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Saturday, September 5, 2026

Zu klein: Schweizer Bauern ernten Kartoffeln gar nicht

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  • Die Schweizer Kartoffelernte fällt 2026 historisch schlecht aus. Hitze und Trockenheit haben den Bauern stark zugesetzt.
  • Swisspatat-Präsident Urs Reinhard rechnet mit weniger Schweizer Kartoffeln, möglichen Preisaufschlägen für Konsumenten und mehr Importen aus dem Ausland.
  • Eine Versorgungskrise drohe zwar nicht – dafür könnten Pommes kürzer und Chips kleiner ausfallen.

Swisspatat-Präsident Urs Reinhard blickt auf einen aussergewöhnlichen Sommer für die Kartoffelproduktion zurück. «Das ist der schwierigste Sommer für die Kartoffelbauern gewesen, den ich jemals erlebt habe», sagt er im Gespräch mit 20 Minuten. Vor allem die Hitze habe den Kartoffeln massiv zugesetzt.

Wegen des Hitzesommers wurden dieses Jahr nur 333’000 Tonnen Kartoffeln in der Schweiz geerntet – fast 20 Prozent weniger als im Schnitt der vergangenen sechs Jahre. Pro Hektar liegt der Ertrag sogar rund 22 Prozent unter dem Durchschnitt. Die Folge für Schweizer Bauern: historisch tiefe Erträge und viel zu kleine Kartoffeln.

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«Es wird immer heisser, es wird immer trockener»

An den Bauern gehe das nicht spurlos vorbei, denn sie investierten viel Arbeit und Herzblut in ihre Kulturen. «Wenn man einfach nichts machen kann und hilflos zuschauen muss, ist das schon bitter», sagt Reinhard. Man werde sich zunehmend bewusst, dass der Klimawandel bereits da sei: «Es wird immer heisser, es wird immer trockener. Die Extremwetter nehmen zu.

Zwar wurde laut Reinhard rund die Hälfte der Schweizer Kartoffelfelder bewässert. Doch Wasser alleine reiche nicht: «Man kann zwar bewässern, dann vertrocknen sie nicht, aber die Hitze bringt man nicht runter», sagt Reinhard.

«Das ist der schwierigste Sommer, den ich jemals erlebt habe», sagt Urs Reinhard, Präsident Swisspatat, im Gespräch mit 20 Minuten.

«Das ist der schwierigste Sommer, den ich jemals erlebt habe», sagt Urs Reinhard, Präsident Swisspatat, im Gespräch mit 20 Minuten.20min/Martine Anastasiou

Manche Bauern ernten gar nicht erst

Wie drastisch die Situation teilweise ist, zeigt sich direkt auf den Feldern. Reinhard berichtet von Bauern, für die sich das Ausgraben ihrer Kartoffeln nicht mehr lohnt: «Wir haben Bauern gesehen, die gesagt haben: Ich grabe meine gar nicht. Die sind so klein, das bringt nichts.»

Die Ernte verursacht zusätzliche Kosten für Personal und Maschinen. Sind die Kartoffeln am Ende zu klein für den Verkauf oder die Verarbeitung, kann sich dieser Aufwand nicht mehr rechnen.

Die Ernte verursacht zusätzliche Kosten für Personal und Maschinen. Sind die Kartoffeln am Ende zu klein für den Verkauf oder die Verarbeitung, kann sich dieser Aufwand nicht mehr rechnen.Swisspatat

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Was verändert sich für dich als Konsument?

Die Folgen der schlechten Ernte könnten sie dieses Jahr laut Reinhard auf drei Arten bemerken:

Weniger Schweizer Kartoffeln

Swisspatat rechnet mit einer Fehlmenge von rund 130’000 Tonnen. «Dieses Jahr wird es einfach nicht genug geben, dass man nur Schweizer Kartoffeln kaufen kann», sagt Reinhard. Die fehlenden Mengen müssen durch Importe aus dem Ausland ausgeglichen werden.

Kartoffeln könnten teurer werden

Die Branche hat auf Produzentenebene einen Zuschlag von 4,5 Rappen pro Kilogramm beschlossen. Was das für den Preis im Supermarkt bedeutet, kann Reinhard jedoch nicht beziffern. Händler könnten den Zuschlag übernehmen oder zusätzliche Kosten weitergeben.

Pommes und Chips werden teilweise kleiner

Weil die Kartoffeln dieses Jahr kleiner ausfallen, akzeptieren Verarbeiter auch kleinere Kaliber. «Es wird kürzere Pommes frites und kleinere Chips geben. Damit muss man jetzt einfach dieses Jahr leben», so Reinhard.

Die Grösse der Pommes Chips könnte dieses Jahr schrumpfen.

Die Grösse der Pommes Chips könnte dieses Jahr schrumpfen.Moritz Hager

Gibt es bald keine Kartoffeln mehr in den Läden?

Trotz der historisch schlechten Ernte müssen Konsumentinnen und Konsumenten laut Reinhard keine Angst vor leeren Regalen haben. «Die Krise wird nicht kommen. Die Regale werden sicher voll sein, man kann immer Kartoffeln kaufen und es wird keine Versorgungskrise geben.»

Für die kommenden Jahre bleibe die Lage jedoch herausfordernd. Reinhard rechnet damit, dass extreme Wetterlagen häufiger auftreten werden.

Die Branche müsse deshalb Bewässerung fördern und vermehrt auf robuste Sorten setzen, die Hitze, Trockenheit und Krankheiten besser verkraften. Die Branche fordert deshalb, dass neue Züchtungstechnologien in der Schweiz gleich geregelt werden, wie in der EU.

«Damit man in Zukunft einem solchen Sommer besser begegnen kann, muss die Branche Massnahmen ergreifen», sagt Reinhard. Trotzdem blickt er optimistisch auf die Zukunft der Schweizer Kartoffel.

Was wird dir bei Kartoffeln in Zukunft am wichtigsten sein?

Martine Anastasiou

Martine Anastasiou (man), Jahrgang 2001, arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Wirtschaft.

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