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Tuesday, September 22, 2026

Extreme Hitze bei NFL-Partie: Wenn Schuhe schmelzen

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Beim NFL-Spiel zwischen den Tennessee Titans und den Philadelphia Eagles heizt die Sonne den Kunstrasen extrem auf. Geschützt werden die Profis nicht.

R ücksichtsvoll geht die National Football League mit ihren Profis gewiss nicht um. Extremste Hitze war in Nashville am Sonntag angesagt. Aber die Unversehrtheit der TV-Einnahmen steht über allem. So wurde überhaupt nicht darüber nachgedacht, ob das auf 13 Uhr Ortszeit angesetzte Spiel zwischen den Tennessee Titans und den Philadelphia Eagles (20:24) nicht in die Abendstunden verschoben werden könnte.

Die Folgen hatten fast apokalyptische Ausmaße. Die brennende Mittagssonne heizte bei Außentemperaturen von 35 Grad den Kunstrasen auf fast 70 Grad auf. Eagles-Offensive-Lineman Cam Jurgens schilderte nach dem Spiel, dass seine Füße „brannten und immer noch schmerzten“. Die Spieler mussten die schmelzenden Sohlen ihrer Schuhe während der Partie mit Wasser herunterkühlen, damit sie noch einigermaßen Halt auf dem künstlichen Geläuf bieten konnten. Selbst Eagles-Coach Nick Sirianni wurde direkt nach der Partie eine Infusion gelegt, um seine Dehydrierung zu verhindern.

Schon eine Woche zuvor beim Saisonauftakt der Titans gegen die New York Jets berichteten die Beteiligten von ähnlich herausfordernden Bedingungen. Jordan Mailata forderte am Sonntag die Spielergewerkschaft auf, sich dafür einzusetzen, alle NFL-Vereine zu verpflichten, künftig auf Naturrasen zu spielen. Allerdings ist gerade bei solchen Extremwetterbedingungen das Bereitstellen von bespielbarem Naturrasen äußerst kostspielig. Breitensportvereine könnten sich das sicherlich nicht leisten.

An Warnungen in den vergangenen Jahren hat es der NFL nicht gefehlt. Erst im Jahre 2024 kam eine Studie des Unternehmens Climate X zu dem Ergebnis, den NFL-Stadien würden bis 2050 klimabedingte Kosten in Höhe von 11 Milliarden US-Dollar drohen. Eingepreist sind dabei neben Reparatur- und Wiederbeschaffungsmaßnahmen auch die erhöhten Versicherungskosten für die Stadionbetreiber.

Umzug in geschlossene Hallen

Als eine erste Reaktion auf derlei Prognosen könnte die jüngste Tendenz in der NFL interpretiert werden, die offenen Stadien durch Hallen zu ersetzen. Vorrangiger dürfte indes ein Interesse daran sein, dem Publikum zu entsprechenden Ticketpreisen angenehme Bedingungen zu schaffen. Neben den Cleveland Browns und den Jacksonville Jaguars planen eben auch die Tennessee Titans in Nashville einen Umzug. Schon nächste Saison soll es so weit sein. Die Kosten sollen mindestens 2,1 Milliarden US-Dollar betragen.

Dann werden die Spiele der Tennessee Titans zwar auf angenehme Temperaturen heruntergekühlt werden können, die Belastungen für das Klima werden aber durch den immensen Energieverbrauch weiter forciert.

Die NFL brüstet sich wie so viele andere Sportligen mit internationaler Strahlkraft mit Nachhaltigkeitsstrategien, der Reduzierung von CO2-Emissionen und Aufforstungsprogrammen. Umweltaktivisten kritisieren diese Maßnahmen aber als Alibi-Initiativen und Greenwashing. Gerade die globale Expansion der Liga mit Gastspielen etwa in England oder Deutschland, so wird moniert, führe zu exzessiven CO2-Emissionen.

Für große Aufregung sorgte jüngst in den USA der Todesfall eines Collegespielers. Matthew Mayich von der Arizona State University erlitt im August beim ersten Training nach der Sommerpause einen Hitzschlag. Das extreme Übungsprogramm eines Ex-Elitesoldaten unter extremen Temperaturen hatte ihm zu sehr zugesetzt.

Dieses Leistungssportverständnis in der NFL-Community, das absolute Härte heroisiert, fördert auch nicht unbedingt ein Umdenken. Eagles-Veteran Lane Johnson stufte die Partie am Sonntag als „eines der fünf härtesten Spiele“ in seiner Karriere ein. Da schwang durchaus eine Portion Stolz mit.

Johannes Kopp taz-Sportredakteur

Jahrgang 1971, bis Ende März 2014 frei journalistisch tätig. Seither fest mit dem Leibesübungen-Ressort verbunden.

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