Künstliche Intelligenz – Für den Papst auf KI‑Mission

Berater der päpstlichen Entwicklungsbehörde – seit Mitte August hat Peter G. Kirchschläger diese spezielle Funktion. «Es hat mich sehr gefreut, dass Papst Leo XIV. mir diese Aufgabe anvertraut hat. Ich bin ihm für dieses Vertrauen sehr dankbar.»
Peter G. Kirchschläger wurde 1977 in Wien geboren und wuchs in einer politisch und katholisch geprägten Familie auf. Sein Grossvater war der frühere österreichische Bundespräsident Rudolf Kirchschläger.
Als Fünfjähriger zog er mit seiner Familie in die Schweiz, nach Luzern. Später studierte er unter anderem in Luzern, Rom und Jerusalem.
Heute ist Peter G. Kirchschläger Professor für theologische Ethik an der Universität Luzern und leitet das Institut für Sozialethik. Zudem ist er Gastprofessor an der ETH Zürich. Er wurde in den letzten Jahren zum Experten für ethischen Umgang mit künstlicher Intelligenz. Darüber hinaus hält Kirchschläger weltweit Vorträge und berät Gremien wie die UNESCO oder die OECD. Jetzt also auch den Vatikan.
Ich sehe es als grosse Verantwortung, hier meinen kleinen Beitrag leisten zu können.
Auf ihn aufmerksam wurde der Papst wegen seiner Forschung. Erkenntnisse daraus flossen bereits in die Enzyklika des Papstes über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. Papst Leo XIV. mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, das sei nicht nur eine Ehre, sagt der 49-jährige Ethik-Professor: «Ich sehe es als grosse Verantwortung, hier meinen kleinen Beitrag leisten zu können.»
Peter G. Kirchschläger betont, dass es nicht darum gehe, den technologischen Fortschritt an sich zu kritisieren, sondern eine bestimmte Form: «Die KI muss aus der Geiselhaft von ein paar wenigen multinationalen Technologiekonzernen befreit und in den Dienst der ganzen Menschheit und des Planeten Erde gebracht werden.»
Dafür brauche es eine menschenrechtsbasierte Regulierung von KI. Er fordert deshalb die Schaffung einer internationalen Kontrollinstanz bei der UNO, die das durchsetzt. «Dies lieber gestern als morgen.»
Beratungen online und vor Ort
Kirchschläger ist überzeugt, dass der Papst sein Anliegen unterstützt. «Ich bin sicher, dass dies beim Papst auf offene Ohren stösst. Er hat erkannt, dass die KI eine grosse Herausforderung für die Menschenwürde und für die Gerechtigkeit darstellt.»
Seine Arbeit mit dem Vatikan werde schon bald beginnen: Man werde sich einerseits vor Ort treffen, aber je nach Thema auch online zusammenarbeiten. Er werde versuchen, seine Forschungsergebnisse einbringen zu können.
Papst Leo XIV. ist sicherlich eine Stimme, die gehört wird.
Nur – was bringt das alles? Wie viel Einfluss kann der Papst überhaupt auf die weltweite KI-Entwicklung nehmen? Die Kirche habe zusammen mit anderen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften eine spezifische ethische Kompetenz, sagt Kirchschläger: «Papst Leo XIV. ist sicherlich eine Stimme, die gehört wird. Sei das bei Unternehmen oder bei politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern.»
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