Brandanschlag in Frankfurt am Main: Hilfsgüter für die Ukraine in Flammen

In Frankfurt am Main verbrannten in der Nacht auf Freitag tonnenweise Hilfsgüter für ukrainische Zivilist*innen. Die Polizei vermutet Brandstiftung.
Foto: imago
In Frankfurt am Main hat es am Freitag auf einem Schulgelände im Stadtteil Dornbusch gebrannt. Das brisante: Dort waren die Hilfsgüter des Vereins „Frankfurt for Ukraine“ gelagert, die in den nächsten Wochen in die Ukraine transportiert werden sollten. Und: Die Frankfurter Kriminalpolizei geht davon aus, dass es Brandstiftung war. Jetzt werden Zeugen gesucht.
Da es sich bei dem betroffenen Gebäudeteil um ein Lager für Sachspenden und Hilfsgüter für die Ukraine handelte, „wurde das Staatsschutzkommissariat in die weiteren Ermittlungen eingebunden“, so die Frankfurter Polizei. Dieses soll klären, ob ein politisches Motiv vorliegt.
Für die Löscharbeiten waren mehr als 300 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr, der Freiwilligen Feuerwehr Frankfurt am Main und weiterer Organisationen 19 Stunden lang vor Ort. Der Einsatz sei besonders aufwendig gewesen, da einzelne Brandstellen nur schwer erreichbar gewesen seien und „die Einsatzkräfte aufgrund der Brandgase unter Atemschutz arbeiten mussten. Deshalb waren regelmäßige Ablösungen der eingesetzten Kräfte erforderlich“, teilte die Stadt Frankfurt am Samstag noch mit.
Bei den verbrannten Gegenständen handelte es sich laut Jumas Medoff, Geschäftsführer und Sprecher des Vereins „Frankfurt for Ukraine e. V.“, um insgesamt 20 Paletten mit Spenden, die in der kommenden Woche in die Ukraine transportiert werden sollten. Sie sollten die Menschen vor Ort durch die kalte Jahreszeit bringen. „Der Winter wird sehr, sehr hart“, so Medoff gegenüber der taz.
Auch Geschenkpakete für Sanitäter verbrannt
Die 20 Paletten seien vor allem für die Rettungskräfte, Krankenhäuser sowie Waisenhäuser gedacht gewesen. Dabei habe es sich zu großen Teilen um gebrauchte Sachen gehandelt, wie etwa Uniformen für die Feuerwehr, Feuerlöscher, Bettwäsche, Handtücher, aber auch Rollstühle, Toilettenstühle, alte medizinische Geräte sowie Holzöfen. Da die Zentralheizung in der Ukraine öfter ausfällt, seien vor allem Holzöfen für die Menschen vor Ort sehr wichtig. „Wir hatten auch noch Geschenktüten für Sanitäter und Krankenschwestern vorbereitet“, sagt Medoff. Auch diese Überraschungspakete mit Erkältungstees und Proteinriegeln sind verbrannt.
Ob die Brandstiftung ein politisches Motiv hatte, ist bislang unklar. Allerdings, „es ist ein Signal, dass wir aufhören sollen“, sagt der 45-jährige Sprecher. Der Verein habe in den vergangenen Jahren immer wieder Hasskommentare bekommen, nicht nur von Menschen mit Russlandbezug, sondern auch von vielen Menschen aus Deutschland. Wenige Tage vor dem Brand habe man auch Nachrichten bekommen, dass man „Ukrainern nicht helfen sollte“.
„Das waren aber übliche Kommentare und wir löschen sie schnell“, so Medoff, auch er sei in der Vergangenheit immer wieder bedroht worden. Medoff ist seit 2016 Vorsitzender der Kommunalen Ausländerinnen- und Ausländervertretung der Stadt Frankfurt am Main (KAV). „Wir haben uns daran gewöhnt.“
Der Verein engagiert sich für die Hilfsgütertransporte für die Ukraine seit dem dritten Tag des russischen Großangriffs 2022. Seitdem habe der Verein rund 172 Transporter selbst organisiert, so Medoff. Mittlerweile organisiert der Verein die Spenden ehrenamtlich nicht nur in Frankfurt, sondern auch im gesamten Rhein-Main-Gebiet die Hilfe für die Ukraine. „Egal ob Weihnachten oder Silvester, es gab keine Woche, in der wir nicht gearbeitet haben“, so Medoff.
Am Sonntag versuchte Medoff noch, einige der Spenden, die den Brand überstanden hatten, zu reinigen. Die Feuerwehr habe ein paar Sachen noch retten können. „Uns allen geht es nicht so gut, mir natürlich auch nicht“, so der 45-Jährige, „so viel Energie wurde in diese Spenden reingesteckt“. Es helfe aber, die große Unterstützung von den Menschen, der Politik, der Feuerwehr, der Polizei zu sehen. Die geretteten Sachen habe man inzwischen in einem geheimen Lager an einem anderen Ort gebracht. Allerdings braucht der Verein möglichst bald ein neues Lager.
Medoff will am 23. Oktober die Restspenden trotzdem in die Ukraine transportieren, „um ein Zeichen zu setzen“. Das hessische Innenministerium stellt dafür Transporter zur Verfügung. „Sollte sich im Verlaufe der weiteren Ermittlungen herausstellen, dass es sich bei dem Brand in Frankfurt um einen gezielten Brandanschlag gegen den Ukraine-Hilfsverein handelt, wäre dies eine besonders verwerfliche Tat“, erklärte der Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) am Samstag. Sie würde sich nicht nur gegen fremdes Eigentum, sondern unmittelbar auch gegen Menschlichkeit und Solidarität richten.
Die Zahl der politisch motivierten Straftaten war im letzten Jahr in Hessen so hoch wie nie: 5.556 Fälle hatte das Innenministerium verzeichnet. Mit 2.467 Straftaten bleibt der Rechtsextremismus der größte Bereich in der Statistik.
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