«Schau, was wir fanden»: Drei Fremde werden für Tourist zu Helden

- Patrick Mohr verliert in den Ferien in der Toskana seinen Ehering in einem Bergbach.
- Drei junge Italiener finden den Goldring nach drei Tagen Suche mit kleinen Booten, Schnorchel und Seilen.
- Sie bringen ihn am 1. Oktober als Hobbits verkleidet persönlich zu Familie Mohr nach Irland.
Eigentlich wollte Patrick Mohr mit seiner Frau und den drei Töchtern im Juli schöne Ferien in Italien verbringen. Doch beim Spielen in einem Bergbach in der toskanischen Gemeinde Bagni di Lucca passierte ein Missgeschick. Eines seiner Kinder griff nach seiner Hand und streifte dabei seinen Ehering ab. Das 18-karätige Schmuckstück verschwand sofort in der starken Strömung.
Für Mohr war das ein harter Schlag. Seit 16 Jahren trug er den Ring am Finger. Er hatte kaum Hoffnung, ihn jemals wiederzusehen.
Drei Freunde wollen helfen
Während Mohr den Verlust erst einmal verdauen musste, machte sich seine Frau auf die Suche nach Hilfe. Sie sprach drei junge Italiener an, die sich ebenfalls in der Nähe aufhielten.
Filippo Palagi, Nicola Malloggi und Edoardo Poggi waren zunächst skeptisch. Ohne Taucherbrillen und bei der starken Strömung schien die Suche eigentlich aussichtslos. Trotzdem beschlossen sie, es zu versuchen. Die drei Freunde versprachen der Familie sogar, den Ring persönlich nach Irland zu bringen, falls sie ihn finden sollten.
Dabei liessen sie sich von der Geschichte aus «Der Herr der Ringe» inspirieren.
Am dritten Tag entdecken sie den Ring
Zunächst suchten die drei mit Kajaks nach dem Goldring. Zwei Tage lang blieb ihre Suche erfolglos. Am dritten Tag gingen sie noch einen Schritt weiter. Mit Schnorchelausrüstung und Seilen, die sie an grossen Felsen befestigten, suchten sie in einem besonders stark fliessenden Abschnitt des Bachs.
Plötzlich entdeckte Nicola Malloggi etwas Glänzendes im Sand. Er griff danach und tauchte wieder auf. Und tatsächlich: Er hielt den verlorenen Goldring in der Hand.
«Hallo Sméagol, schau, was wir gefunden haben»
Patrick Mohr war mit seiner Familie weiter in der Toskana unterwegs. Gerade bereitete er das Abendessen zu, als die Nachricht auf seinem Handy erschien. Dazu gab es ein Foto des Rings und die Worte «Hallo Sméagol, schau, was wir gefunden haben». Sméagol ist eine Figur aus «Der Herr der Ringe», die später zu Gollum wird und von dem «einen Ring» besessen ist.
«Ich steckte das Handy wieder in die Tasche und rührte völlig geschockt weiter in der Pasta», beschreibt Mohr den Moment.
Über die rührende Geschichte berichteten zunächst lokale Medien. Wenig später erzählte Patrick Mohr die Geschichte dem kanadischen Sender CBC Radio.
Als Hobbits verkleidet nach Irland
Doch damit war die Geschichte noch nicht vorbei. Die drei Italiener wollten ihr Versprechen unbedingt einlösen und den Ring persönlich nach Irland bringen.
So nahmen sie am 1. Oktober einen Ryanair-Flug nach Dublin und standen wenig später bei Familie Mohr vor der Tür. Für ihren grossen Auftritt hatten sie sich sogar als Hobbits verkleidet.
«Manchmal muss man das Universum um Hilfe bitten»
Die Familie empfing ihre drei Helden begeistert. Gemeinsam besuchten sie Sehenswürdigkeiten in der Region. Später ging es auf ein Guinness in den Pub und anschliessend zu einem traditionellen irischen Abendessen.
Aus der ungewöhnlichen Rettungsaktion entstand eine Freundschaft. Für Patrick Mohr bleibt vor allem eine Erkenntnis. «Manchmal muss man die Kontrolle loslassen und das Universum um Hilfe bitten», sagt er. «Und manchmal bekommt man tatsächlich eine Antwort.»
Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.
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