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Tuesday, September 15, 2026

DFB-Team: Neuer mischt bei Klopps Torwart-Entscheidung mit

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Manuel Neuer ist am 21. August als Nationaltorhüter endgültig zurückgetreten. Nach dem frühen Aus bei der Fußball-Weltmeisterschaft zog der 40-Jährige einen Schlussstrich unter seine DFB-Karriere und räumte den Platz für eine neue Nummer eins im deutschen Tor. Trotzdem scheint er entscheidenden Einfluss darauf zu haben, wer in seine Fußstapfen tritt.

Zwar spielt Neuer nicht mehr für Deutschland, steht aber nach wie vor beim FC Bayern als Stammtorhüter zwischen den Pfosten. Das bedeutet, dass Jonas Urbig bei den Münchenern nur Nummer zwei ist und eher selten die Möglichkeit bekommt, seine Klasse zu zeigen - und das hat direkte Auswirkungen auf die Torwart-Hierarchie in der Fußball-Nationalmannschaft.

Denn wäre Urbig bei den Bayern die erste Wahl im Tor, würde wohl auch im DFB-Team kein Weg an dem 23-Jährigen vorbeiführen. So allerdings ist fraglich, ob der neue Bundestrainer Jürgen Klopp ihn überhaupt in seinen ersten Kader beruft. Am 17. September wird er bekanntgeben, mit welchen Spielern er in der UEFA Nations League gegen die Niederlande, Griechenland und Serbien antreten wird. Kaum eine Position ist dabei so offen, wie die im Tor.

Oliver Baumann als automatischer Nachrücker?

Vor 20 Jahren wäre es relativ einfach gewesen, vorauszusagen, wer Neuer-Nachfolger wird. Damals rückte im DFB-Team quasi automatisch derjenige nach, der zuvor jahrelang geduldig die Rolle als Ersatzmann akzeptiert hatte. Mit Oliver Baumann gibt es eine solche selbstlose Nummer zwei. Der Keeper der TSG Hoffenheim schluckte sogar die Demütigung, dass Neuer kurz vor der WM noch reaktiviert und ihm vorgezogen wurde.

Nationaltorhüter Oliver Baumann läuft über den Platz
Trotz seiner Degradierung fuhr Oliver Baumann als Nummer zwei mit zur WMBild: Michael Memmler/Eibner-Pressefoto/picture alliance

Allerdings soll Klopp nicht nur kurzfristig Erfolge feiern, sondern nachhaltig etwas ändern und die deutsche Mannschaft wieder zu  einem automatischen Favoriten auf den Turniersieg bei WM und EM machen.

Oliver Baumann ist im Sommer 36 Jahre alt geworden. Bei der nächsten Europameisterschaft wäre er 38, bei der WM 2030 sogar schon 40. Nach Neuanfang und nachhaltigem Aufbau klingt das nicht.

Der Hoffenheimer Keeper, der bislang 13 Länderspiel-Einsätze hat, äußerte sich in den Tagen vor der Nominierung gegenüber der "Bild"-Zeitung zum Austausch mit Klopp so: "Ja, ich hatte mit ihm Kontakt. Alles Weitere wird er am Donnerstag sagen. Alles andere wird man sehen, das soll er dann machen."

Ter Stegen: Über Ajax zurück ins DFB-Tor?

Da Klopp einen stark nach vorne ausgerichteten Spielstil bevorzugt, bei dem alle Spieler hoch pressen, könnte er auf einen Torwart setzen, der als eine Art "letzter Mann" auch Feldspieler-Aufgaben übernehmen kann. Dieses Anforderungsprofil würde Marc-André ter Stegen besser ausfüllen als Baumann. Ter Stegen ist zudem zwei Jahre jünger als sein Konkurrent, allerdings auch deutlich verletzungsanfälliger.

Torwart Marc-André ter Stegen von Ajax Amsterdam ballt die Faust
Marc-André ter Stegen sammelt bei Ajax Amsterdam in der Eredivisie und der Champions League SpielpraxisBild: Van der Velden/Fotostand/picture alliance

Nach einigen schweren Verletzungen und einem Rechtsstreit mit dem FC Barcelona, hat ter Stegen sich zu Ajax Amsterdam ausleihen lassen und seine Chancen auf das deutsche Tor damit verbessert. "Was ter Stegen betrifft, gehe ich davon aus, dass er sicher dabei sein wird", meinte Deutschlands Rekordnationalspieler Lothar Matthäus zuletzt in seiner Kolumne für den TV-Sender Sky. "Wenn er in Amsterdam weiter seine Leistungen bringt, ist er ein Kandidat für die Nummer eins im deutschen Tor."

Alexander Nübel - in der Türkei aus dem Fokus?

Neben Neuer, Baumann und Ersatzkeeper Urbig war Alexander Nübel als Torwart Nummer drei bei der WM dabei. Zuvor zeigte er beim VfB Stuttgart regelmäßig starke Leistungen, wechselte aber zur neuen Saison zu Besiktas Istanbul. Dass er nun nicht mehr in der Fußball-Bundesliga spielt, sieht ein Ex-Nationaltorhüter als Nachteil für das DFB-Team.

"Durch seinen Türkei-Wechsel ist er aus dem Fokus raus", sagte Toni Schumacher gegenüber der "Bild"-Zeitung. Er hütete von 1979 bis 1986 das DFB-Tor und spielte drei Jahre lang für Fenerbahce Istanbul. "Es hat nun mal einen positiven Effekt, wenn du Woche für Woche im eigenen Land spielst und die Leute mit deinen Paraden begeisterst."

Loris Karius - gemeinsame Vergangenheit mit Klopp in Liverpool

Sehr gute Chancen werden auch einem Torhüter zugerechnet, der bislang noch nie für die A-Nationalmannschaft nominiert war, der aber eine gemeinsame Vergangenheit mit Jürgen Klopp hat.

Loris Karius, seit Januar 2025 bei Bundesliga-Aufsteiger FC Schalke 04 unter Vertrag, war in der Saison zeitweise Klopps Nummer eins beim FC Liverpool. Allerdings patzte er im Champions-League-Finale 2018 gegen Real Madrid zweimal entscheidend und wurde anschließend vom heutigen Bundestrainer nicht mehr aufgestellt.

Schalke-Torhüter Loris Karius ruft und gestikuliert
Loris Karius hat sich mit starken Leistungen für den FC Schalke in den Fokus gespieltBild: Norbert Schmidt/picture alliance

Bei Schalke zeigt Karius nun konstante Leistungen und könnte sich so wieder in den Fokus gespielt haben. "Wenn mich Leute damit in Verbindung bringen, dann ist das ja eine Auszeichnung für die Leistung, die ich bringe. Das ist toll", sagte der 33-Jährige zuletzt im Interview mit Sky, wollte aber keine Prognose abgeben: "Alles andere obliegt mir aber nicht. Ich mache einfach weiter."

Mehrere Kandidaten mit doppelter Option 

Und wenn es keiner der naheliegenden Kandidaten wird? Dann gibt es eine ganze Reihe guter Torhüter, die ebenfalls für den Platz im deutschen Tor infrage kämen. Da ist zunächst Noah Atubolu von Eintracht Frankfurt, der von 2022 bis 2025 die Nummer eins der deutschen U21 war.

Der 24-Jährige wurde im Oktober von Klopp-Vorgänger Julian Nagelsmann bereits einmal für die A-Nationalmannschaft nachnominiert, kam aber nicht zum Einsatz. Er wäre auch für Nigeria spielberechtigt.

Mio Backhaus vom SC Freiburg ist ein weiteres vielversprechendes Talent. Da die Mutter des 22-Jährigen aus Japan kommt, ist Backhaus auch für den japanischen Verband spielberechtigt. In der U15 stand er sogar für die japanische Auswahl auf dem Platz, durchlief dann aber bis zur U21 die Nachwuchsteams des DFB.

Neben Atubolu und Backhaus vervollständigen Finn Dahmen (28 Jahre) vom FC Augsburg, Dennis Seimen (20) vom VfB Stuttgart und Diant Ramaj (24), der vom Bundesliga-Absteiger 1. FC Heidenheim zum FC Kopenhagen wechselte, die Liste.

Deutschlands Ersatztorhüter Finn Dahmen und Noah Atubolu beim Training
Finn Dahmen (l.) und Noah Atubolu (r.) waren bereits für die A-Nationalmannschaft nominiertBild: Sebastian Räppold/Matthias Koch/picture alliance

Sollte Klopp auf einen der fünf setzen wollen, könnte es sich lohnen, den Betreffenden schnell in einem Pflichtspiel aufzustellen. Der Grund: Genau wie Atubolu und Backhaus sind auch die anderen drei wegen ihrer Herkunft auch für einen anderen Verband spielberechtigt. Dahmen könnte auch für England antreten, Seimen für Rumänien und Ramaj für den Kosovo.

Andreas Köpke: "Jungen Torwart als Nummer eins aufbauen"

Die Idee, einem jungen Torhüter das Vertrauen zu schenken, gefällt einem ehemaligen Nationaltorhüter gut, der selbst lange warten musste, bis er zur Nummer eins wurde. Andreas Köpke, Europameister von 1996, saß vor seiner Beförderung zum Stammtorwart vier Jahre lang auf der Bank, weil Bodo Illgner die Nummer eins war.

"Das wird eine knifflige Entscheidung für Jürgen Klopp. Ich denke, man muss jetzt einen jungen Torwart als Nummer eins aufbauen", sagte Köpke gegenüber der "Bild"-Zeitung und nannte neben Backhaus und Atubolu auch Bayern-Ersatzmann Urbig - allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. 

"Jonas Urbig ist sicher ein Kandidat, wenn er bei Bayern 20 bis 25 Pflichtspiele bestreitet und wenn er bei Bayern keine klassische Nummer zwei ist."

Es hängt möglicherweise also tatsächlich einiges von Manuel Neuer ab.

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