«Bitte nenn mich nicht Putzfrau, ich bin Fachfrau Hauswirtschaft»

- Die Zürcherin Filipa (39) arbeitet als Fachfrau Hauswirtschaft in der Reinigung eines Pflegeheims.
- Ein spontanes TikTok-Video über mangelnde gesellschaftliche Anerkennung ihres Berufs erreichte über 30’000 Aufrufe und hunderte positive Kommentare.
- Filipa erzählt, dass in der Branche viele Frauen ihre Rechte nicht kennen würden.
Der Arbeitstag von Filipa beginnt in der Regel um sieben Uhr morgens. Die 39-Jährige macht ihren Reinigungswagen bereit und beginnt mit der Arbeit. Seit mehreren Jahren ist sie Teil des Reinigungsteams im Bereich Hauswirtschaft in einem Pflegeheim.
«Je nachdem, wo ich eingeteilt bin, reinige ich die öffentlichen Bereiche oder aber die Zimmer der Bewohnerinnen und Bewohner», erzählt die Zürcherin. Jedes Zimmer erhält täglich eine Sichtreinigung: «Dabei werden typische Berührungspunkte wie Türklinken, Lichtschalter, aber auch Lavabos und WCs geputzt.» Einmal wöchentlich gibt es eine Unterhaltsreinigung, bei der das ganze Zimmer gründlich gereinigt wird.
Spontanes Video erhält hunderte Reaktionen
Filipa hat eine Lehre als Fachfrau Hauswirtschaft gemacht. Heute heisst die Ausbildung «Fachmann/-frau Hotellerie-Hauswirtschaft EFZ». Den Job hat Filipa seit der Lehre immer gerne gemacht, aber: «Die gesellschaftliche Anerkennung fehlt. Im Gespräch mit einer Arbeitskollegin ist uns aufgefallen, dass es uns manchmal schwerfällt, zu sagen, was wir arbeiten. Nicht, weil wir uns für unseren Job schämen, sondern weil manche Leute den Beruf als weniger wertvoll betrachten.»
Nach dem Gespräch entschloss sich Filipa spontan, auf TikTok ein Video auf ihrem Profil filipa_fabiana hochzuladen, in dem sie über ihren Job sprach. Innerhalb kürzester Zeit sahen über 30’000 Menschen den Clip. Ausserdem gab es hunderte positive Kommentare. «Es ging mir nie um mich, sondern um all die Menschen, die diesen Job machen und von der Gesellschaft übersehen werden.»
Fachmann/-frau Hotellerie-Hauswirtschaft EFZ
Personen, die die Lehre als Fachmann oder Fachfrau für Hotellerie-Hauswirtschaft absolvieren, machen ihre Lehre in der Regel in Hotels, Spitälern oder Heimen. Die Ausbildung beinhaltet auch Reinigung, aber noch vieles mehr: Lernende haben Kontakt mit Gästen, unterstützen an der Rezeption, im Restaurant und in der Küche. Ausserdem lernen sie organisatorische Aufgaben, wie die Verwaltung Lebensmittel und Waren.
Filipa selber kam eher per Zufall zu ihrem Beruf. «Nach der Schule wusste ich nicht, was ich machen sollte. Ich reiste nach England und arbeitete drei Jahre in einem Hotel.» Als sie in die Schweiz zurückkehrte, entschied sie sich, die Lehre abzuschliessen. «Ich arbeitete unter anderem in Schulen, Kitas und eben Pflegeheimen.» Seit vor zweieinhalb Jahren ihr erstes Kind zur Welt kam, arbeitet sie Teilzeit.
Kontakt mit Menschen
Sie spüre häufig Dankbarkeit von den Bewohnerinnen und Bewohnern des Pflegeheims. «Manchmal bin ich nebst der Pflege die einzige Person, die die Leute an diesem Tag sehen. Ein kurzes Schwätzchen kann da viel bewirken.» Es seien diese Begegnungen, die ihr in ihrem Job viel geben.
Filipa bezeichnet sich selber in ihrer Arbeit als «privilegiert». «Ich habe eine abgeschlossene Lehre, bin in der Schweiz aufgewachsen und spreche Deutsch. Ausserdem habe ich einen tollen Arbeitgeber.» Doch für zahlreiche Frauen ihrer Branche gelte das nicht. «Viele kennen schlicht ihre Rechte nicht – und werden dann schwarz angestellt und arbeiten unter schlechten Arbeitsbedingungen.»
Neuste Zahlen zeigen, dass es in der Schweiz immer mehr Haushaltshilfen gibt. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 43 Prozent der Haushalte ihre Reinigungskraft nicht offiziell angemeldet oder versichert haben.
Breites Fachwissen gefragt
Schlussendlich wünsche sie sich einfach mehr Anerkennung für ihre Arbeit, sagt Filipa: «Es ist ein körperlich anstrengender Job, die Bezahlung ist eher tief. Doch wir leisten viel für die Gesellschaft: Wir schauen, dass es sauber ist, dass sich Menschen wohlfühlen und vulnerable Personen gesund bleiben.» Wer sich die Zeit nehme und nachfrage, was sie genau arbeite, sei häufig überrascht, was sie alles gelernt habe. «Hauswirtschaft ist ein grosser Bereich und es braucht viel Fachwissen.»
Filipa würde sich freuen, wenn mehr Menschen die Lehre kennen würden. «Es zeigt sich auch in unserem Betrieb: Wir haben immer weniger Leute, die diese Lehre machen.» Dies sei extrem schade, denn der Job sei sehr vielseitig.
Auf die Frage, ob es auch bei ihr zu Hause immer blitzblank sauber ist, muss Filipa lachen. «Ich habe es gerne sauber. Aber die Realität ist: Die Zeit ist nicht immer da, vor allem als Mutter.» Sie unterscheide auch bewusst: «Bei der Arbeit reinige ich, zu Hause putze ich.»
Was würdest du dir für Menschen in der Reinigung und Hauswirtschaft am meisten wünschen?
Anja Zingg (anz), arbeitet seit 2020 bei 20 Minuten. Sie ist seit Juni 2023 Leiterin des Ressorts Gesellschaft & Community.
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