Umgang mit Schusswaffen – Thailands Waffenproblem

Somsamai Buathes scrollt auf ihrem Handy durch das Facebook-Profil ihrer Tochter. Beim Anblick der Fotos beginnt sie zu weinen. Ihre Tochter wurde nur 32 Jahre alt. Vor neun Jahren wurde sie erschossen.
Ein Geschäftspartner schuldete ihr Geld. Als sie es zurückforderte, kam es zum Streit. Dessen Bruder tauchte bei ihr zu Hause auf, richtete eine Pistole auf sie und schoss das ganze Magazin leer.
«Ich will, dass niemand mehr eine Waffe tragen darf», sagt die Mutter heute. «Privatpersonen sollten vom Waffenbesitz ausgeschlossen werden.» Jedes Mal, wenn sie von neuen Schusswaffenangriffen lese, spüre sie einen Schmerz tief im Herzen.
Waffen als Statussymbol und Spielzeug
Meldungen von Schüssen und Amokläufen haben in den letzten Jahren auch über Thailand hinaus für Schlagzeilen gesorgt. Zuletzt erschoss ein 14-jähriger Junge mit der Waffe seines Grossvaters neun Menschen in seiner Schule. Daraufhin ordnete die Regierung einen temporären Stopp für neue Waffenlizenzen an.
Der private Waffenbesitz in Thailand
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Im asiatischen Vergleich hat Thailand eine der höchsten Raten beim privaten Waffenbesitz. Schätzungen gehen von über zehn Millionen Schusswaffen in Privatbesitz aus. Davon sollen jedoch nur sechs Millionen legal registriert sein. Rund vier Millionen nicht registrierte Waffen sollen sich zusätzlich im Umlauf befinden. Die Regierung hat wiederholt strengere Kontrollen und Gesetze versprochen, doch die Umsetzung bleibt eine Herausforderung.
Doch nicht alle sind damit einverstanden. Dee, ein Café-Besitzer in Bangkok, für den Schusswaffen zum Leben dazugehören, zählt seinen Besitz auf: «Drei Pistolen, eine Schrotflinte und ein Gewehr. Allesamt korrekt registriert.»
Das Problem seien die illegalen Waffen im Land. Ausserdem brauche er sie zur Verteidigung. Auf Nachfrage gibt Dee zu, dass bei ihm aber noch nie eingebrochen wurde. «Für mich sind sie auch eine Art Spielzeug. Wir gehen zum Schiessstand und üben.»
Gesetze mit Lücken
Auf den ersten Blick scheinen die Waffengesetze in Thailand streng. Doch es gibt enorme Lücken: Lizenzen sind lebenslang gültig, eine psychologische Prüfung ist nicht vorgeschrieben, und es wird nicht kontrolliert, ob die Waffen sicher aufbewahrt werden.
Theerawat Panyathamkul, Politiker der Opposition und ehemaliger Polizist, sieht das Problem auch in der Kultur: «Ich glaube, es hat mit dem Zurschaustellen von Macht zu tun.» Ein komplettes Verbot für legale Waffen würde seiner Meinung nach nur die Zahl der illegalen Waffen erhöhen, die schon heute online verkauft werden. Korruption und eine lasche Durchsetzung der Gesetze verschärfen das Problem zusätzlich.
Für Somsamai Buathes kommen allfällige Gesetzesverschärfungen zu spät. Der Mörder ihrer Tochter wird voraussichtlich in wenigen Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Eine Entschuldigung hat sie nie erhalten. «Ich werde ihm nicht vergeben. Für den Rest meines Lebens werde ich diesem Menschen niemals vergeben.»
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