Karte vierteljährlich zum Arzt: Pflegedienste beklagen "irrsinnigen" Zeitverlust durch Vorschrift

Karte vierteljährlich zum ArztPflegedienste beklagen "irrsinnigen" Zeitverlust durch Vorschrift
20.09.2026, 09:07 Uhr

Jedes Quartal müssen Gesundheitskarten in Deutschland neu beim Hausarzt eingelesen werden. Für manche Menschen erledigen das private Pflegeanbieter. Verbandspräsident Meurer spricht von einem "Irrsinn". Eine gesetzliche Lösung liegt aus Sicht des Verbands längst bereit.
Beschäftigte privater Pflegedienste müssen Versichertenkarten von Pflegebedürftigen immer wieder zum Einlesen in Arztpraxen bringen. Dabei werde jede verfügbare Minute gebraucht, um die steigende Zahl Pflegebedürftiger zu versorgen, so der Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, Bernd Meurer. "Den Irrsinn, Pflegekräfte stundenlang in Arztpraxen warten oder Versichertenkarten herumfahren zu lassen, kann sich Deutschland schlicht nicht mehr leisten."
Viele Pflegebedürftige müssen ihre Versichertenkarte einmal im Quartal in Arztpraxen einlesen lassen. Das gilt etwa, wenn sie in einem Heim leben und verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen oder zu Hause Krankenpflege bekommen. Häufig bringen Beschäftigte von Pflegediensten und Pflegeeinrichtungen die Karten in die Praxen.
Verbandspräsident Meurer mahnte: "Es gibt in Deutschland kaum etwas Wertvolleres als die Arbeitszeit von Pflegekräften." Er forderte: "Digitalisierung muss ernst genommen werden und die Abläufe wirklich vereinfachen." Nach einer Szenariorechnung des Verbands gibt es ein großes Entlastungspotenzial.
Zwei Vollzeitwochen Arbeit pro Jahr und Karte
In einer Umfrage gaben 1016 Mitgliedsunternehmen an: Das quartalsweise Einlesen der elektronischen Gesundheitskarten verursache im Schnitt 21,6 Stunden Organisationsaufwand pro Quartal. Auf ein Jahr gerechnet sind das 86,4 Stunden. Hochgerechnet auf bundesweit 26.799 ambulante Dienste und vollstationäre Pflegeeinrichtungen ergäbe sich demnach ein Aufwand von rund 2,3 Millionen Stunden im Jahr. In dem Szenario kämen durchschnittlich 26 Minuten Wartezeit je Praxisbesuch hinzu.
Der Verband fordert: Versicherte, Beschäftigte von Pflegeeinrichtungen oder Angehörige sollen künftig nicht mehr mit Karte oder Smartphone in Praxen erscheinen müssen. Das Gesetz sollte stattdessen regeln, dass Praxen den Versichertenstatus über die geschützte Datenautobahn des Gesundheitswesens (Telematikinfrastruktur) digital und abrechnungsfähig abrufen können. Damit könnte die gesparte Zeit wieder für Pflege und pflegenahe Aufgaben genutzt werden.
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