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Monday, August 17, 2026

«Vertraue meinem Partner»: Genau das kann zum Geld-Problem werden

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  • Fehlendes Finanzwissen in Beziehungen kann im Ernstfall – etwa bei Scheidung, Krankheit oder Tod – existenzielle Folgen haben.
  • Finanzexpertin Stephanie Köllinger rät Paaren deshalb zu mehr Transparenz und einem jährlichen Finanz-Check.
  • Die Scheidungsrate in der Schweiz liegt bei über 40 Prozent – ein Ehepartner sei keine Altersvorsorge, betont Köllinger.

Viele Paare sprechen über alles – nur nicht über Geld. Dabei kann fehlendes Wissen über die gemeinsamen Finanzen im Ernstfall zum Problem werden. Finanzexpertin Stephanie Köllinger erklärt, warum Vertrauen allein nicht genügt und wieso jede Person eigene Ersparnisse haben sollte.

Stephanie Köllinger, wer kümmert sich in Beziehungen heute um die Finanzen?

In vielen Paarbeziehungen übernimmt eine Person die Finanzen, während die andere sich bewusst oder unbewusst heraushält. Oft höre ich Sätze wie: «Ich vertraue meinem Partner, ich muss das nicht wissen.» Aber Vertrauen ersetzt kein Wissen. Was passiert, wenn der Partner stirbt, sich scheiden lässt oder in eine finanzielle Krise gerät? Aus meiner Community kenne ich zahlreiche Fälle, in denen Schulden oder finanzielle Probleme über Jahre verheimlicht wurden.

Finanzexpertin Stephanie Köllinger berichtet von einer Frau, die erst nach drei Jahren Beziehung erfuhr, dass ihr Partner Schulden von 100'000 Franken hatte. Solche finanziellen Belastungen könnten gemeinsame Lebenspläne wie Reisen, Hochzeit oder Familiengründung gefährden, betont sie.

Finanzexpertin Stephanie Köllinger berichtet von einer Frau, die erst nach drei Jahren Beziehung erfuhr, dass ihr Partner Schulden von 100'000 Franken hatte. Solche finanziellen Belastungen könnten gemeinsame Lebenspläne wie Reisen, Hochzeit oder Familiengründung gefährden, betont sie.Privat

Welche Geschichten sind Ihnen besonders geblieben?

Eine Followerin erzählte mir, dass sie während ihres Studiums mit ihrem Partner zusammenkam. Weil sie selbst finanziell knapp bei Kasse war, fiel ihr nicht auf, dass er hohe Schulden hatte. Erst drei Jahre später, als eine gemeinsame Wohnung und grössere Reisepläne zur Diskussion standen, gestand er ihr, dass er 100'000 Franken Schulden hatte. Das ist nicht nur ein massiver Vertrauensbruch. Solche Schulden können auch gemeinsame Zukunftspläne zerstören – sei es eine Reise, eine Hochzeit oder die Familienplanung.

Ein anderes Beispiel: Als ich noch bei Pro Senectute als Sozialarbeiterin arbeitete, erlebte ich immer wieder, wie stark sich fehlendes Finanzwissen im Alter auswirken kann. Ich erinnere mich an eine Frau, deren Ehemann kurz nach einer Krebsdiagnose verstarb. Erst danach stellte sie fest, dass kaum Ersparnisse vorhanden waren und die Witwenrente nicht ausreichte, um die laufenden Kosten zu decken. So musste sie mit 80 Jahren eine günstigere Wohnung suchen und das Quartier verlassen, in dem sie über 30 Jahren gelebt hatte.

«Ich empfehle jedem, auf einem eigenen Konto einen Notgroschen im Umfang von drei bis sechs Monatsausgaben auf der Seite zu haben.»

Wie lassen sich solche Situationen vermeiden?

Das wichtigste Mittel ist Transparenz. Ich empfehle Paaren, mindestens einmal pro Jahr gemeinsam einen Finanz-Check durchzuführen. Das ist keine Frage des Vertrauens, sondern der gemeinsamen Verantwortung. Beide sollten wissen, wo das Geld liegt, wie hoch das Vermögen ist, wie es investiert wird, welche Schulden bestehen, welche Versicherungen laufen und wie die Vorsorgesituation aussieht. Zudem sollten wichtige Dokumente für beide zugänglich sein.

Es ist völlig in Ordnung, wenn eine Person den Lead über die Finanzen übernimmt. Die andere Person sollte aber jederzeit verstehen, wie die finanzielle Situation aussieht.

Was sollte jede Person unabhängig von der Partnerschaft auf der Seite haben?

Ein Ehepartner ist keine Altersvorsorge. Die Scheidungsrate liegt in der Schweiz bei über 40 Prozent. Aber auch in einer glücklichen Ehe können zum Beispiel eine Krankheit oder ein Todesfall alles verändern. Deshalb sollte jede Person eigene Ersparnisse aufbauen und die eigene Vorsorgesituation kennen. Konkret empfehle ich, auf einem eigenen Konto einen Notgroschen im Umfang von drei bis sechs Monatsausgaben auf der Seite zu haben. So bewahrt man sich ein Stück finanzielle Eigenständigkeit.

Viele Paare scheuen sich vor einem Ehevertrag. Zu Recht?

Es ist wichtig zu betonen: Kein Vertrag ist auch ein Vertrag. Wer keinen Ehevertrag abschliesst, untersteht dennoch den Bestimmungen des Schweizer Eherechts. Deshalb sollte man sich vor einer Hochzeit bewusst sein, dass sich auch finanziell einiges verändert.

Ein Ehevertrag regelt vor allem, wie Vermögen im Fall einer Scheidung oder eines Todesfalls aufgeteilt wird. Er kann Familienvermögen und Unternehmen besser schützen, Ehepartner im Todesfall besser absichern sowie Klarheit in schwierigen Situationen schaffen, wie beispielsweise in komplexen Patchwork-Familien-Konstellationen oder in internationalen Ehen, wo vielleicht andere Gesetze gelten.

Für die meisten Paare reichen die gesetzlichen Bestimmungen völlig aus. Trotzdem sollte jede Person für sich überlegen, ob ein Ehevertrag sinnvoll sein könnte.

Lynn Sachs

Lynn Sachs (sac) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Sie ist stellvertretende Leiterin des Ressorts News.

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