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Thursday, October 29, 2026

Vincent Kompanys Gesundheitsprobleme lösen eine Debatte über Druck, Belastung und fehlende Unterstützung von Trainern aus

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Vincent Kompany konnte nach fünf Tagen Krankenhausaufenthalt nach Hause zurückkehren. Der Cheftrainer des FC Bayern München gab zu, die Warnsignale seines Körpers ignoriert zu haben. "Irgendwann hat mein Körper einfach gesagt: 'Es reicht!'", erklärte er.

Bayerns Sportvorstand Max Eberl, der Borussia Mönchengladbach 2022 aus gesundheitlichen Gründen verlassen hatte, sagte in der ARD, der 40 Jahre alte Belgier habe unter einer Reizung der Hirnhaut gelitten. Unbehandelt kann daraus eine Hirnhautentzündung werden.

"Die Ärzte haben herausgefunden, was es ist. Es handelt sich um eine Hirnhautreizung, die zu dem Vorfall am vergangenen Freitag geführt hat", sagte Eberl mit Blick auf den Moment, als Kompany während des Trainings kollabierte und notärztlich versorgt werden musste.

"Ehrlich gesagt geht es ihm den Umständen entsprechend gut. Er wurde heute aus dem Krankenhaus entlassen. Das ist für uns alle die beste Nachricht."

Kompanys Zusammenbruch löste in Deutschlands Fußballwelt große Besorgnis aus. Bayern-Fans demonstrierten mit einem Banner ihre Unterstützung. Zahlreiche Medien erinnerten in Kommentaren daran, dass auch Trainer Menschen sind und Unterstützung benötigen. Auch innerhalb der Trainergemeinschaft wird inzwischen intensiver über das Thema gesprochen.

Vincent Kompany trinkt am Spielfeldrand aus einer Wasserflasche
Vincent Kompanys Krankheit hat in der Trainergemeinschaft große Solidarität ausgelöstBild: Markus Ulmer/Ulmer/Teamfoto/IMAGO

"Das ist etwas, das man sich zu Herzen nimmt und über das man nachdenkt", sagte Freiburg-Trainer Julian Schuster nach der jüngsten Niederlage seiner Mannschaft gegen den FC Bayern.

"Wir Trainer sind nicht immer besonders gut darin, in solchen Situationen auf uns selbst zu achten."

Eberl wies jedoch Spekulationen zurück, wonach Druck oder Stress die Ursache gewesen seien.

"Es ist eine Krankheit. Jeder von uns kann daran erkranken. Das hat nichts mit dem Druck zu tun, dem wir in der Bundesliga ausgesetzt sind", sagte Eberl.

Warum Trainer an ihre Grenzen gehen

Dennoch wird deutlich, dass Kompany zuletzt enorm gefordert war. Der Belgier räumte selbst ein, nicht auf seinen Körper gehört zu haben. Sein Co-Trainer Aaron Danks sagte zudem, es sei "eine Herausforderung, Vince zur Ruhe zu bringen".

Um den Druck, der auf den Trainern im Spitzensport lastet, zu verstehen, lohnt sich auch ein Blick auf Kompanys eigene Erfahrungen, sowohl aus seiner Kindheit als auch aus seiner Zeit als Profifußballer.

Kompany, dessen Vater nach seiner Einwanderung aus der Demokratischen Republik Kongo erster Schwarzer Bürgermeister Belgiens wurde, musste in seinem Leben zahlreiche Rückschläge bewältigen. Als er 14 Jahre alt war, ließen sich seine Eltern scheiden. In einem Interview mit "The Guardian" sagte er 2019:

"Ich muss ständig mit neuen Aufgaben beschäftigt sein, sonst weiß ich nicht, wie ich funktionieren soll. An einen entspannten Sonntag kann ich mich nicht erinnern."

Darauf angesprochen meinte Trainermentor Cody Royle, der bereits mit Teams aus der NBA und der Premier League gearbeitet hat, im Gespräch mit der Deutschen Welle (DW): "Ich glaube, wir Trainer haben oft ein sehr schlechtes Gespür für uns selbst, gerade wenn es darum geht, auf den eigenen Körper zu hören. Viele Trainer sind darin nicht besonders gut."

"Ein Teil meiner Arbeit besteht deshalb darin, dieses Bewusstsein zu fördern. Ich stelle entsprechende Fragen und versuche weiterzugeben, was ich selbst gelernt oder von anderen Trainern gehört habe, die Ähnliches erleben", erklärte Royle gegenüber der DW und ergänzte: "Nur so kann man Gefühle einordnen, Warnsignale erkennen und vielleicht rechtzeitig gegensteuern, bevor ein Burnout entsteht."

Mit Blick auf Kompany betonte Royle:

"Wir dürfen nicht vergessen, dass Vincent als Trainer noch relativ am Anfang seiner Entwicklung steht. Er lernt noch, welche Signale sein Körper sendet und was sie bedeuten. Als Spieler konnte er körperliche Beschwerden vielleicht leichter einordnen. Heute geht es mehr um mentale Warnzeichen. Auch das muss man erst lernen. Deshalb braucht es Menschen im Umfeld, die dabei helfen."

Trainer brauchen Unterstützung

Angesichts des heute deutlich größeren Bewusstseins für psychische und körperliche Gesundheit, insbesondere im Spitzensport, stellt sich die Frage, wie solche Fälle überhaupt noch vorkommen können.

"Ich vermute, dass viele Cheftrainer nicht loslassen oder Aufgaben nicht delegieren können", sagte Frank Wormuth, Ausbilder beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) der DW.

"Sie wollen alles kontrollieren, weil sie sich unsicher fühlen, wenn die Mannschaft verliert."

Deshalb holten viele Trainer enge Vertraute in ihre Stäbe, erklärte Wormuth.

"Man könnte meinen, Profitrainer müssten sich keine Sorgen machen, weil sie genug Geld verdienen. Aber das ist nicht ihre Priorität. Erfolg ist für sie deutlich wichtiger."

Frank Wormuth (l.) an der Seitenlinie als Cheftrainer des FC Groningen
Auch Frank Wormuth (l.) hatte Momente, in denen ihm bewusst wurde, dass der Fußball sein Leben bestimmt hatteBild: Pro Shots/IMAGO

Der frühere Trainer räumte ein, selbst Phasen erlebt zu haben, in denen Fußball sein Leben zu stark bestimmt habe.

"Ich hatte nie das Gefühl, zu viel zu arbeiten, bis meine Kinder mir zu Hause gesagt haben, dass ich dort nicht Trainer, sondern Vater sein sollte", sagte Wormuth.

"Da wurde mir klar, dass ich gedanklich rund um die Uhr Trainer war, selbst wenn ich zu Hause saß."

Trainermentor Royle ist überzeugt, dass Trainer besser lernen müssen, mit den Anforderungen des Berufs umzugehen.

"Ich bin ehrlich gesagt erstaunt, dass wir hier noch nicht weiter sind", sagte er.

"Wir bringen jungen Trainern solche Themen kaum bei. Das Ausbildungssystem trägt ebenso dazu bei wie die Organisationen selbst."

Kommt jetzt ein Umdenken?

Die Kombination aus extrem leistungsorientierten Umfeldern, hohen Erwartungen und permanentem Erfolgsdruck kann gefährlich werden, wenn sie nicht richtig gemanagt wird. Sowohl Wormuth als auch Royle plädieren deshalb für ein zusätzliches Korrektiv von außen.

"Vielleicht braucht es einen Mechanismus, der Trainern hilft, sich selbst kritisch zu hinterfragen", sagte Royle.

"Jemanden außerhalb des Vereins, der nicht Teil interner Machtstrukturen ist und einfach sagen kann: 'Du musst jetzt nach Hause gehen. So kann es nicht weitergehen.'"

Royle verweist dabei auch auf die Geschichte des Sports: "Jock Stein ist einst buchstäblich an der Seitenlinie zusammengebrochen und gestorben. Eigentlich sollte es danach keine weiteren Diskussionen mehr geben. Arbeitssucht und Stress haben dazu beigetragen."

John „Jock“ Stein, einer der renommiertesten Trainer der britischen Fußballgeschichte, erlitt Mitte der 1980er-Jahre während eines Spiels einen Herzinfarkt und verstarb noch im Stadion.

Trainermentor Royle führte weiter aus: "Ich weiß nicht, was noch passieren muss. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass dem Fußball dieses Thema wichtig genug ist, um wirklich etwas zu verändern. Die Show muss schließlich weitergehen."

Genau das wird auch an diesem Wochenende so sein, wenn Bayern München im Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga auf Borussia Dortmund trifft. Das Fehlen von Bayern-Coach Vincent Kompany sollte jedoch klar machen, dass sich der Fokus im modernen Fußball zu häufig nur auf die Spieler richtet - Trainer und Betreuer am Spielfeldrand aber die gleiche Aufmerksamkeit benötigen.

Dieser Artikel wurde aus dem englischen Original "Kompany health scare shows coaches need support too" daptiert.

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