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Monday, September 21, 2026

Abschiebung über Umwege - Trumps umstrittene Migrationsdeals

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Rabbiatu Kuyateh ist eine von Tausenden, die die USA in Drittländer abgeschoben haben.

21.09.2026 | 1:31 min

"Ich habe immer mein Bestes gegeben", erzählt die 58-Jährige Rabbiatu Kuyateh unter Tränen. Sie versteht nicht, wieso es ausgerechnet sie getroffen hat. "Ich habe dafür gesorgt, dass mein Sohn eine gute Ausbildung erhält und habe alles gegeben, ich war nie in Schwierigkeiten." Trotzdem schoben die USA sie nach Ghana ab - ein Land, das sie bislang nur von der Landkarte kannte, erzählt sie.

Vor mehr als 30 Jahren flüchtete Rabbiatu Kuyateh vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat Sierra Leone in die USA. In der Stadt Bowie, im Bundesstaat Maryland, baute sie sich ein neues Leben auf. Kuyateh arbeitete als Krankenschwester und gründete eine Familie. Doch diese Heimat sollte sie verlieren. Bei einem Routinetermin mit einer US-Behörde wird Kuyateh festgesetzt, erzählt sie gegenüber ZDFheute. Und wenig später, im November 2025, schieben die USA sie nach Ghana ab.

Seit Anfang 2025 25.000 Menschen in Drittländer abgeschoben

Für die gemeinsame Recherche "The Deportation Project" hat ZDFheute gemeinsam mit 25 Medienpartnern Abschiebungen aus den USA in Drittländer untersucht. Koordiniert wurde die Recherche vom Pariser Nonprofit-Newsroom Forbidden Stories.

Liberia will bis zu 1.200 aus den USA abgeschobene Migranten aufnehmen. Dort können sie Asyl beantragen oder das Land wieder verlassen.

19.08.2026 | 0:26 min

Rabbiatu Kuyateh ist laut Berechnungen des Recherchekonsortiums eine von mehr als 25.000 Personen, die seit dem Beginn von Trumps Präsidentschaft im Januar 2025 von den USA in ein Drittland abgeschoben wurden.

Gemeint sind Staaten, in denen die Abgeschobenen weder Bürger sind noch geboren wurden. Das Land, das bisher die meisten Personen aus Drittländern aufgenommen hat, ist Mexiko. Allein 20.000 Menschen wurden laut Zahlen der beiden NGOs Refugees International und Human Rights First dorthin abgeschoben, obwohl sie keine mexikanischen Staatsbürger sind.

US-Regierung soll 410 Millionen Dollar versprochen haben

Zahlreiche Juristen halten das Vorgehen der US-Regierung für einen Bruch des Völkerrechts. Manche der Abgeschobenen wurden von diesen Drittländern trotz eines bestehenden Schutzstatus weiter in ihre Herkunftsländer abgeschoben. Andere wurden bei Abschiebeflügen auf andere Kontinente geschickt: Die USA brachten etwa bei einem der Flüge Menschen aus Vietnam und Kuba nach Südsudan, einem Land, wo die Sicherheitslage angespannt ist und das Gesundheitssystem Berichten zufolge vor dem Kollaps steht.

Viele der Abgeschobenen berichten, dass ihnen der Zugang zu Anwälten und zu einem fairen Verfahren verwehrt wurde - wie es eigentlich nach US-amerikanischem Recht vorgesehen wäre.

Die USA haben begonnen, erste Migranten nach Liberia abzuschieben. Unter den insgesamt 1.200 Menschen, die die USA verlassen müssen, sollen Menschen aus Nord- und Südamerika und der Karibik sein.

21.08.2026 | 0:23 min

Als Grundlage für die Abschiebungen schließt die US-Regierung weltweit Abkommen, insbesondere mit Ländern in Lateinamerika und Afrika. Laut internen Unterlagen, die der Recherchepartner Washington Post auswerten konnte, sagte die US-Regierung im Gegenzug offenbar insgesamt mindestens 410 Millionen US-Dollar zu, um die Abkommen zu ermöglichen.

Weißes Haus weist Vorwürfe zurück

Das Weiße Haus erklärt in einer Stellungnahme gegenüber ZDFheute, man schiebe "nur diejenigen illegalen Einwanderer ab, deren Heimatländer sie nicht aufnehmen wollen, darunter gefährliche Straftäter oder illegale Einwanderer mit einer Abschiebungsanordnung, die beantragt haben, nicht in ihr Heimatland abgeschoben zu werden." Das US-Außenministerium gibt auf Anfrage an, man werde alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um diejenigen auszuweisen, die kein Aufenthaltsrecht hätten.

Nachprüfen lassen sich die Angaben der US-amerikanischen Regierung nicht. Fakt ist jedoch, dass laut dem "Deportation Data Project" mehr als 70 Prozent der Menschen, die die US-Einwanderungsbehörde ICE insgesamt im Juli in Haft genommen hatte, keine verurteilten Straftäter waren. Der Großteil der übrigen Festgenommenen war demnach nicht wegen gewalttätiger Straftaten verurteilt worden.

Abschiebung als Abschreckung?

Abschiebungen in Drittländer gab es bereits vor der aktuellen US-Regierung, ihre Zahl ist seither jedoch stark gestiegen. Juristen halten das für eine Strategie der Trump-Administration: Migranten sollen so eingeschüchtert werden, dass sie freiwillig zurück in ihre Herkunftsländer gehen - oder gar nicht erst kommen.

In den USA ist innerhalb von nur einer Woche ein zweiter lateinamerikanischer Migrant von ICE-Beamten erschossen worden. Er wurde offenbar verwechselt.

14.07.2026 | 2:27 min

Meredyth Yoon ist Migrationsanwältin in Atlanta, in Georgia, und vertritt eine Reihe von Abgeschobenen. Sie erklärt gegenüber ZDFheute:

Zu sehen, wie unser Rechtssystem derart gegen die schutzlosesten Menschen instrumentalisiert wird, macht mir große Sorgen.

Meredyth Yoon, Migrationsanwältin

Neben Rabbiatu Kuyateh wurden seit September 2025 mehr als 100 Menschen von den USA nach Ghana abgeschoben. Das belegen Zahlen der beiden NGOs Refugees International und Human Rights First.

Einige von ihnen besaßen eine Aussetzung der Abschiebung in ihre Herkunftsländer, ein von US-Gerichten festgestellter Schutz. Er soll verhindern, dass Menschen in Länder abgeschoben werden, in denen eine Gefahr für ihr Leben droht. Auch Rabbiatu Kuyateh besaß einen solchen Schutz - und wurde trotzdem nach Sierra Leone weiter abgeschoben.

Das Bild zeigt Rabbiatu Kuyatehs Arbeitsausweis, der auf einem Tisch liegt. Auf dem Ausweis steht ihr Name und die Jobbeschreibung "Wound Care Technician".

In Maryland arbeitete Kuyateh jahrelang als Krankenschwester und zog ihren Sohn groß.

Quelle: France 24

Anwalt: Ghana übernimmt "schmutzige Arbeit" für USA

Kein Einzelfall: Medienberichten zufolge wurden viele Personen aus Ghana weiter in ihre Herkunftsländer abgeschoben. ZDFheute liegen Videoaufnahmen vor, die den Abschiebeprozess von Rabbiatu Kuyateh durch ghanaische Behörden zeigen. In den Videos schleifen ghanaische Beamte die 58-Jährige über eine Straße zu einem Auto, da sie ihnen nicht freiwillig folgen will. Der ghanaische Jurist und Aktivist Oliver Barker-Vormawor, der diese Fälle als Anwalt vertritt, lehnt die Verabredung zwischen Ghana und den USA ab:

Ich bin davon überzeugt, dass die USA für ihre Drecksarbeit die Regierung in Ghana benutzt.

Oliver Barker-Vormawor, Jurist und Aktivist

Das Außenministerium von Ghana äußert sich auf Anfrage von ZDFheute nicht. Das US-Außenministerium erklärt hingegen, man kommentiere grundsätzlich keine nicht-öffentliche diplomatische Kommunikation mit anderen Regierungen.

Ob die US-Regierung die Abschiebungen weiter in dieser Form aufrechterhalten kann, ist unklar. Ein US-Berufungsgericht entschied am 18. September, dass die Abschiebungen gegen den Grundsatz eines ordnungsgemäßen Verfahrens verstoßen. Betroffene müssten zumindest ausreichend früh über ihre Abschiebung in ein Drittland informiert werden. Es wird erwartet, dass die US-Regierung Berufung einlegt.

Rabbiatu Kuyateh kämpft weiter darum, ihr altes Leben zurückzubekommen. Ihr gelang aus Sierra Leone wieder die Flucht in ein anderes afrikanisches Land, wo sie sich bis heute versteckt. Hier spricht sie mit Mitgliedern des Recherchekonsortiums offen über ihre Geschichte und die Angst davor, wieder in Sierra Leone zu enden.

Es ist ein Familienfoto. Kuyateh und ihr erwachsener Sohn stehen vor einem beschmückten Weihnachtsbaum.

Rabbiatu Kuyatehs Sohn ist US-Bürger und lebt weiterhin in den USA. Nun trennt die beiden ein ganzer Ozean.

Quelle: France 24

Kuyateh hofft, dass sie eines Tages wieder in die USA zurückkehren kann - ihre Heimat der letzten 30 Jahre und das Land, in dem ihre Familie lebt.

Mitarbeit: Yassin Musharbash, Karina Chabour und Lea Peruchon.

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