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Friday, August 21, 2026

Starker El Niño erwartet: Was auf Europa zukommt

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Extreme Hitzewellen, Trockenheit und Waldbrände bestimmen den Sommer 2026. Und nun beginnt auch noch "El Niño". Das Klima- und Wetterphänomen soll in diesem Jahr besonders heftig ausfallen.

06.08.2026 | 39:33 min

Timothy Palmer ist britischer Physiker und Klimawissenschaftler an der Universität Oxford. Er gilt als Experte für Extremwetter und forscht zum Umgang mit Unsicherheiten in Wetter- und Klimamodellen. Im Interview mit ZDFheute erklärt er, welche Folgen das Wetterphänomen weltweit und für Europa haben könnte.

Der EU-Klimadienst Copernicus und die Weltwetterorganisation WMO präsentieren den Abschlussbericht zum Klimajahr 2025. Hitzewellen, Meer-Erwärmung und Gletscherrückgänge spielen darin Hauptrollen.

29.04.2026 | 1:47 min

ZDFheute: Überall ist zu hören, dass die Welt es bald mit einem heftigen El-Niño-Phänomen zu tun haben wird. Auf was müssen wir uns einrichten?

Prof. Timothy Palmer: Zunächst mal ist das El-Niño-Phänomen - anders als viele vielleicht meinen - ein Bestandteil des natürlichen Klimageschehens und hat nichts mit der menschengemachten Erderwärmung zu tun. Dabei steigt im pazifischen Ozean die Wassertemperatur, was auch Auswirkungen auf die Atmosphäre hat. Und das nicht nur am Pazifik, sondern weltweit. Alles deutet darauf hin, dass der aktuelle El Niño sehr kräftig ausfallen wird.

  • El Niño beschreibt eine großflächige temporäre Erwärmung der oberen Wasserschichten des tropischen Ostpazifiks.
  • Der Name bedeutet "Junge" oder auch "Christkind", da dieses Phänomen in Peru in der Regel zur Weihnachtszeit einsetzt.
  • El Niño wurde ursprünglich an der Westküste Südamerikas entdeckt. Es kann aber weltweit Auswirkungen haben.
  • Das Naturereignis tritt ungefähr alle drei bis vier Jahre auf.

Quellen: Deutscher Wetterdienst, Science Media Center

ZDFheute: Welche Folgen stehen konkret bevor?

Palmer: Wir stehen noch ganz am Anfang dieses El Niño, der sich noch nicht voll ausgeprägt hat. Seine volle Wucht entwickelt er normalerweise erst im Laufe des Winters. Aber man kann sagen, dass sich weltweit das Wettergeschehen verschiebt.

Es bekommen manche Regionen plötzlich mehr und andere weniger Niederschlag. Zum Beispiel wird der Monsun in Indien, Pakistan und Bangladesch wohl geringer ausfallen als üblich, was zu Missernten führen kann.

Nach den jüngsten Hitzerekorden droht der nächste Schub: Mit bis zu 60 Prozent Wahrscheinlichkeit könnte El Niño im Sommer 2026 zurückkehren und die globale Temperatur weiter steigen lassen.

03.03.2026 | 0:35 min

Europa spürt die El-Niño-Folgen wohl erst im Winter

ZDFheute: Welche Auswirkungen wird dieser El Niño für uns in Europa haben?

Palmer: Bisher sind die Auswirkungen in Europa nie sehr dramatisch, weil wir relativ weit weg vom Pazifik sind. Seriös kann man das aber erst in einigen Wochen beantworten. Es deutet einiges darauf hin, dass die erste Hälfte des Winters sehr nass und die zweite eher trocken ausfallen wird.

Alle zwei bis sieben Jahre tritt im Pazifik das Klimaphänomen El Niño auf - mit teils verheerenden Folgen. Was genau dabei passiert, erklärt ZDF-Meteorologe Özden Terli.

06.05.2026 | 1:06 min

ZDFheute: Sind die Folgen eines El Niño immer negativ oder gibt es auch positive Seiten?

Palmer: Für die Karibik gibt es beispielsweise gute Nachrichten, denn El Niño drosselt die dortige Hurricane-Aktivität. Und Kalifornien wird wohl in dieser Saison von den großen Buschfeuern verschont bleiben. Dafür werden sie im Gegenteil mit massiven Wolkenbrüchen zu tun bekommen, da entleeren sich sogenannte atmosphärische Flüsse mit ungeheuren Wassermassen.

ZDFheute: Europa hat gerade eine historische Hitze- und Dürreperiode erlebt. War das auch schon El-Niño-bedingt?

Palmer: Absolut nicht - was den Sommer so außergewöhnlich gemacht hat, ist, dass schon seit dem Frühjahr die ganze Zeit ein fettes Hochdrucksystem auf uns gesessen hat, das alle anderen normalen Wettersysteme vertrieben hat. Man nennt das einen Antizyklon.

Das ist eher dem menschengemachten Klimawandel zuzuschreiben. El Niño aber ist ein natürliches Phänomen. Was wir aber noch nicht erforschen konnten, ist die wirklich wichtige Frage, ob und wie diese beiden zusammenwirken und ob der Klimawandel nicht auch El Niño beeinflusst.

Wegen Klimawandel und El Niño

:"2026 wird zu den wärmsten Jahren überhaupt zählen"

El Niño könnte bald neue Wärmerekorde bringen. Das Wetterphänomen sei aber kein Grund in Panik zu geraten, so Physikerin und Klimatologin Friederike Otto. Der Klimawandel schon.

mit Video1:16

Eine Frau schützt sich mit einer erhobenen Hand vor der Sonne.

Interview

Wasserspeicher müssen sich erst wieder füllen

ZDFheute: Worin sehen Sie aktuell die größten Klima-Gefahren für Europa?

Palmer: Es gibt noch viele Seiten des Klimawandels, die wir noch nicht verstehen. Zum Beispiel die Frage, ob unser Antizyklon eine Ausnahme war, wie sie in 50 Jahren mal vorkommt oder ob sie eine Folge der Erderwärmung war.

Wenn sie von nun an jeden Sommer wiederkehrt, dann müssen wir uns sehr schnell auf die neue Lage einstellen. Denn in Großbritannien etwa reichen die Wasservorräte bei Weitem nicht aus, um solche Sommer durchzustehen.

Großbritannien steht vor der fünften Hitzewelle des Sommers mit bis zu 38 Grad. Drei Viertel Englands gelten als Dürregebiet, 45 Millionen Menschen sind von Wasserknappheit betroffen.

14.08.2026 | 1:16 min

In Großbritannien und wahrscheinlich auch in Deutschland geht die Regierung davon aus, dass sich die Speicher im Winter schon wieder füllen werden. Aber wenn das nicht der Fall ist, dann müssen wir sehr ernsthaft darüber nachdenken, wie wir die Trockenheit im nächsten Sommer überstehen.

Das Interview führte Gert Anhalt, Redakteur im auslandsjournal des ZDF.

Über dieses Thema berichtete heute journal - der Podcast am 06.08.2026 ab 18:00 Uhr.

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