«Es hat sich gelohnt, um fünf Uhr aufzustehen»

Darum gehts
- Früh aufstehen und lange Anreisen lohnten sich: Das Martinsloch-Phänomen in Elm GL zog Hunderte Zuschauer an.
- Zweimal im Jahr scheint die Sonne durch das natürliche Felsloch auf die Kirchenspitze – im Frühling und im Herbst.
- Im Jahr 1989 haben vier junge Bündner das Sonnenereignis in Elm verhindern wollen.
«Es war beeindruckend, wie die Sonne durchschien und immer stärker glänzte und glitzerte», sagt Annette (63) aus dem Vorarlberg (A) nach dem Sonnenereignis in Elm im Glarnerland zu 20 Minuten.
Zweimal im Jahr scheint die Sonne durch das Martinsloch, ein natürliches Loch im Berg, auf die Kirchenspitze: im Frühling und im Herbst. Für ein paar Minuten erhellt sie den Dorfkern von Elm, bevor sie wieder hinter den Tschingelhörnern verschwindet. Gut eine halbe Stunde später geht die Sonne dann endgültig über den Berggipfeln auf.
Annette gehört zu einer vierköpfigen Freundesgruppe aus Österreich, die jeden Dienstag zusammen wandert. Dieses Mal führte ihre Wanderung in die Schweiz, weil Freunde ihnen spontan vom Sonnenereignis erzählt hatten. «Jetzt bin ich doch schon ein paar Jahre alt, aber davon habe ich noch nie etwas gehört.» Die eineinhalbstündige Anfahrt hat sich gelohnt, sagen die vier Freunde zu 20 Minuten.
Noch länger unterwegs war Therese aus Melchnau im Berner Mittelland. Fast drei Stunden reiste sie mit dem öffentlichen Verkehr nach Elm, um das Sonnenspektakel zu sehen. «Es ist toll, es hat sich mehr als gelohnt, um fünf Uhr aufzustehen», sagt die Bernerin zu 20 Minuten.
«Es war eine Überraschung»
Auch Faye (85) aus New Glarus (USA) ist begeistert. Faye ist in New Glarus aufgewachsen und hat enge Verbindungen zur Schweiz. «Meine Grossmutter ist in Elm aufgewachsen und später in die USA gezogen.» Ihr Vater sei Berner gewesen. Auch er sei in die USA ausgewandert und habe dort ihre Mutter kennengelernt.
«Es war nicht geplant, dass wir genau zur Zeit des Sonnenereignisses nach Elm kommen.» Umso schöner sei es, dass sie und ihre zwei Töchter zufällig gerade diese Tage in Elm gebucht hätten. «Wir waren schon sehr lange nicht mehr hier und dachten, dieses Jahr gehen wir wieder.» Faye wusste vom Spektakel, hatte es aber noch nie live gesehen.
Hast du das Martinsloch schon mal gesehen?
Geschichten zum Martinsloch für die Zuschauer
Rentner Hans Rhyner aus Elm begleitete und kommentierte das Ereignis. Er erzählte den Hunderten Zuschauern Hintergrundinfos zu Elm und zum Martinsloch. Eine seiner Geschichten stammt aus dem Jahr 1989: Damals verdeckten vier Bündner vor dem Sonnenereignis das Martinsloch mit einer 144 Quadratmeter grossen Plastikplane.
Als Rhyner damals auf die Strasse ging, kam der Förster zu ihm und sagte: «Hans, heute kommt keine Sonne, da hängt ein Tuch.» Rhyner habe geantwortet: «Warst du nächtig in einer Wirtschaft? Da kann doch kein Tuch oben sein.» Mit einem Feldstecher habe er es dann selbst gesehen. «Im Eck des Lochs hat etwas geglitzert.»
«Wir wollten den Elmern einen Streich spielen»
Die Sonne schien trotzdem noch etwas durch. Rhyner wollte aber wissen, was dort oben glitzerte. Zufällig war an diesem Tag ein Filmteam in Elm, das einen Film über die Hexe Anna Göldi drehte. «Ich habe sie gefragt, ob sie dort etwas reingehängt haben.» Die Filmemacher hätten geantwortet: «Nein, wir konnten am Morgen nicht filmen, da war ein Tuch drin.»
Rhyner ging der Sache nach. «Etwas weiter unten habe ich einen VW-Bus mit einer Bündner Nummer gesehen. Daneben waren junge Leute mit einem Funkgerät. Handys gab es damals noch keine.» Er habe sie gefragt, ob sie etwas mit dem Tuch im Martinsloch zu tun hätten. «Ja, wir haben am Stammtisch in Flims abgemacht, dass wir den Elmern einen Streich spielen», hätten die vier jungen Bündner lachend geantwortet.
Laut Rhyner hatten die Bündner das Martinsloch bereits am Vorabend abgedeckt. «Durch die Thermik hat es eine Öse herausgezogen. Deswegen haben wir die Blache am Morgen nur auf einer Seite durchschimmern sehen und sie hat nicht das ganze Loch verdeckt.»
«Am Mittwoch seid ihr alle nochmals eingeladen, da scheint die Sonne direkt auf die Kirchenspitze», sagt Rhyner zum Abschluss seiner Moderation am Dienstag. Am Mittwoch gegen 9.32 Uhr soll die Sonne direkt auf die Kirchenspitze scheinen.
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Vanessa Figi (vfi), Jahrgang 2004, arbeitet seit Juli 2026 als Praktikantin beim Ressort Ostschweiz.
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