Air Baltic in Nöten: Swiss-Partnerin spart jetzt sogar bei der Kotztüte
Ab dem 1. Oktober streicht die Air Baltic Kotztüten und Desinfektionsgel auf der Toilette – aus Kostengründen. Der Sparkurs trifft auch die Crews: Sie müssen Abfall künftig selbst entsorgen und auf Business-Lounges verzichten. Air Baltic fliegt auch für die Swiss.
Publiziert: vor 7 Minuten
Aktualisiert: vor 6 Minuten
Darum gehts
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- Air Baltic beantragte Gläubigerschutz, Flugbetrieb läuft trotz finanzieller Notlage weiter
- Kotztüten und Desinfektionsmittel werden eingespart, Crews übernehmen Reinigungsarbeiten
- Airline benötigt 156 Mio. Euro, erhält 350 Mio. Euro Finanzierung zugesichert
Patrik BergerRedaktor Wirtschaft
Air Baltic steckt in grossen finanziellen Schwierigkeiten. Die lettische Fluggesellschaft – sie führt auch Flüge für die Swiss durch – schaut grad auf jeden Rappen. Und setzt den Rotstift selbst bei den kleinsten Dingen an, wie das Aviatikportal Aerotelegraph berichtet. Ab 1. Oktober verschwinden laut einem internen Dokument die Kotztüten aus den Sitztaschen. Der beruhigende Griff zum Papiersack, wenn der Magen bei Turbulenzen rumort, geht bald ins Leere.
Künftig sollen nur noch rund 50 Stück des nützlichen Accessoires im hinteren Teil der Kabine lagern. Wer während des Fluges eine Kotztüte braucht, muss erst beim Kabinenpersonal danach fragen. Die Airbus A220-300 haben Platz für 150 Passagiere. Müssen mehrere Reisende gleichzeitig erbrechen, kommt da einiges an Arbeit auf die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter zu.
Kein Desinfektionsgel im WC
Doch damit nicht genug. Auch Desinfektionsgel und Kosmetiktücher werden aus den Toiletten entfernt. Selbst die Abfallbeutel im Cockpit fallen dem Sparkurs zum Opfer. Air Baltic betont, die Änderungen entsprächen sämtlichen Sicherheitsvorschriften und seien in der Branche üblich.
Auch die Crews müssen sparen. An Flughäfen, an denen Reinigungsleistungen reduziert werden, soll das Kabinenpersonal teilweise selbst Abfall aus den Maschinen entfernen, wie Aerotelegraph schreibt. Nach dem Essen sollen Flugbegleiter zudem die Tabletts der Piloten einsammeln. Und: Besatzungen dürfen Wartezeiten zwischen Flügen nicht mehr in Business Lounges verbringen. Denn jeder Besuch kostet die Airline Geld.
Air Baltic spart aber auch bei den grossen Budgetposten. Und redimensioniert die einst grossen Wachstumspläne. Die Folge: Statt der einst für 2031 angepeilten 100 Airbus A220 soll die Flotte nur noch 40 Maschinen umfassen.
156 Millionen dringend benötigt
Die lettische Staatsairline beantragte Mitte September in New York Gläubigerschutz nach Chapter 11. Damit will sie ihre Schulden neu ordnen und gleichzeitig den Flugbetrieb aufrechterhalten. Wie angespannt die Lage ist, zeigte sich bereits kurz zuvor: Die Ratingagentur Fitch schätzte, dass Air Baltic kurzfristig rund 156 Millionen Euro zusätzliches Kapital benötige, um weiterfliegen zu können. Ohne frisches Geld seien die Möglichkeiten der Airline «ziemlich begrenzt».
Inzwischen hat Air Baltic eine Finanzierung über 350 Millionen Euro für die Sanierung zugesichert bekommen. Eine erste Tranche von 140 Millionen Euro wurde bereits freigegeben. Gleichzeitig sollen Schulden reduziert, Kosten gesenkt und die Flotte verkleinert werden. Der Flugbetrieb läuft während des Verfahrens weiter.
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