Migros im Umbruch – Ursula Nold: «Bei einem Nein wiederholen wir die Abstimmung»

Aus zehn regionalen Genossenschaften soll eine einzige werden. Migros-Präsidentin Ursula Nold über den radikalen Umbau und was die Zentralisierung für die Kundschaft bedeutet.
Ursula Nold
Migros-Präsidentin
Ursula Nold ist seit 2019 Präsidentin der Verwaltung der Migros. Zuvor war sie Präsidentin der Delegiertenversammlung.
SRF News: Coop hat die Zentralisierung schon vor 25 Jahren vollzogen. Warum reagiert die Migros erst jetzt?
Ursula Nold: Wir sind überzeugt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist. Der Wettbewerb und das Einkaufsverhalten haben sich stark verändert. Wir brauchen eine einfachere, schlagkräftigere Migros, um zukunftsfähig zu sein und den organisatorischen Leistungsvorsprung zurückzugewinnen, den wir in den letzten Jahren verloren haben.
Einsparungen sind nicht das Ziel.
Was bringt der Umbau den Kundinnen und Kunden konkret?
Kurzfristig ändert sich in den Filialen nichts. Langfristig sehen wir einen klaren Nutzen: Indem wir Parallelstrukturen abbauen, werden wir günstiger und schneller am Markt. Wir können rascher auf Innovationen und die Bedürfnisse der Kunden reagieren, weil weniger interne Absprachen nötig sind.
Im nächsten Sommer stimmen die Genossenschaften ab. Was passiert, wenn auch nur eine der zehn Genossenschaften Nein sagt?
Wir haben keinen Plan B. Bei einem Nein wiederholen wir die Abstimmung in dieser einen Genossenschaft.
Damit üben Sie doch Druck aus.
Für diese Genossenschaft entstünde eine ganz andere Ausgangslage. Sie sähe, dass alle anderen Ja gesagt haben, und müsste sich überlegen, ob sie mit diesem Konstrukt überhaupt eine Zukunft hat.
Wir müssen quasi an zwei Fronten kämpfen: die Strukturen aufarbeiten und gleichzeitig das Tagesgeschäft weiterentwickeln.
Laut Medienberichten könnten durch den Umbau 3000 Jobs wegfallen.
Einsparungen sind nicht das Ziel. Wir werden Parallelstrukturen in Verwaltung und Management abbauen, wollen aber dank vieler offener Stellen allen Betroffenen intern eine neue Aufgabe anbieten.
Kritiker sagen, die Migros komme mit dieser Einheitsgenossenschaft ein Vierteljahrhundert zu spät. Bis die neuen Strukturen umgesetzt sind, vergehen Jahre. Sie müssen einen Rückstand aufholen, während sich andere Detailhändler weiterentwickeln.
Das ist keine Symbolik, das spüren die Kundinnen und Kunden beim Bezahlen.
Das stimmt, die intensive Umbauphase wird Zeit in Anspruch nehmen. Wir müssen quasi an zwei Fronten kämpfen: die Strukturen aufarbeiten und gleichzeitig das Tagesgeschäft weiterentwickeln. Aber wir verändern ja nicht die Strategie des Supermarkts, diese bleibt bestehen.
Sie haben 1000 Produkte günstiger gemacht. Bei einem Sortiment von bis zu 40'000 Artikeln – ist das nicht reine Symbolpolitik?
Absolut nicht. Wir haben gezielt die Produkte vergünstigt, die die Leute täglich im Einkaufskorb haben, etwa Brot oder Olivenöl. Das ist keine Symbolik, das spüren die Kundinnen und Kunden beim Bezahlen.
Wird beim Kulturprozent gespart, in das jährlich 140 Millionen Franken fliessen?
Absolut nicht. Das ist nicht der Gedanke, das ist Teil unserer DNA. Aber damit wir uns dieses Engagement auch in Zukunft leisten können, müssen wir wirtschaftlich erfolgreich sein. Darum hilft uns der Schritt der Vereinfachung, das Kulturprozent langfristig zu sichern.
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