom, die anderen liefern ihn - wenn es nur genügend Trafos dafür gäbe.
Das wird zu einem Risiko für die Energiewende und den Klimaschutz in Hamburg.
Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister von Hamburg
Der Ausbau von Solar- und Windenergie kommt voran, doch das Stromnetz hinkt hinterher. Unternehmen warnen vor neuen Hürden durch geplante Gesetze. Auf der Solarmesse "Intersolar" in München geht es um Lösungen.
23.06.2026 | 2:45 minWas passiert, wenn nicht genügend Anschlusskapazitäten vorhanden sind?
Der Senat musste sich viel Kritik anhören wegen der vielen Baustellen für Energieleitungen. "Aber wir haben immer gesagt: Wir müssen das machen, um die Energiewende voranzutreiben. Und jetzt kommen die Übertragungsnetzbetreiber und sagen: Wir sind nicht fertig. Uns fehlen konkret 16 Trafos. Es klemmt, weil da nicht genügend vorgearbeitet wurde", so Tschentscher. Und er betont: "Das ist in ganz Deutschland ein Thema."
Tatsächlich haben Ballungsräume wie Berlin, Frankfurt am Main oder Stuttgart immer häufiger das Problem, dass es an Anschlusskapazitäten mangelt. Sie mussten bereits sogenannte Zuteilungsverfahren durchführen. Bestehende Anschlüsse sowie kleinere Neuanschlüsse sind davon nicht betroffen. Aber Großkunden, die künftig mehr Strom benötigen, müssen dann anmelden, welche Anschlussleistung sie benötigen. Erst im Zuteilungsverfahren wird ihnen dann mitgeteilt, welche Anschlussleistung sie tatsächlich bekommen, und oft auch noch: zu welcher Uhrzeit.
WISO - Wirtschaft erklärt
:Warum Strom bei uns so teuer ist und wer daran was verdientStrom ist bei uns in Deutschland so teuer wie in fast keinem anderen EU-Land. Aber warum ist das eigentlich so? Und wer verdient am Ende an unseren hohen Strompreisen?
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Netzausbau: Wie könnte es weitergehen?
Hamburg wird ab 1. November erstmals dieses Zuteilungsverfahren ausrufen müssen. Das ärgert den Bürgermeister sichtlich, und auch, dass die Bundesregierung bisher nur "träge" auf das Problem eingegangen sei. "Wir fordern, dass die Bundesregierung das in das Blickfeld nimmt und reguliert", so Tschentscher.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) betont, dass sein Land gern liefere, aber der Bund müsse auch da helfen: indem er weiterhin die Errichtung von Windparks, gerade von kleineren Projekten, mit seiner Regulierung unterstütze. Denn es braucht mehr Kapazitäten im Netz und es braucht mehr Strom.
Planung, Genehmigung und Bau solcher Anlagen dauern mehrere Jahre. Und die Wartelisten der Trafo-Hersteller sind lang, denn weltweit steigt gerade der Strombedarf rasant. Es ist ein Problem, das noch viel größer werden kann, wenn nicht bald gehandelt wird.
Britta Hilpert leitet das ZDF-Landesstudio Hamburg.
Über dieses Thema berichtete heute in Deutschland am 29.09.2026 ab 14:00 Uhr.
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