SBB schiesst Tauben im Bahnhof – «Sie sind süss, warum töten?»

- Das Veterinäramt Basel-Stadt untersucht, ob das Erschiessen von Tauben im Bahnhof Basel SBB rechtens war.
- Passanten entdeckten Taubenkadaver in einem Netz sowie Blutspuren und eine leere Patronenhülse am Boden.
- Die SBB verweist auf Hygiene- und Sicherheitsrisiken als Grund und betont, ein ausgebildeter Fachspezialist führe die Einsätze durch.
Mehrere Taubenkadaver, die in einem Netz hängen, erschreckten in den vergangenen Tagen Passagierinnen und Passagiere im Basler Bahnhof SBB. Doch war das Vorgehen der SBB, die Tauben im Netz zu erschiessen und die toten Tiere nicht direkt zu entfernen, überhaupt rechtens und tierschutzkonform?
Das Amt für Wald und Wild beider Basel hat Kenntnis vom aktuellen Fall am Bahnhof Basel SBB: Der Bahnhof Basel SBB verfüge über eine Bewilligung für das Töten von Stadttauben, bestätigt Wildbiologin Maria Rohrer. Doch wie wird die «Entnahme der Tauben», wie das Schiessen im Beamtendeutsch heisst, überprüft und geregelt?
Die SBB sei dafür verantwortlich, die tierschutzrechtlichen Bestimmungen einzuhalten, so das Amt weiter. «Für die konforme Umsetzung und die Einhaltung der jagdrechtlichen und tierschutzrechtlichen Bestimmungen im Rahmen dieser Bewilligung ist der Bewilligungsinhaber verantwortlich», erklärt Rohrer weiter.
Veterinäramt hat Untersuchung eingeleitet
Nachdem beim Veterinäramt Basel-Stadt mehrere Meldungen zu den toten Tauben eingegangen sind, hat es eine Untersuchung im Verwaltungsverfahren eingeleitet, wie es auf Anfrage heisst. Aus Datenschutzgründen darf das Veterinäramt während eines laufenden Verfahrens keine weiteren Auskünfte erteilen.
Für das Schiessen der Tauben im Basler Bahnhof ist laut der SBB ein Fachspezialist für Schädlingsbekämpfung und Wildtiere zuständig. Die Person sei «dafür auch entsprechend ausgebildet». Weiter betont die SBB, dass die Einsätze mit dem jeweiligen Veterinäramt abgestimmt sind.
«Können Krankheiten übertragen und sind zu viele»
20 Minuten war am Bahnhof und hat die Passantinnen und Passanten dazu befragt. Joel (69) ist Arzt und hat eine klare Meinung, was die Vögel anbelangt: «Sie können Krankheiten übertragen und es sind zu viele», findet er. Darum brauche es eine Lösung, wie die Stadt mit den Tieren umgeht.
Die USA-Touristinnen Ollie (43) und Eva (zwölf) können nicht nachvollziehen, wieso die Vögel in Basel nicht gerne gesehen sind. «Die sind doch süss, warum sollte man sie töten?», findet die Familie aus Kalifornien.
Andere Ansichten hat Anna (66) aus Basel. Die Tauben nerven sie: «Die scheissen alles voll.» Trotzdem kritisiert sie das Vorgehen der SBB: «Sie einfach zu erschiessen, ist nicht gut.» Vor allem, dass die Patronen nicht weggeräumt wurden, schockiert die 66-Jährige, wie sie weiter sagt.
«Tierquälerei»
Die 21-jährige Stefania geht sogar noch einen Schritt weiter und bezeichnet das Vorgehen der SBB als Tierquälerei. «Wäre es keine Taube, hätten sie bestimmt anders reagiert», so die Baslerin.
Für Zahed gehören Tauben zur Natur und auch zur Stadt dazu. «Warum sollte man auf sie schiessen? Die Natur ist doch schön mit Tauben», erklärt der 28-Jährige.
Wie stehst du dazu, dass die SBB Tauben wegen Hygiene und Sicherheit töten lässt?
Du weisst von einem Tier in Not?
Hier findest du Hilfe:
Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)
Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)
GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)
Tierquälerei:
Pina Olivia Wiemer (pow) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie ist seit Mai 2026 Praktikantin bei der Lokalredaktion Basel.
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