Primarschule soll neu 100’000 Franken fürs Turnen zahlen

- Die Primarschule Lütisburg SG soll ab 2027 jährlich 100’000 statt bisher 4000 Franken für den Sportunterricht zahlen.
- Bütschwil-Ganterschwil verlangt ab dem 1. Januar 2027 für seine Turnhallen 140 Franken pro Stunde für Hallennutzer, welche zuvor in Lütisburg die Halle benutzten und wegen der abgerissenen Halle nun nach Bütschwil-Ganterschwil ausgewichen sind.
- Neben der Schule ist der Turnverein Lütisburg betroffen: Er zahlt neu 60’000 Franken Hallenmiete pro Jahr und droht sich aufzulösen.
«So etwas ist unglaublich», sagt Marianne Burger Studer, Schulpräsidentin der Primarschule Lütisburg, zu 20 Minuten. Die Schule im Kanton St. Gallen soll ab 2027 jährlich 100’000 Franken zahlen, damit sie den Sportunterricht in der Turnhalle der Nachbargemeinde durchführen darf. Bisher waren es 4000 Franken, wie das Portal «Toggenburg24» berichtet.
Die Nachbargemeinde Bütschwil-Ganterschwil kündigte Ende Oktober an, dass sie ab dem 1. Januar 2027 für ihre Turnhallen 140 Franken pro Stunde verlangt. Die bisher verrechneten Kosten hätten «deutlich» unter den tatsächlichen Betriebskosten gelegen, so die Begründung der Gemeinde. Die neuen Tarife treffen jene, die wegen der fehlenden Turnhalle in Lütisburg auf die Hallen der Nachbargemeinde angewiesen sind. Die Turnhalle in Lütisburg wurde 2025 geschlossen und im Herbst desselben Jahres abgerissen. Einsprachen gegen das Baugesuch verhindern bisher den Bau einer neuen Halle.
«Dann müssen wir unseren Turnverein auflösen»
«Einen Teil des Sportunterrichts könnten wir in andere Gemeinden verlegen», sagt Schulpräsidentin Burger Studer. Eine Jahrespauschale von 400 bis 800 Franken pro wöchentlicher Turnlektion ist üblich. Burger Studer hofft nun, dass man zum Wohl der Kinder einen Kompromiss findet. «Wir werden versuchen zu verhandeln», sagt sie und ergänzt: «Die Situation ist bitter für die Kinder.»
Auch für den Turnverein Lütisburg ist das eine Hiobsbotschaft: «Wir können die neuen Tarife ein halbes Jahr zahlen, danach müssen wir unseren Turnverein auflösen», sagt Präsident Simon Meile zu 20 Minuten. Als die Gemeinde ihn telefonisch über die neuen Tarife informiert habe, sei er fassungslos gewesen, sagt Meile. «Das war ein Schock. Mit den neuen Tarifen werden wir jährlich 60’000 Franken Hallenmiete zahlen.»
Wie es mit dem Turnverein weitergeht, ist offen
Wie es ab Januar weitergeht, weiss der Turnverein noch nicht. «Ausweichmöglichkeiten sind schwierig, die Hallen im Toggenburg sind bereits ausgelastet», sagt Meile.
Meile versteht den Entscheid nicht. «Dass man den Turnverein, der so viele Stunden in die Jugend investiert, bestraft, ist nicht okay.» Hinzu komme, dass ein Teil der Vereinsmitglieder in Bütschwil-Ganterschwil wohne. Meile vermutet, dass die Gemeinde mit den hohen Tarifen Druck auf Lütisburg ausüben will.
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«Für uns war es eine Übergangslösung»
Der Gemeindepräsident von Bütschwil-Ganterschwil verteidigt das Vorgehen: «Vor rund einem Jahr wurde die Turnhalle in Lütisburg abgebrochen, ohne dass zu diesem Zeitpunkt eine Baubewilligung für einen Ersatzneubau vorlag. Bis heute ist dieses Projekt bekannterweise blockiert. Die heutige Situation, dass in Lütisburg keine eigene Turnhalle zur Verfügung steht, ist somit eine Folge von Versäumnissen», sagt Hans Städler zu 20 Minuten.
«Dem Gemeinderat Bütschwil-Ganterschwil war von Beginn an bewusst, dass weder die Schülerinnen und Schüler noch die Vereine unter dieser Situation leiden sollen», führt Städler aus. Deshalb sei gemeinsam mit den Betroffenen eine unkomplizierte Lösung ermöglicht worden.
«Die Sporthallen in Bütschwil, Ganterschwil und Dietfurt konnten während der vergangenen zweieinhalb Jahre zu einem stark subventionierten Einheimischentarif genutzt werden», sagt der Gemeindepräsident. Ein Anspruch auf die Nutzung der Hallen habe zu keinem Zeitpunkt bestanden. «Trotzdem haben wir diese Möglichkeit aus Solidarität und im Interesse der Betroffenen angeboten.»
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Vanessa Figi (vfi), Jahrgang 2004, arbeitet seit Juli 2026 als Praktikantin beim Ressort Ostschweiz.
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