Im Detailhandel gibts nichts: Hier steigen die Löhne am stärksten

- Schweizer Unternehmen planen für 2027 Lohnerhöhungen von durchschnittlich 1 Prozent, dies zeigt eine UBS-Lohnumfrage.
- Bei einer erwarteten Inflation von 0,8 Prozent bleibt ein Reallohnwachstum von 0,2 Prozent.
- Am stärksten steigen die Reallöhne in Energie, Ver- und Entsorgung mit 0,7 Prozent, in der Uhrenbranche sinken sie.
Die Wirtschaft wächst stärker als erwartet. Der Bund hat die Prognose fürs Bruttoinlandsprodukt deshalb deutlich angehoben. Trotzdem planen Schweizer Unternehmen für das nächste Jahr nur geringe Lohnerhöhungen von durchschnittlich einem Prozent, wie die Lohnumfrage der UBS bei knapp 400 Schweizer Unternehmen zeigt.
Das ist noch weniger als der durchschnittliche Lohnanstieg von 1,1 Prozent im laufenden Jahr. Angesichts der von der UBS erwarteten Inflation von 0,8 Prozent ergibt sich im kommenden Jahr ein erwartetes Reallohnwachstum von 0,2 Prozent. Dieser Wert liegt sowohl unter dem langfristigen Durchschnitt als auch unter dem für 2026 erwarteten Reallohnwachstum von 0,4 Prozent.
Die grössten Lohnsprünge gibt es in den Branchen Energie, Ver- und Entsorgung mit einem erwarteten Reallohnanstieg von 0,7 Prozent. Auch in den Branchen Chemie & Pharma sowie Metalle dürfte der Anstieg mit 0,4 Prozent über dem Durchschnitt liegen. Keine Reallohnerhöhung gibt es im Detailhandel und in der Uhren- und Schmuckbranche sogar eine reale Lohnkürzung (siehe Tabelle).
Dabei beurteilen die Unternehmen die wirtschaftlichen Perspektiven für 2027 deutlich positiver als noch vor einem Jahr. Knapp die Hälfte erwartet einen moderaten Aufschwung. Die Zuversicht hat in allen Sektoren zugenommen, besonders in der Industrie.
Gleichzeitig bleibt der Arbeitsmarktausblick verhalten. Die Mehrheit der Unternehmen rechnet mit einer unveränderten Arbeitslosenquote und einem stagnierenden Personalbestand. UBS-Ökonomin Meret Mügeli sagt: «Die Konjunkturaussichten haben sich zwar deutlich verbessert, doch die Erholung kommt am Arbeitsmarkt und bei den Löhnen nur langsam an.»
KI-Kompetenzen bringen bisher kaum mehr Lohn
Die UBS hat die Unternehmen zudem zu künstlicher Intelligenz (KI) befragt. Das Ergebnis zeigt: Obwohl KI inzwischen breit genutzt wird, spiegeln sich KI-Kompetenzen nur vereinzelt in höheren Lohnanpassungen wider. Mit zunehmender Integration von KI steigt jedoch die Bereitschaft der Unternehmen, solche Kompetenzen auch finanziell zu honorieren.
UBS erwartet Zinsschritt der SNB im März
Die Schweizer Wirtschaft dürfte im nächsten Jahr laut UBS-Prognose um 1,5 Prozent wachsen. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Iran-Krieg nicht weiter eskaliert und damit die Energiepreise nicht weiter steigen.
UBS-Ökonom Alessandro Bee erwartet mit dem Wachstum der Wirtschaft auch einen Zinsschritt der Schweizerischen Nationalbank (SNB): «Die SNB dürfte den Leitzins im März 2027 auf 0,25 Prozent und im Juni 2027 auf 0,5 Prozent anheben», sagt Bee. Davon dürfte der Franken gegenüber dem Euro und dem US-Dollar profitieren. Der Kurs für den Euro werde in zwölf Monaten bei 92 Rappen sein und für den Dollar bei 77 Rappen.
Wie beurteilst du die erwarteten Lohnerhöhungen für 2027 in der Schweiz?
Folgst du 20 Minuten Wirtschaft auf Whatsapp?
Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
