2.5 Milliarden in 6 Monaten – Sind Gaza-Wiederaufbaupläne mehr als ein leeres Versprechen?

Es gibt Meldungen, bei denen man sich als Journalistin fragt, ob man überhaupt darüber berichten soll: Meldungen, die so offensichtlich im Widerspruch zur Realität stehen, dass sie bestenfalls eine gute, aber komplett unrealistische Absicht des Absenders wiedergeben.
Zum Beispiel: Da redet Jared Kushner, der Schwiegersohn des US-Präsidenten, in New York im Rahmen des von den USA geführten sogenannten Friedensrats über eine erste Phase des Wiederaufbaus im Gazastreifen für 2.5 Milliarden US-Dollar innerhalb sechs Monaten.
Gleichzeitig Tausende Bomben an Israel verkauft
Diese Ankündigung kommt rund eine Woche, nachdem US-Präsident Trump stolz einen Deal verkündet hat für US-Waffenlieferungen an Israel im Wert von 2.8 Milliarden Dollar. Herzstück des Deals: 40'000 Bomben mit einer Sprengladung von rund einer Tonne.
Eine einzige solche Bombe kann Menschen im Umkreis von 300 Metern in Stücke reissen. Ihre Zerstörungskraft ist gut dokumentiert: in Vietnam, in Afghanistan, dem Irak, in Ex-Jugoslawien und jetzt im Iran und dem Gazastreifen.
Bomben liefern und gleichzeitig den Wiederaufbau versprechen: ein Widerspruch, der die praktischen Schwierigkeiten des Wiederaufbauplans für den Gazastreifen nur noch stärker hervortreten lässt.
Dort geht es darum, Schutt wegzuräumen, die zerstörte Infrastruktur wiederherzustellen, provisorische Unterkünfte zu bauen, die dann sogleich wieder zerstört werden, wenn Israels Armee solche oder andere Bomben einsetzt, um einen mutmasslichen Hamas-Führer zu töten, der sich dort versteckt – wie heute, als Israel eine Polizeistation in Gaza angriff.
Internationale Gemeinschaft soll spenden
Gleichwohl rief Jared Kushner die internationale Gemeinschaft zu Spenden auf. Der von den USA geführte Friedensrat verlangt von Israel im Plan, die gezielten Angriffe auf Palästinenser im Gazastreifen einzustellen. Nur: das wird Israel nicht tun, solange die Hamas nicht entwaffnet wird. Diese denkt aber auch nach drei Jahren Krieg nicht an die Abgabe ihrer Waffen und fordert von Israel ein Ende der Angriffe.
Der Zivilbevölkerung im Gazastreifen steht der vierte elende Winter im Krieg bevor, die israelische Zivilbevölkerung muss sich weiterhin vor Angriffen fürchten. Man hätte die Meldung über den jüngsten Auftritt des Friedensrats also einfach ignorieren können. Ausser dass sie in Erinnerung ruft: die Zivilbevölkerung im Gazastreifen wird noch jahrelang – und wohl vergeblich – auf einen Wiederaufbau warten müssen.
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