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Monday, September 21, 2026

MV und Berlin: CDU-Aus und andere historische Ergebnisse

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Daniel Peters steht bei der Wahlparty in Schwerin auf der Bühne.

Wahlen in MV und Berlin Das erste CDU-Aus und andere historische Ergebnisse

Stand: 21.09.2026 • 15:57 Uhr

Die Metropole Berlin und das am dünnsten besiedelte Bundesland Mecklenburg-Vorpommern unterscheiden sich in fast allem. Eines aber haben sie gemeinsam: historische Ergebnisse bei den gestrigen Wahlen. Ein Überblick.

CDU

"Ein Desaster" - Kanzler und Parteichef Friedrich Merz' war in seiner ersten Bewertung des Mecklenburg-Vorpommern-Ergebnisses deutlich. Historisches war passiert: Seine CDU stand vor ihrem bislang schlechtesten Landtagswahlergebnis. Doch es kam an dem Abend noch dramatischer: Mit 4,89 Prozent ist sie erstmals seit 1949 bei einer Landes-, Bundes- oder Europawahl an der Fünfprozenthürde gescheitert.

Auch wenn die Nordost-CDU bei Wahlen seit Langem einer der schwächeren Landesverbände ist: Den bislang schlechtesten CDU-Wert hatte es bis gestern 1951 gegeben. Damals kamen die Christdemokraten in Bremen immerhin auf neun Prozent - allerdings in einer sehr frühen Phase des bundesrepublikanischen Parteiensystems. In der deutlich jüngeren Vergangenheit gab es 2020 in Hamburg 11,2 Prozent, 2024 in Brandenburg 12,1 Prozent.

Dieses "Desaster" trifft eine Partei, die - gemeinsam mit der CSU - die bundesrepublikanische Politik beispielsweise mit den Ären Adenauer, Kohl und Merkel geprägt hat wie keine andere. Aktuell ist die Union in sechs Bundesländern stärkste Kraft, in acht weiteren zweitstärkste Kraft. Auch nur in die Nähe der Fünfprozentmarke war sie noch nie gekommen. Jetzt ist die SPD als einzige Partei noch nie bei einer Landes-, Bundes- oder bei Europawahlen gescheitert.

In Berlin hingegen hat die CDU mit 18,8 Prozent ihr - je nach Rechnung - zweit- oder drittschlechtestes Ergebnis erreicht. Bei der Abgeordnetenhauswahl 2016 erreichte sie 17,6 Prozent, bei der für ungültig erklärten Wahl 2021 waren es 18 Prozent. Von Ergebnissen wie den mehr als 40 Prozent bei der Wahl 1999 ist sie aber seit Längerem sehr weit entfernt.

AfD

Für die AfD-Wahlergebnissäulen gibt es seit rund viereinhalb Jahren nur in eine Richtung: nach oben. Seitdem gab es bei jeder Landtagswahl ein Stimmenplus. In Mecklenburg-Vorpommern ist sie mit 38,2 Prozent nicht nur erstmals stärkste Kraft, sondern hat dort ihr klar bestes Ergebnis erzielt. Sie holte auch 22 von 36 Direktmandaten und lag in 654 von 724 Gemeinden vorn.

Bundesweit ist es für die Partei nach den jüngsten 43,8 Prozent in Sachsen-Anhalt das zweitbeste Resultat. Überhaupt sind die 38,5 Prozent im bundesweiten Landtagswahlvergleich ein sehr gutes Ergebnis. Bessere gab es zuletzt selten, beispielsweise - neben Sachsen-Anhalt - für die schleswig-holsteinische CDU (43,4 Prozent/2022) und die SPD im Saarland (43,5 Prozent/2022).

Auch bei einer Berliner Abgeordnetenhauswahl war sie noch nie so stark wie mit den gestrigen 16,3 Prozent. In zwölf Wahlkreisen holte sie das Direktmandat, in 16 Wahlkreisen hatte sie die meisten Zweitstimmen, im Bezirk Marzahn-Hellersdorf wurde sie mit 33,9 Prozent stärkste Kraft.

Mit dem Vorläufigen Ergebnis im Nordosten ist sie inzwischen in drei Bundesländern die stärkste Kraft - neben MV und Sachsen-Anhalt auch in Thüringen. In Sachsen und Brandenburg ist sie zweitstärkste Kraft.

SPD

Im September vor einem Jahr lag die SPD in Mecklenburg-Vorpommern in einer Infratest-dimap-Umfrage noch 19 Punkte hinter der AfD. Am Ende wurden es laut Vorläufigem Ergebnis 2,7 Punkte Rückstand. So bemerkenswert diese Aufholjagd auch war: Die Sozialdemokraten wurden im Nordosten erstmals sei 1994 nicht stärkste Kraft. Ihre 35,5 Prozent sind im Vergleich zu vorangegangenen Wahlen ein durchschnittlicher Wert.

In Berlin hingegen markiert das SPD-Ergebnis einen Tiefpunkt für eine Partei, die dort seit der Wiedervereinigung ununterbrochen mitregiert und die meiste Zeit die Regierungschefin oder den Regierungschef stellte. Egal, ob man seit 1949 oder seit der Wiedereinigung zählt: Noch nie war die Partei hier so schwach wie mit ihren aktuellen 12,1 Prozent. Sie ist jetzt nur noch fünftstärkste Kraft, vor drei Jahren war sie mit 18,4 Prozent noch sehr knapp zweitstärkste Partei, bei der annullierten Wahl 2021 - und den vier Wahlen davor - sogar die stärkste.

Bundesweit betrachtet reiht sich Berlin ein: Seit der Bundestagswahl 2025 gab es - außer jüngst auf sehr niedrigem Niveau in Sachsen-Anhalt - bei jeder Landtagswahl zum Teil massive Verluste. Und auch vor der Bundestagswahl sah es nicht viel besser aus.

Linke

Für die Linkspartei war es ein Wahltag der Extreme: Im Nordosten erreichte sie mit 6,5 Prozent ihr bislang schlechtestes Ergebnis bei einer dortigen Landtagswahl. Schon die 9,9 Prozent vor fünf Jahren waren damals ein Tiefstwert gewesen.

In Berlin aber gelang ihr Historisches: Erstmals wurde sie in der Hauptstadt stärkste Kraft. Ihr bisheriger Höchstwert war 22,6 Prozent im Jahr 2001 - damals lag sie damit aber hinter SPD und CDU auf Platz 3. Bei den beiden vergangenen Wahlen war die Linkspartei noch mit 12,2 Prozent (2023) beziehungsweise mit 14,1 Prozent (2021) jeweils viertstärkste Partei geworden.

Bundesweit wurde die Linke überhaupt erst einmal stärkste Kraft bei einer Landtagswahl: 2019 in Thüringen. Hinzu kommt: Die Berliner 25,7 Prozent sind das beste Ergebnis jenseits ostdeutscher Flächenstaaten - und das achtbeste der Linken bei einer Landtagswahl überhaupt.

Grüne

Die Grünen übersprangen in Mecklenburg-Vorpommern zum zweiten Mal nacheinander die Fünfprozentmarke, und die 5,7 Prozent sind dort ihr bislang viertbestes Ergebnis.

In Berlin holten die Grünen mit 14,3 Prozent ihr schwächstes Ergebnis seit 2006 (13,1 Prozent). Waren sie vor drei Jahren noch sehr knapp hinter der SPD Nummer drei, sind sie jetzt wieder Nummer vier.

Beide Wahlen reihen sich in die Verlustserie bei vielen Wahlen in Folge ein. Nur in Sachsen-Anhalt gab es vor zwei Wochen ein Plus von drei Punkten.

BSW

Historische Vergleiche sind bei einer sehr jungen Partei kaum möglich. Aber: Das BSW ist in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin an der Fünfprozenthürde gescheitert. Seit Brandenburg 2024 (13,5 Prozent) ist sie damit sechsmal nicht in ein Parlament eingezogen - nur vor zwei Wochen in Sachsen-Anhalt gelang ihr der Sprung in den Landtag.

FDP

Die Liberalen ziehen nicht wieder in Mecklenburg-Vorpommerns Landtag ein. Ihr Vorläufiges Ergebnis von einem Prozent ist ihr bislang schlechtestes in dem Bundesland - der bisherige Tiefstwert war 1,6 Prozent im Jahr 1998.

In Berlin waren sie im Abgeordnetenhaus schon zuletzt nicht mehr vertreten. Die aktuellen 2,5 Prozent liegen im bundesweiten Vergleich im Mittelfeld, in Berlin war die FDP nur 2011 (1,8 Prozent) und 1999 (2,2 Prozent) schwächer. 1995 kam sie ebenfalls auf 2,5 Prozent.

Bundesweit setzt sich mit beiden Ergebnissen die jahrelange Niederlagenserie der Partei fort. Bis zu den Landtagswahlen im Frühjahr saß sie noch in acht Landtagen - nach dem Aus im Nordosten ist sie jetzt nur noch in vier von 16 Landtagen vertreten: Hessen, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

In den letzteren drei Ländern wird im kommenden April oder Mai gewählt.

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