Gemeinsamer Schweizer Feiertag – Erntedankfeste: Woher die jahrtausendealte Tradition kommt

Gemeinsamer Schweizer Feiertag Erntedankfeste: Woher die jahrtausendealte Tradition kommt
Erntedankfeste erleben eine Renaissance. Ihre Geschichte reicht über 17’000 Jahre zurück – vom urzeitlichen Überlebenskampf bis zum ersten gemeinsamen Feiertag der Schweiz.
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22.09.2026, 15:34
Geschmückte Kühe, Trachten und Alphörner auf dem Berner Bundesplatz: Die Sichlete ist eines der grössten Erntedankfeste der Schweiz. Heute soll das Fest den Stadtmenschen die Landwirtschaft näherbringen. Früher würdigten die Menschen damit die Ernte.
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Bild 1 von 3. Zur traditionellen Sichlete auf dem Bundesplatz gehören auch Bauernhoftiere. Bildquelle: Keystone/Peter Klaunzer.
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Bild 2 von 3. Der Alpabzug ist für viele das Highlight der Sichlete. Bildquelle: Keystone/Peter Klaunzer.
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Bild 3 von 3. Organisiert wird die Sichlete auf dem Bundesplatz vom Berner Bauernverband. Bildquelle: Keystone/Marcel Bieri.
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«Der Ursprung reicht wahrscheinlich etwa 17’000 Jahre zurück, in eine vor-antike Kultur», sagt Boris Previšić, Direktor des Urner Instituts Kulturen der Alpen an der Universität Luzern. Im Gebiet des heutigen Anatoliens hätten Menschen wildes Getreide gesammelt und daraus Bier gebraut.
Schon damals hätte man das ur-menschliche Bedürfnis gehabt, für die Gaben der Natur «Danke» zu sagen. «Das war existenziell: Wenn man eine schlechte oder gar keine Ernte eingefahren hatte, hatte man im Winter nichts mehr.»
Zürich ist eigentlich verantwortlich dafür, dass das Erntedankfest irgendwann zu einem eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag geworden ist.
Der Dank richtete sich einerseits an die Götter oder an die Natur für die Fruchtbarkeit der Erde. Andererseits dankte man den Mitmenschen, die bei der Ernte halfen.
Der Brauch zog sich durch die antiken Kulturen hindurch. Im Laufe der Jahrhunderte flossen dann verschiedene Traditionen in das uns heute bekannte Erntedankfest ein.
Der Brauch wird politischer
Mit der Reformation im 16. Jahrhundert bekam das Fest eine neue politische Dimension: Die Stadt Zürich führte im September einen Feiertag ein, an dem dafür gedankt wurde, dass die Hugenotten – französische Protestanten, die wegen ihres Glaubens verfolgt wurden – während der blutigen Bartholomäusnacht Zuflucht in der Eidgenossenschaft fanden.
«Zürich ist eigentlich verantwortlich dafür, dass das Erntedankfest irgendwann zu einem eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag geworden ist.»
Aus einem religiösen Erntedank wurde damit zunehmend auch ein politischer Tag. Rund ein Jahrhundert später, im Dreissigjährigen Krieg, dankten die Reformierten am selben Datum dafür, dass die alte Eidgenossenschaft von den Kriegswirren verschont geblieben war.
Bettag verbindet die zerstrittenen Kantone
Die Katholiken führten später ihren eigenen Dank- und Bettag ein. Erst im Umbruch der Französischen Revolution beschlossen die zerstrittenen Kantone erstmals, den Tag gemeinsam zu feiern.
Für den Zusammenhalt der Kantone war das ein wichtiger Schritt: Er bot den konfessionell und sprachlich unterschiedlichen Kantonen einen gemeinsamen Feiertag.
«Ich glaube, die Schweiz wäre immer wieder zerbrochen: sei das an der Sprachgrenze vor dem Ersten Weltkrieg, sei das wegen der konfessionellen Grenzen im 16. und 17. Jahrhundert», so Previšić.
Nach der Staatsgründung wurde der Bettag im Jahr 1876 als erster offizieller eidgenössischer Feiertag in den Staatskalender aufgenommen.
Bewusstsein für Landwirtschaft wächst
Heutzutage erleben die Erntedankfeste eine Renaissance: «Ich glaube, es gibt immer mehr Bewusstsein dafür, dass wir abhängig sind von dem, was auf der Erde wächst. Gerade nach diesem dürren Sommer.»
Die Sichlete bewegt sich deshalb auf mehreren Ebenen: Sie erinnert an eine jahrhundertealte Tradition des Erntedanks und bringt die Landwirtschaft in die Stadt. Damit rückt sie zugleich ins politische Zentrum der Schweiz, wo parallel gerade die Herbstsession stattfindet.
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