Zürich macht mit Immobilien 2,5 Milliarden Gewinn – mit Folgen

- Die Stadt Zürich rechnet im Budget 2027 mit einem Buchgewinn von rund 2,5 Milliarden Franken.
- Der Gewinn entsteht, weil städtische Liegenschaften höher bewertet werden; es fliesst kein zusätzliches Geld in die Kasse.
- Der Stadtrat plant ein Massnahmenpaket mit 800 Millionen für den Wohnraumfonds und 1,75 Milliarden Rahmenkredit.
Die Boden- und Immobilienpreise in Zürich steigen seit Jahren. Das hat auch Auswirkungen auf die städtischen Liegenschaften: Sie sind heute deutlich mehr wert als bei der letzten Bewertung. Deshalb rechnet die Stadt Zürich im Budget 2027 mit einem ausserordentlichen Buchgewinn von rund 2,5 Milliarden Franken.
Dieses Geld will der Stadtrat nutzen, um bezahlbare Wohnungen langfristig zu sichern. Dafür plant er ein zusätzliches Massnahmenpaket für den gemeinnützigen Wohnungsbau. Stadtrat Daniel Leupi, Vorsteher des Finanzdepartements, und Philippe Koch, Delegierter Wohnen, stellten dieses am Freitagmittag an einer Medienkonferenz vor.
Höhere Mieten wegen steigender Immo-Preise
Was zunächst nach einem riesigen Geldsegen klingt, hat einen Haken: Der Buchgewinn bedeutet nicht, dass der Stadt tatsächlich 2,5 Milliarden Franken zusätzlich zur Verfügung stehen. Die Liegenschaften werden lediglich in der Bilanz höher bewertet.
Es fliesst kein zusätzliches Geld in die Stadtkasse. Auch der Cashflow – also das Geld, das der Stadt tatsächlich zur Verfügung steht – verändert sich dadurch nicht. Die Verschuldung wird ebenfalls nicht reduziert. Also obwohl die Stadt auf dem Papier um Milliarden reicher wird, hat sie deswegen «keinen einzigen Rappen mehr» auf dem Konto, betonte darum auch Daniel Leupi.
Trotzdem hat die Neubewertung Folgen für den gemeinnützigen Wohnungsbau. Denn bei gemeinnützigen Wohnungen gilt die sogenannte Kostenmiete: Sie richtet sich nach den tatsächlichen Kosten und dem eingesetzten Kapital. Steigen die bilanziellen Werte der Liegenschaften, könnten diese langfristig auch die Berechnung der Kostenmieten beeinflussen – und damit die Mieten erhöhen.
Die Stadt will nun aber mit drei Massnahmen verhindern, dass die gestiegenen Immobilienwerte langfristig zu höheren Kosten und damit höheren Mieten führen.
Drei Massnahmen für günstigere Wohnungen
1. Mehr Geld für den Wohnungsbau
Der bestehende Wohnraumfonds soll um zusätzliche 750 Millionen Franken aufgestockt werden. Zusammen mit den bereits budgetierten 50 Millionen ergibt das insgesamt 800 Millionen Franken. Damit sollen Beiträge an städtische und gemeinnützige Wohnbauträger finanziert werden, um die Bau- und Unterhaltskosten und damit die Mieten tief zu halten.
2. Städtische Liegenschaften sichern
Die Stadt will Liegenschaften im Wert von bis zu 1,75 Milliarden Franken schneller vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen übertragen können. Dafür beantragt der Stadtrat einen Rahmenkredit, damit nicht jede einzelne Übertragung separat vors Volk muss.
3. Günstigere Baurechte
Künftig sollen Baurechte einfacher und zu vergünstigten Konditionen an gemeinnützige Wohnbauträger und Stiftungen vergeben werden können. Dafür ist eine Anpassung der Gemeindeordnung nötig. Die Bauträger können dadurch günstiger auf städtischem Boden bauen, was langfristig tiefere Mieten ermöglichen soll.
Rahmenkredit von 1,75 Milliarden soll helfen
Wie stark sich die Massnahmen tatsächlich auf die Mietpreise auswirken, hängt allerdings von der jeweiligen Liegenschaft und den konkreten Beiträgen ab.
«Die Boden- und Immobilienpreise sind horrend gestiegen in den letzten Jahren und steigen weiter.»
Gleichzeitig soll das Massnahmenpaket die städtischen Finanzen nicht zusätzlich belasten. Laut Leupi wird mit dem Rahmenkredit von 1,75 Milliarden Franken preisgünstiger Wohnraum gesichert, ohne dass die Verschuldung zusätzlich ansteigt.
«Die Boden- und Immobilienpreise sind horrend gestiegen in den letzten Jahren und steigen weiter», ergänzt Koch. Mit dem Massnahmenpaket wolle der Stadtrat dafür sorgen, dass aus der aktiven Bodenpolitik der Stadt weiterhin bezahlbare Wohnungen entstehen.
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Josephine Schertenleib (jos), Jahrgang 2001, arbeitet seit September 2024 für 20 Minuten und ist Teil des Regionen-Teams.
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