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Sunday, November 8, 2026

Autobiografischer Roman – «Mein privates Glück»: Schreiben ist stärker als der Tod

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Es ist eine besondere Tragik, dass «Mein privates Glück» mit dem unerwarteten Tod von Monika Helfer zusammenfällt. Denn mit dem privaten Glück, von dem Michael Köhlmeier hier schreibt, ist auch das Schreiben selbst gemeint. Das Schreiben wiederum hat ihn und Monika Helfer immer verbunden: durch gemeinsame Arbeiten, gegenseitige Unterstützung und kritisches Gegenlesen.

Eine Frau in schwarzem Anzug und ein älterer Mann mit Brille stehen lächelnd in einem Innenraum.
Legende: Seite an Seite – auf jeder Seite: Michael Köhlmeier mit seiner Ehefrau Monika Helfer, die im Sommer 2026 überraschend an den Folgen eines Sturzes verstarb. Getty Images / Andreas Rentz

So wundert es auch nicht, dass Michael Köhlmeier diesen sehr persönlichen Roman Monika Helfer gewidmet hat. Nicht mit dem üblichen «Für Monika» auf der ersten Seite, sondern mit einem wie die Überschrift über ein ganzes Leben wirkenden «Monika».

Für immer 13

«Mein privates Glück» ist Köhlmeiers erster autobiografischer Roman. Selbst da waren Michael Köhlmeier und Monika Helfer gemeinsam treibende Kräfte. Zuerst machte Köhlmeier seine Frau darauf aufmerksam, dass sie eine erzählenswerte Familiengeschichte hatte.

Daraus entstand mit grossem Erfolg ihre Familientrilogie. Später war es Monika Helfer, die ihren Mann ermunterte, es ebenfalls mit autobiografischem Schreiben zu versuchen. Das tat er dann auch.

Michael Köhlmeier: «Mein privates Glück». Hanser, 2026.

Autobiografisches Schreiben sieht Michael Köhlmeier als Versuch, mittels Schreibens zu ergründen, wie man der geworden ist, der man ist. Die Perspektive des Erzählers, also die eigene, ist dabei erstaunlich passiv.

Er beobachtet und wertet nicht. Ein ewig 13-Jähriger, so scheint es, der schon viel Beobachtungsgabe hat, aber noch wenig Emotionalität. Eine klassische Köhlmeier-Figur, wie man sie auch aus den rein fiktionalen Romanen kennt.

Der Vater, ein Fremder

Der Roman aber beginnt früher. Mit dem Viereinhalbjährigen, der begleitet von Schwester und Tante am Bahnhof Lindau steht, ein Köfferchen in der Hand und einen Spielzeugautobus im Arm, und dort auf einen fremden Mann trifft. Der Mann beugt sich herunter und fragt Michael, wer er denn sei.

Der Viereinhalbjährige antwortet per Sie und sagt, wie es ihm seine Tante beigebracht hat, er heisse Michael Köhlmeier und wohne an der Tilsiter Strasse 18. Dass der Mann sein Vater ist, weiss er nicht. Er weiss nicht einmal, dass jeder Mensch einen Vater und eine Mutter hat.

Ausgehend von dieser Szene breitet Michael Köhlmeier die Geschichte aus. Vom Vater, der Journalist war und Schriftsteller sein wollte. Von der Mutter, die bei der Geburt des letzten Kindes eine Art Schlaganfall erlitten hat und halbseitig gelähmt ist. Vom Haus in Hohenems, wo die Familie später lebt und das bis heute Michaels Wohnhaus ist. Und immer wieder vom Schreiben und vom Erzählen.

Entenhausen und kein Ende

Auch Monika kommt vor. Am Frühstückstisch zum Beispiel, als die beiden darüber reden, warum es in Entenhausen keine Religion gibt. «Weil in Entenhausen nicht gestorben wird» sagt Monika Helfer im Buch. «Wo nicht gestorben wird, gibt es auch keine Religion.»

Jetzt ist Monika Helfer nicht mehr da. Michael Köhlmeier schreibt weiter. Derzeit arbeitet er an einem gemeinsam begonnenen Projekt, einem Erzählreigen wie «Tausend und eine Nacht», für den Michael die Rahmenhandlung beisteuert und mit einer Auswahl von Monika Helfers vielen Kurzgeschichten verbindet.

So könne er mit ihr reden, sagt er. Er hoffe nur, dass er mit der Arbeit nicht allzu schnell fertig sei.

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