Star-Coach vor Debüt – Wie Klopp die DFB-Elf wachküssen will

Das blamable Out gegen Paraguay im WM-Sechzehntelfinal hat Fussball-Deutschland zwei Jahre nach der hoffnungsvollen Heim-EM zurück ins Jammertal versetzt. Mit Jürgen Klopp soll nun alles besser werden. Der 59-Jährige hat im Land der 83 Millionen Bundestrainer eine kolossale Aufbruchstimmung entfacht.
Diese muss schnell mit Ergebnissen unterfüttert werden. Es geht dem neuen DFB-Chefcoach aber gleichzeitig auch um die Art und Weise, um Willen, um Leidenschaft, um Teamgeist. Klopp-Teams brennen. Klopp-Teams rennen. Klopp-Teams reissen die Menschen mit. Die Erfolge mit Borussia Dortmund und Liverpool waren geprägt von einer Art Rock-'n'-Roll-Fussball.
Achtung, fertig, Klopp!
Vier Partien in elf Tagen, das sind für Klopp im Expresstempo exakt so viele wie unter Vorgänger Julian Nagelsmann bei der desaströs verlaufenen WM. Nur zwei Trainingseinheiten hatte er mit seinem ersten, 24 Spieler starken Kader vor dem Nations-League-Auftakt gegen Oranje.
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Die Partie im Rahmen der Nations League zwischen der Niederlande und Deutschland können Sie am Donnerstag ab 20:35 Uhr auf SRF zwei verfolgen.
Gegen den Erzrivalen Niederlande geht es, so Klopp, «direkt zur Sache». Vor dem Prestigeduell sagt er: «In Amsterdam habe ich nicht von vielen Freundschaftsspielen gehört.» Ein Titelversprechen für seine bis zur WM 2030 vereinbarte Amtszeit mochte er vor dem ersten Spiel nicht abgeben: «Was ich versprechen kann, ist, dass man uns ansieht, dass wir es auf jeden Fall probieren wollen.»
Kimmich wieder der Chef im Zentrum
Insgesamt hat Klopp 44 Spieler nominiert, also zwei komplette Kader. Für die Stuttgarter Denis Undav und Angelo Stiller hatte der Schwabe dennoch keinen Platz. Sie passen schlicht nicht in seine Philosophie des Pressing-Fussballs.
Klopp hat einen klaren Plan. «Eine Mannschaft braucht Stabilität, braucht eine Achse. Wenn die Achse stabil ist, dann kann man aussenrum auch ein bisschen spinnen und verrückt sein und ganz viel Jugend dazumischen. Dann geht das», erläuterte er.
Rückkehrer Marc-André ter Stegen ist die neue Nummer 1 im Tor. Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck bilden das Abwehrzentrum. Joshua Kimmich markiert den Chef im zentralen Mittelfeld. Da, wo der Kapitän für den Nagelsmann-Nachfolger hingehört. Dazu als weitere WM-Fahrer Felix Nmecha, Jamal Musiala und vorne Kai Havertz.
Treu, Schade, Adeyemi – Chance für Power-Kicker
«Wir haben uns schon noch relativ stark an der Weltmeisterschaft orientiert, eine eingespielte Mannschaft, in der sich die Spieler kennen», sagt Klopp. Um die Arrivierten herum kann Klopp die Jungen anordnen, den Freiburger Länderspiel-Neuling Philipp Treu und WM-Entdeckung Nathaniel Brown auf den Aussenverteidiger-Positionen. Und womöglich Kevin Schade und Karim Adeyemi als offensive Turbo-Aussen für den typischen Klopp'schen Power-Fussball.
Wer beim neuen Bundestrainer eine Zukunft haben will, muss seinen Weg konsequent mitgehen. Klopp fordert mutige Spieler, aber er will sie auch total unterstützen. «Ich gehe für die Jungs durchs Feuer. Wenn die Jungs alles geben, bin ich für Niederlagen verantwortlich – ohne Wenn und Aber.»
Die Arbeit gegen den Ball, gegen den Gegner, sie wird zum ersten Leitsatz. «Ich bleibe dabei: Fussballerische Qualität wird dann sichtbar, wenn eine Mannschaft eine Stabilität hat im Defensivverhalten. Das ist das Trampolin, das ist das Fangnetz, das man braucht», predigte Klopp an den ersten Tagen. «Wenn du nur an die Offensive denkst, wird dich die Defensive immer killen.»
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