Broker Cornelius Kistler über das Geschäft mit den Superreichen: Reichen 10 Millionen für eine Yacht?
- Ein Basler Yachtbroker wurde durch James Bond inspiriert
- Seine teuerste verkaufte Yacht war 60 Meter lang und kostete 75 Millionen Dollar
- Bei Disney+ sucht er nun in einer Show Nachwuchs für seine Branche
Katja RichardRedaktorin Gesellschaft
Sein Vater war Hausabwart, heute gehören Millionäre und Milliardäre zu seiner Kundschaft. Cornelius Kistler bewegt sich zwischen Privatjets und Superyachten – und weiss, warum sehr viel Geld nicht automatisch glücklich macht.
Was hat James Bond mit Ihrer Karriere zu tun?
Cornelius Kistler: Ich war Anfang 20, als ich «Casino Royale» gesehen habe, mit Daniel Craig als neuem James Bond. Der Bösewicht, gespielt von Mads Mikkelsen, hatte darin eine Sunseeker 108 Predator – diese Yacht hat mich total fasziniert. Später entdeckte ich sie zufällig in einem Magazin wieder. Ich recherchierte den Schweizer Händler, der gerade einen Yachtbroker suchte, bewarb mich – und bekam den Job.
Wie lange dauerte es bis zu Ihrem ersten Deal?
Etwa zwei Monate. Ich verkaufte einem Engländer namens Douglas auf Mallorca eine 42-Fuss-Flybridge-Yacht. Ich war noch völlig grün hinter den Ohren. Er war ein echter Gentleman und hat mich während des Verkaufs sogar ein bisschen gecoacht.
Heute verkaufen Sie Millionären und Milliardärinnen Yachten. Wie haben Sie diesen Sprung geschafft?
Ich komme aus sehr bescheidenen Verhältnissen, mein Vater war Hausabwart, ich bin mit drei älteren Schwestern aufgewachsen. Vielleicht hilft mir gerade diese Bodenständigkeit. Ich bin neugierig, habe keine Berührungsängste und habe mir vieles Learning by Doing beigebracht.
Ist Yachtbroker für Sie heute noch ein Traumjob?
Absolut. Ich bezeichne mich manchmal als «Surfer zwischen den Welten»: Mal fliege ich mit einem Kunden im Privatjet, mal springen wir zusammen in Unterhosen ins Wasser. Ich darf Menschen und Lebenswelten kennenlernen, die anderen verschlossen bleiben.
Jetzt suchen Sie bei Disney+ jemanden, dem Sie diesen Traumjob ermöglichen. Worum geht es in «Yacht Deals Monaco»?
Es ist eine Castingshow. Acht Kandidatinnen und Kandidaten treten gegeneinander an und kämpfen um einen Job als Yachtbroker in meiner Firma. Sie müssen zeigen, ob sie in dieser speziellen Welt bestehen können.
Alle Teilnehmenden sind jung, attraktiv und selbstbewusst. Gehört gutes Aussehen in dieser Luxuswelt zum Geschäft?
Wir verkaufen ein Luxusprodukt, und natürlich spielt der Auftritt eine Rolle. Aber gutes Aussehen allein verkauft keine Yacht. Am Ende muss die Persönlichkeit stimmen, und man muss mit sehr unterschiedlichen Menschen umgehen können.
Ihre Branche lebt von Verschwiegenheit und Diskretion. Beisst sich eine Castingshow nicht mit Ihrem Geschäft?
Yachting ist eine exklusive und verschlossene Welt, die nur wenigen offensteht. Gerade deshalb ist ein Blick hinter die Kulissen spannend. Natürlich habe ich mir das gut überlegt. Die Idee kam über eine Freundin bei Disney+, und ich sah darin eine Chance. Das Risiko gehe ich ein, aber bisher habe ich sehr positives Feedback bekommen. Es gibt Wohlhabende, die gerne zeigen, was sie haben, und andere, die absolute Diskretion wollen – und die bekommen sie weiterhin.
Basler Yacht-Broker
Bevor Cornelius Kistler (42) in die Welt der Superyachten einstieg, arbeitete der Basler im Verkauf, unter anderem bei «20 Minuten». 2013 gründete er die Yachtvermittlung breezeYachting.swiss. Heute beschäftigt das Unternehmen 14 Mitarbeitende und ist international tätig. Kistler ist verheiratet, Vater von drei Kindern, die Familie lebt in Basel. In seiner Freizeit zieht es ihn aufs Wasser: Seine grosse Leidenschaft ist Kitesurfen.
Bevor Cornelius Kistler (42) in die Welt der Superyachten einstieg, arbeitete der Basler im Verkauf, unter anderem bei «20 Minuten». 2013 gründete er die Yachtvermittlung breezeYachting.swiss. Heute beschäftigt das Unternehmen 14 Mitarbeitende und ist international tätig. Kistler ist verheiratet, Vater von drei Kindern, die Familie lebt in Basel. In seiner Freizeit zieht es ihn aufs Wasser: Seine grosse Leidenschaft ist Kitesurfen.
Sie sind ein kleiner unter vielen Yacht-Brokern. Was macht Sie aus?
Wir sind ein Boutique-Broker und bringen Schweizer Werte ins Geschäft: Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Transparenz. Wir nehmen nicht jede Yacht in den Verkauf, sondern sagen einem Kunden auch, wenn seine Preisvorstellung unrealistisch ist. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Yachting ist teilweise noch eine richtige Wildwestbranche.
Wie gewinnt man in einer solchen Branche das Vertrauen von Superreichen?
Indem man ehrlich ist und nicht ständig versucht, ihnen etwas zu verkaufen. Letzte Woche war ich im Engadin zum Kiten und habe dort einen Kunden getroffen. Je digitaler und von KI geprägter alles wird, desto wertvoller werden solche gemeinsamen Erlebnisse. Nach 20 Jahren läuft zudem vieles über Empfehlungen – ein Kunde stellt mich dem nächsten vor.
Am ersten Tag der Yachtmesse haben Sie bereits die erste Yacht verkauft. Glück oder gut geplant?
Beides. Glück gehört immer dazu, aber hinter so einem Verkauf steckt viel Arbeit. Um 10.20 Uhr waren wir die Ersten auf der ganzen Messe – da durfte ich gleich die Glocke läuten, damit wird ein Verkauf verkündet. Bei diesem Deal steckten vier Wochen Vorarbeit dahinter, manchmal dauert es Jahre.
Für wie viel wurde die «Smooth Operator» verkauft?
Der effektive Verkaufspreis ist vertraulich. Der letzte bekannte Angebotspreis lag bei 7,9 Millionen.
Und was verdienen Sie an so einem Deal?
Die Provision liegt in der Regel zwischen fünf und zehn Prozent. Oft wird sie zwischen dem Broker des Verkäufers und jenem des Käufers geteilt. Bei sehr teuren Yachten sinkt der Prozentsatz. Das mag nach viel klingen, aber damit finanziere ich mein ganzes Business: Reisen, Marketing, das Team und die Infrastruktur.
Wer schafft es in die Welt der Superreichen?
In der neuen Realityshow «Yacht Deals Monaco» kämpfen acht Verkaufstalente vor der Kulisse Monacos um einen Job in der Welt der Superyachten. Unter den Augen des Basler Yachtbrokers Cornelius Kistler (42) und der Yacht-Consultant Marcela de Kern Royer müssen sie sich in verschiedenen Aufgaben beweisen. Die Serie gibt Einblick in ein Geschäft, das sonst von Diskretion lebt. Alle sieben Folgen sind ab 30. September auf Disney+ verfügbar.
In der neuen Realityshow «Yacht Deals Monaco» kämpfen acht Verkaufstalente vor der Kulisse Monacos um einen Job in der Welt der Superyachten. Unter den Augen des Basler Yachtbrokers Cornelius Kistler (42) und der Yacht-Consultant Marcela de Kern Royer müssen sie sich in verschiedenen Aufgaben beweisen. Die Serie gibt Einblick in ein Geschäft, das sonst von Diskretion lebt. Alle sieben Folgen sind ab 30. September auf Disney+ verfügbar.
Was war Ihre bisher teuerste Yacht?
Eine 60 Meter lange Amels für 75 Millionen Dollar.
Angenommen, ich habe zehn Millionen Franken – reicht das für eine Yacht?
Als Faustregel sollte man nicht mehr als zehn Prozent des Nettovermögens für den Kauf ausgeben. Bei zehn Millionen wären das also rund eine Million Franken. Dafür bekommen Sie eine schöne Yacht unter zwanzig Metern. Eine grössere Yacht kostet mit Crew schnell eine halbe bis eine Million Franken pro Jahr. Dafür muss man den entsprechenden Cashflow haben.
Wie finden Sie heraus, ob jemand wirklich das nötige Geld hat?
Das merke ich meist schon in den ersten Minuten, dafür habe ich ein Gefühl entwickelt. Heute gehört es aber auch dazu, eine Passkopie und einen Vermögensnachweis zu verlangen. Natürlich gibt es Menschen, die einfach neugierig auf diese Welt sind. Wenn jemand das offen sagt, ist das für mich völlig okay.
Warum fasziniert diese Welt so?
Eine eigene Yacht ist wie ein schwimmendes Königreich. Das beste Beispiel ist für mich Queen Elizabeth II. Ihre Britannia war schwimmende Staatsresidenz und privater Rückzugsort zugleich. Sie empfing darauf Staatsgäste und sagte gleichzeitig, es sei der einzige Ort, an dem sie wirklich entspannen könne. Im Grunde suchen sehr vermögende Menschen heute etwas Ähnliches: Freiheit und maximale Privatsphäre.
Früher galt eine 50-Meter-Yacht als ultimativer Luxus. Heute besitzen Superreiche wie Jeff Bezos Yachten von weit über 100 Metern. Gilt auch auf See: Je länger, desto besser?
Wenn sich Milliardäre daran messen, ist das für uns Broker natürlich nicht schlecht. Aber irgendwann wird die Grösse auch zum Nachteil. Mit einer 100-Meter-Yacht kommt man nicht mehr in die Häfen rein, etwa in Saint-Tropez, wo man direkt vor der Promenade ankert. Ein spannendes Konzept ist deshalb die sogenannte «Pocket Super Yacht» zwischen 40 und 50 Metern: gross genug für fast allen Luxus, aber noch flexibel genug, um deutlich mehr Häfen und Buchten anzulaufen.
Wie gross wäre Ihre eigene Traum-Yacht?
Für mich wäre ein schöner Segelkatamaran ideal. Irgendwo in einer Bucht liegen, wo ich kitesurfen kann. Da wäre ich ein ganz bescheidener Yacht-Eigner. Momentan habe ich dafür aber zu wenig Zeit.
Hand aufs Herz: Verkaufen Sie nicht eine der grössten Klimasünden, die man sich für Geld leisten kann?
Ja, natürlich kann man sich die Zahlen anschauen und sagen: Das ist moralisch verwerflich. Da möchte ich nichts beschönigen. Eine grosse Yacht verbraucht enorme Ressourcen. Aber Yachting ist auch ein bisschen wie die Formel 1: Dort werden neue Technologien ausprobiert, lange bevor sie im Alltag ankommen. Vermögende Yachtbesitzer können es sich leisten, in neue Antriebe, Batteriesysteme oder Solarenergie zu investieren, auch wenn das noch nicht ausgereift ist. Davon kann später auch die kommerzielle Schifffahrt profitieren.
Ist das schlechte Gewissen bei Ihren Kunden überhaupt ein Thema?
Mir persönlich liegt das am Herzen, weil das Meer als Erholungsgebiet erhalten bleiben soll. Und ich sehe, dass Nachhaltigkeit für immer mehr Kunden tatsächlich wichtig wird. Aber natürlich gibt es auch jene, denen das ziemlich egal ist.
Sie stammen selbst aus bescheidenen Verhältnissen. Was haben Sie durch die Superreichen über Geld und Glück gelernt?
Glück hängt für mich von der inneren Haltung ab, nicht vom Kontostand. Ich kenne sehr vermögende Menschen mit einer tollen Familie und einem erfüllten Leben – und andere, die trotz ihres Reichtums unglücklich und einsam sind. Je mehr man hat, desto schwieriger wird manchmal die Frage: Wer interessiert sich wirklich für mich – und wem kann ich vertrauen? Viel Geld kann auch eine Last sein.
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