«Anfeindungen»: Eigentümer stoppen Asylzentrum-Pläne

- Das geplante Asylzentrum in Kandersteg kommt nicht zustande: Die Eigentümerschaft zieht die Liegenschaft zurück.
- Grund sind zunehmende Anfeindungen gegen die Eigentümer.
- Gegen das Baugesuch sind 130 Einsprachen eingegangen und eine Interessengruppe mit rund 1000 Mitgliedern wurde gegründet.
- Der Kanton Bern bedauert den Entscheid und sucht weiterhin nach geeigneten Unterkünften im Berner Oberland.
Weil die Eigentümer der geplanten Kollektivunterkunft für Asylsuchende angefeindet wurden, haben sie sich dazu entschieden, die Liegenschaft nicht mehr zur Verfügung zu stellen. Aufgrund dieser «besonders angespannten Situation» musste das Projekt abgebrochen werden, schreibt der Kanton Bern in einer Medienmitteilung.
«Wir sind sehr erfreut über den Entscheid», sagt Fabian Wyssen (27) aus Kandersteg zu 20 Minuten. Er hatte eine Petition gegen die geplante Asylunterkunft gestartet. Die von ihm gegründete Interessengruppe zählte laut Wyssen rund 1000 Mitglieder, gegen das Baugesuch gingen 130 Einsprachen ein.
«Wir sind für Demokratie und fürs Diskutieren»
Die Anfeindungen gegen die Eigentümerschaft seien nicht von der Interessengruppe ausgegangen, betont Wyssen. «Wir sind für Demokratie und fürs Diskutieren.» Dass das Thema emotional sei, könne er aber nachvollziehen: «Viele Leute im Dorf hatten Angst und fragten sich, ob dann der Nachhauseweg noch sicher sei für ihre Kinder.»
Weiter kritisiert Wyssen die Dimension der geplanten Unterkunft: «Das ehemalige Internat war für 60 Personen ausgelegt, nicht für 200.» Die Eigentümerschaft habe nun angekündigt, Erstwohnungen bauen zu wollen: «Wir sind überzeugt, dass zuerst für die Einheimischen und dann für die Gäste gesorgt werden muss», sagt Wyssen.
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Auch Gemeindepräsident René Maeder (Mitte) hatte die Petition unterschrieben. Er unterstütze die Aufnahme von Asylsuchenden grundsätzlich, sagt er zu 20 Minuten. «Aber das hat auch ein Limit.» Wegen knappen Wohnraums, Airbnb-Angeboten und dem drohenden Bergsturz am Spitzen Stein sei eine solche Unterkunft nicht tragbar.
Kanton bedauert Rückzug
Der Kanton Bern nimmt den Entscheid zur Kenntnis, bedauert jedoch den Rückzieher der Eigentümerschaft der Liegenschaft. Der Bedarf an zusätzlichen Unterbringungsplätzen im Berner Oberland bleibt jedoch bestehen. Das Amt für Integration und Soziales wird deshalb weiterhin geeignete Liegenschaften in der Region prüfen.
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Flurin Pestalozzi (flu) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Korrespondent in Bern.
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