So merkte Tamy Glauser, dass sie lesbisch ist

Model ganz offen
So merkte Tamy Glauser, dass sie lesbisch ist
Tamy Glauser wollte die eigene Sexualität lange nicht wahrhaben. Im Gespräch mit Jonathan Schächter erzählt das Model, wie Dorfintoleranz und Familienbrüche ihr Leben geprägt haben.
Publiziert: vor 22 Minuten
- Dorfintoleranz liess Glauser ihre Liebe zu Frauen verdrängen
- Sie wuchs in Pflegefamilie auf und traf den Vater erst mit 17
- Nach SBB-Vorfall wünscht sie Regenbogenwesten als Entschuldigung
Sabrina RhynerRedaktorin People
Model und Unternehmerin Tamy Glauser (41) gewährt im Podcast «Spaghetti mit Ketchup und Chäs» von Jonathan «Jontsch» Schächter (44) intime Einblicke in ihr bewegtes Leben. Im Gespräch geht es unter anderem um das lange Ringen mit der eigenen Sexualität, aber auch um verletzende Kapitel der Familiengeschichte.
Gerade in der Zeit, in der das Thema Sexualität zum ersten Mal aufkam, sei sie sich über ihre eigenen Gefühle überhaupt nicht im Klaren gewesen. Sie erinnert sich daran, wie sie in ihren Jugendjahren schlicht nicht habe nachvollziehen können, «was die alle so geil daran finden, etwas mit einem Typen zu haben».
Als sie schliesslich das erste Mal Sex mit einem Mann hatte, sei dieses Gefühl nur noch stärker geworden, obwohl sich die Typen ihrer Meinung nach sehr viel Mühe gegeben hätten und der Sex immer einvernehmlich gewesen sei. Weitergemacht habe sie nur, weil sie schlicht keine Alternative gesehen habe. Man kenne und sehe es eben nicht anders. Wenn sich Freundinnen begeistert über Sex austauschten, habe sie gelogen, um dazuzugehören.
«Nachdem ich mit mehr als einem Typ ins Nest gegangen bin und es immer wieder das gleiche Gefühl war», dachte sie einfach, sie sei asexuell und der Sex einfach nichts für sie – «und damit konnte ich recht gut leben».
Der lange Weg zur eigenen Identität
Doch als das Model mit 17 zum ersten Mal mit einer Frau intim wurde, habe sich alles schlagartig geändert. Das plötzliche körperliche Erkennen, doch nicht asexuell zu sein, sei damals gleichzeitig das schönste und das schlimmste Gefühl ihres Lebens gewesen.
In ihrem Kopf habe sich sofort Panik eingestellt, und es sei immer wieder die Frage aufgetaucht: «Wieso bin ich lesbisch?». Ein Grund für diese Angst habe in der Intoleranz ihres damaligen Umfelds gelegen, denn in ihrem Heimatdorf habe es nur ein einziges lesbisches Paar gegeben, das auch nicht akzeptiert worden sei. Ausserdem habe sie sich selbst nicht mit den beiden Frauen identifizieren können. Gleichzeitig sei sie aber das Gefühl nicht losgeworden, «wenn ich lesbisch bin, muss ich so sein wie sie».
Es sei ein jahrelanger Kampf gegen das eigene Ich gefolgt. «Ich war mit Männern zusammen, um mir zu beweisen, dass das alles nicht so ist. Ich wollte es mir nicht eingestehen», gesteht das Model gegenüber dem Moderator. Heute beschreibt sich Glauser am ehesten als «transmasc» (transmaskulin) unter dem Non-Binär- beziehungsweise Trans-Schirm. Weder «Mann» noch «Frau» fühle sich als Bezeichnung passend an.
Die Geschichte mit der Pflegefamilie
Auch Glausers Kindheit war von Brüchen geprägt. Ihre leibliche Mutter habe sie schleichend in eine Pflegefamilie gegeben, ein geplanter Schritt sei das nie gewesen. Da ihre Mutter damals den Sohn der späteren Pflegeeltern gedatet habe, habe das Paar immer öfter auf sie aufgepasst. «Verstossen ist das falsche Wort», stellt sie jedoch klar.
Bei ihren Pflegeeltern habe es ihr keineswegs an Zuneigung gemangelt, sie habe «wirklich extrem viel Liebe» erfahren: «Die haben mich, glaube ich, noch fast ein bisschen besser behandelt als ihre eigenen Kinder.» Aber dennoch lasse sich die leibliche Mutter nicht einfach so ersetzen.
Sie habe zwar gewusst, wer ihr leiblicher Vater ist, gesehen oder kennengelernt habe sie ihn aber bis zu ihrem 17. Lebensjahr nie. Richtig bitter sei es jedoch 2014 nach dem Tod der Pflegemutter geworden. Sie habe nicht einmal an deren Beerdigung teilnehmen dürfen. «Ab dem Moment ist es wie, okay, du gehörst nicht mehr dazu.»
Eine Entschuldigung mit Symbolkraft
Zum Abschluss des Podcasts kommen die beiden auf einen Vorfall zu sprechen, der jüngst für Schlagzeilen sorgte: Glausers «Rant gegen die SBB», wie Schächter es nennt, nachdem eine Sicherheitsmitarbeiterin das Model körperlich angegangen sein soll.
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«Ich zittere»:Tamy Glauser erzählt über Begegnung mit SBB-Security
Glauser räumt rückblickend ein, dass die Situation sie in einem Moment der Verwundbarkeit erwischt habe – sonst wäre der Post wohl nie online gegangen. Mittlerweile befinde sie sich jedoch im konstruktiven Austausch mit der Sicherheitsfirma.
Als Entschuldigung schlägt das Model vor, dass das Sicherheitspersonal einen Tag lang Regenbogen- oder Trans-Muster-Westen tragen sollte.
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