Neue Trinkgewohnheiten – Lieber Spritz als Rotwein – Italiens Roter in der Krise

Das Weingut der Familie Zingarelli liegt etwa 50 Kilometer südlich von Florenz, eingebettet in die sanften Hügel der Toskana. Sergio Zingarelli ist der Patron. Er war aber auch während Jahren Präsident der Vereinigung der Chianti-Produzenten.
Diese haben jetzt beschlossen, ihre Produktion um mehr als zehn Prozent zu drosseln. «Wir hoffen auf bessere Preise, indem wir weniger Chianti produzieren und auf den Markt bringen», sagt Zingarelli.
Weinkonsum hat sich halbiert
Der Trend ist eindeutig: Seit 2010 hat sich in Italien der Weinkonsum pro Kopf und Jahr halbiert. Betroffen ist vor allem der Rotwein.
Trumps Zölle treffen uns stark, denn der Chianti ist in den USA beliebt.
Zum allgemeinen Abwärtstrend kommen diverse Krisen hinzu. Zum Beispiel der Zollstreit mit den USA: «Trumps Zölle treffen uns stark, denn der Chianti ist in den USA beliebt», beklagt Zingarelli. Dorthin exportierte sein Weingut bis anhin rund ein Viertel des Weins. Doch nun geht der Export in die USA spürbar zurück.
Halten sich die Spitzenweine?
Nachlassender Durst nach Rotwein, Zölle, aber auch der Klimawandel und die Rekordhitze, die den Reben schadet – da kommt gerade viel zusammen: «Eine so schwierige und komplexe Situation habe ich noch nie erlebt», sagt Zingarelli, der seit vierzig Jahren im Geschäft ist.
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Bild 1 von 8. In den Weinfässern lagert der Chianti Monate oder gar Jahre. Bildquelle: srf/Franco Battel.
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Bild 2 von 8. Die Trauben werden im Rebgut der Familie Zingarelli von Hand geschnitten. Bildquelle: SRF/Franco Battel.
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Bild 3 von 8. Die grosse Sommerhitze liess einen Teil der Trauben verdorren. Für die Weingewinnung sind sie nicht zu gebrauchen. Bildquelle: SRF/Franco Battel.
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Bild 4 von 8. Nach der Ernte werden die Trauben sofort weiterverarbeitet, damit sie möglichst ihr volles Aroma bewahren. Bildquelle: SRF/Franco Battel.
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Bild 5 von 8. Zuerst gelangt der gewonnene Saft in grosse Aluminiumbehälter. Bildquelle: srf/Franco Battel.
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Bild 6 von 8. Sergio Zingarelli, der Patron, steht vor den grossen Weinfässern. Bildquelle: srf/Franco Battel.
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Bild 7 von 8. Giorgia Del Frate leitet die gleichnamige Römer Weinhandlung seit nunmehr sechs Jahren. Ihr Urgrossvater eröffnete sie 1922. Bildquelle: SRF/Franco Battel.
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Bild 8 von 8. Die Weinhandlung Del Frate verkauft Rotwein, hat aber auch zahlreiche andere Getränke im Sortiment. Zum Beispiel Gin, Rum oder Tequila ohne Alkohol. Bildquelle: SRF/Franco Battel.
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Doch er geht davon aus, dass die wirklich hochwertigen Rotweine auch weiter getrunken werden. Weniger rosig sehe es für die roten Alltagsweine aus.
Die junge Generation konsumiert gar keinen oder weniger Alkohol.
Er sieht aber einen möglichen Ausweg aus der Rotwein-Schwemme: In der Toskana wird aus den Sangiovese-Trauben, aus denen man bisher vor allem den Chianti kelterte, immer mehr Schaumwein – Spumante – produziert. Dieser werde im Gegensatz zum Rotwein weiter rege konsumiert.
Kühle Getränke laufen bestens
Italien und die Welt trinken heute anders. Das weiss man auch in Rom, in der Weinhandlung Del Frate ganz in der Nähe des Vatikans. Hinter dem Tresen steht Giorgia Del Frate. Sie sagt: «Die junge Generation konsumiert gar keinen oder weniger Alkohol. Zum Beispiel leichte Rotweine, die man auch gekühlt geniessen kann.»
In der immer intensiveren Sommerhitze trinken viele lieber kühlen Weissen oder Cocktails und einfach alles, was sich mit Eis servieren lässt.
Giorgia Del Frate nennt noch einen weiteren Grund für die Rotweinkrise: Die Tradition, zu Hause aufwendig zu kochen, verliere sich immer mehr. Selbst gekochte Spaghetti oder Tagliatelle und dazu eine Flasche Rotwein – das komme immer weniger auf Italiens Tische.
Stattdessen esse und trinke man lieber auswärts, mit einem Glas Spritz oder Prosecco, und esse einen Snack im Stehen. Aber Rotwein brauche Zeit und man müsse sitzen.
Längst nicht nur Wein
Die Enoteca Del Frate gibt es seit gut hundert Jahren. Lange verkaufte man hier nur offenen Lokalwein, den Sfuso.
Heute umfasst das Sortiment eine Vielzahl von Flaschen aus aller Welt und in allen Farben. Und darunter sind immer mehr alkoholfreie Getränke: Gin, Amaretto, Rum, Tequila – allesamt ganz ohne Alkohol.
Nur etwas fehlt: alkoholfreier Rotwein. Denn der liege nicht im Trend, sagt Del Frate. Und es sieht nicht so aus, als würde sich das schnell ändern.
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