An Sitz geklebt, Job verloren – nun spricht der Flugzeug-Rüpel

- Arthur Layne Lundeen soll auf einem American-Airlines-Flug Passagiere beleidigt und angegriffen haben.
- Die Crew fesselte den 67-Jährigen deshalb mit Panzer-Tape. Der Flug wurde umgeleitet.
- Vor Gericht erklärte der 67-Jährige nun, sich nicht an den Vorfall erinnern zu können – nur an zwei Screwdriver-Cocktails.
- Lundeen muss sich wegen Körperverletzung und ungebührlichen Verhaltens verantworten. Der Prozess beginnt am 19. Oktober.
Den American-Airlines-Flug 618 am 3. September hatten sich Passagiere und Crew wohl anders vorgestellt. Ein Mitreisender wurde mit Panzer-Tape an seinen Sitz gefesselt und statt nach Newark ging es am Ende nach Baltimore. Das Bild vom fixierten Arthur Layne Lundeen ging um die Welt. Grund für die bizarr anmutenden Szenen: Lundeen soll sich rassistisch und schwulenfeindlich geäussert und zudem andere Menschen an Bord angegriffen haben. In der Folge verlor der 67-Jährige seinen Job. Nun hat sich der Amerikaner erstmals selbst zu dem Vorfall geäussert. Er zeigt sich US-Berichten zufolge überrascht von den Vorwürfen gegen ihn.
Zwei Screwdriver, dann schwindet die Erinnerung
«Ich kann mich an nichts erinnern, was passiert ist», zitiert ihn «The Baltimore Banner». Der Newsplattform liegt eine Audioaufnahme des ersten Anhörungstags vor Gericht vor. Lundeen wird demnach Körperverletzung zweiten Grades und ungebührliches Verhalten vorgeworfen. Schon während der Aufzählung der Anklagepunkte zeigte sich der Amerikaner irritiert: «Ich habe einen Polizisten angegriffen? Steht das da?», soll Lundeen gefragt haben. «Ich habe meine Brille nicht dabei.» Und weiter: «Oh mein Gott. Was für ein Durcheinander.» Doch nicht alle Details des denkwürdigen Fluges scheinen vergessen: Gut erinnern kann er sich zum Beispiel an die zwei Screwdriver, Cocktails aus Wodka und Orangensaft, die er konsumiert haben will.
«Er hat alles und jeden beschimpft»
Jemand, der das Geschehen laut eigener Aussage noch gut in Erinnerung hat, ist Lundeens Sitznachbar: Jonathan Cahn, ein Rabbiner. Dieser erklärte gegenüber «The Baltimore Banner» telefonisch, sich etwa zwei Stunden lang mit Lundeen unterhalten zu haben – so lange, dass die Flugbegleiter sie für alte Freunde hielten, obwohl es ihr erstes Treffen war. Doch als das Gespräch auf Religion gekommen sei, habe sich Lundeens Verhalten geändert. Dann habe dieser «Obszönitäten, Unzucht, Vulgaritäten und Blasphemie geäussert», so das Newsportal. Gegenüber der britischen «The Sun» sagte Cahn, Lundeen habe «alles und jeden beschimpft.»
Hast du schon einmal erlebt, dass jemand im Flieger randaliert?
Das deckt sich mit weiteren Zeugenaussagen, die vor Gericht geäussert wurden. Laut diesen sei der 67-jährige Angeklagte «zunehmend unruhig» geworden und habe Schimpfwörter und rassistische Beleidigungen ausgestossen, einen schlafenden Passagier geweckt und eine andere Mitreisende gefragt, ob sie Jesus liebe.
Prozess ist für den 19. Oktober angesetzt
Welche Strafe Lundeen erwartet, ist offen. Der für den Fall zuständige Bezirksrichter George Haag entliess den Angeklagten laut «The Baltimore Banner» ohne Kaution und ordnete an, dass er auf Alkohol und Drogen, mit Ausnahme verschriebener Medikamente, verzichten müsse. Der Prozess ist für den 19. Oktober angesetzt. Das FBI führt ausserdem Befragungen durch und berät sich mit der US-Staatsanwaltschaft, um zu entscheiden, ob Anklage auf Bundesebene erhoben wird.
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