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Tuesday, October 13, 2026

Dutzende Browser-Ports: KI-Modelle dekompilieren Spiele

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Inoffizielle Browser-Versionen von Spielen wie „Halo: Combat Evolved“, „Call of Duty: Black Ops“ oder „GTA: Vice City“ verbreiten sich derzeit im Netz. Laut dem US-Spielemagazin Kotaku sind in den vergangenen Wochen Hunderte solcher Ports und Emulatoren aufgetaucht. Kotaku sieht die Ursache im KI-Modell Claude Opus 5.5 von Anthropic, das außerordentlich gut im Dekompilieren von Spielen sei.

Einige Ports laufen nahezu fehlerfrei, schreibt Kotaku. Einige Ports bieten sogar funktionierende Online-Server.

Bei der Dekompilierung wird aus dem Maschinencode eines Spiels wieder lesbarer Quelltext rekonstruiert. Fan-Teams haben auf diese Weise etwa den N64-Klassiker „GoldenEye 007“ vollständig dekompiliert. Die Spieldaten müssen Nutzer dabei aus einer eigenen Kopie des Spiels extrahieren. Aus dem Quelltext lassen sich anschließend native Ports für andere Plattformen bauen. Für den Browser wird der Code häufig nach WebAssembly übersetzt, wodurch er im Browser-Tab laufen kann.

Der Simpsons-Port geht einen anderen Weg: Er rekonstruiert das Spiel mit der JavaScript-Bibliothek Three.js und liefert die konvertierten Spieldaten gleich mit. Das Spiel wird nicht als Stream von einem Server abgerufen, sondern lokal wiedergegeben. Solche Projekte haben bislang Monate oder Jahre gedauert. LLMs wie Opus 5.5 können den Prozess enorm beschleunigen.

Wie viel KI in den einzelnen Projekten steckt, ist oft unklar. Die Browser-Version von „Halo: Combat Evolved“, die Entwickler Mitchell Hynes Ende September veröffentlicht hat, baut etwa auf Dekompilierungsprojekten anderer Entwickler auf, an denen schon länger gearbeitet wird. Hynes’ Seite liefert zudem keine Spieldaten aus. Spieler müssen ein Abbild ihrer eigenen Xbox-Disc auswählen, um das Urheberrecht einzuhalten, heißt es auf der Seite.

Nicht alle Browser-Ports implementieren solche Schutzmechanismen – viele sind direkt und ohne Umweg startbar. Spielefirmen wie Activision reagieren darauf offenbar mit Takedown-Requests und Unterlassungsaufforderungen: Einige Social-Media-Posts, YouTube-Videos, die in den vergangenen Tagen gepostet wurden, sind mittlerweile nicht mehr aufrufbar. Auch einige Browser-Ports wurden bereits vom Netz genommen.

KI-Ports von Videospielen könnten helfen, nicht mehr verfügbare oder kompatible Titel langfristig zu bewahren. Nicht alle aus der Szene sind allerdings über die Situation glücklich: Der Entwickler DarioSamo, der die inoffizielle PC-Version von „Banjo-Kazooie“ namens „Banjo: Recompiled“ verantwortet, distanzierte sich Anfang Oktober von einer KI-generierten Portierung von „Banjo-Tooie“, die auf Werkzeugen seines Teams aufbaut. Laut VGC bezeichnete er es als respektlos, die menschliche Vorarbeit einfach mit KI zu verwerten. „Das sind alte und beliebte Spiele, die seit Jahrzehnten auf zahlreichen Wegen verfügbar sind, es gibt also keinen Grund zur Eile, als Erster eine Lösung mit diesen Werkzeugen anzubieten“, schreibt DarioSamo auf Bluesky.

Open-Source-Vordenker Eric S. Raymond hatte Spiele lange für einen der Bereiche gehalten, in denen sich geschlossene Software am längsten halten würde. Wenn sich auch Spiele per KI zurückverwandeln ließen, sei nichts mehr vor Reverse Engineering sicher, schrieb Raymond kürzlich mit Blick auf KI-Dekompilierung.

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