Googlebook OS: Google-Manager Kuscher erklärt den Wechsel zu Android
Vor knapp 16 Jahren hat Google sein erstes Chromebook mit der kryptischen Modellbezeichnung Cr-48 Ende 2010 vorgestellt. Jetzt ersetzt der Hersteller sein auf dem Chrome-Browser basierendes Notebook-Betriebssystem ChromeOS zumindest im Premiumsegment durch das Android-basierte Googlebook OS. Vollkommen überraschend ist dieser Schritt nicht, schließlich denkt das Unternehmen im Grunde schon seit der Ankündigung von ChromeOS im Jahr 2009 laut über ein Zusammenwachsen der beiden Betriebssysteme nach. Die bisherigen Versuche, ChromeOS und Android näher zusammenzubringen, etwa durch die Möglichkeit, Android-Apps auf Chromebooks auszuführen, war nur die halbe Miete.
Im Gespräch mit heise online erklärt Alexander Kuscher, Googles Senior Director of Product Management für Googlebooks und Tablets, warum es so lange gedauert hat – und dass es bald weitere Modelle in verschiedenen Preislagen geben wird.
Für wen?
Laut Kuscher richtet sich die neue Gerätekategorie an jeden Android-Nutzer – theoretisch also an über drei Milliarden Menschen. Allerdings grenzt er die Nutzergruppe ein Stück weit ein und sagt, Google habe zunächst Premium-Nutzer im Blick.
Denn für das Android-Ökosystem gab es bislang kein Desktop-Betriebssystem, mit dem die mobile Plattform nahtlos funktionierte. Windows sei irgendwie komisch, Mac auch und selbst das eigene ChromeOS passe nicht ganz dazu, meint Kuscher.
Alexander Kuscher, Senior Director of Product Management für Googlebooks und Tablets.
(Bild: Andreas Floemer / heise medien)
Warum landet Android erst jetzt auf Notebooks?
Dass Android als Notebookbasis trotz der immer wieder aufkeimenden Gerüchte erst jetzt erscheint, hat unter anderem mit Android selbst zu tun. Um das Mobilbetriebssystem vor fünf Jahren für Notebooks fit zu machen, hätte Googles Entwicklerteam viel Aufwand investieren müssen. Damals sei Android als Plattform nicht weit genug gewesen. Mittlerweile habe das Betriebssystem eine entsprechende Reife erlangt. Zudem hat Google mit Android 17 sogenannte adaptive Apps zum Standard gemacht. Diese unterstützen die Darstellung auf verschiedensten Bildschirmgrößen – und sind damit eben auch für Notebooks optimal. Laut Kuscher zeigen auch Entwickler großes Interesse daran.
Ein zweiter wichtiger Aspekt sind Kuscher zufolge die Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz, bei Google vor allem Gemini. Die KI helfe dabei, bestimmte Funktionen zu realisieren – etwa den Magic Pointer. Diese Neuinterpretation des klassischen Cursors bietet einen direkten Zugriff auf Googles KI Gemini, die je nach Kontext bestimmte Aufgaben erledigen kann. Hinzu kommen Funktionen, die man von klassischen Betriebssystemen kennt, etwa das Umbenennen mehrerer Dateien auf einen Streich.
Durch den Wechsel von ChromeOS auf die Android-Basis sei es einfacher, den Anforderungen eines stärker verzahnten Ökosystems gerecht zu werden. Kuscher ergänzt, dass Nutzerinnen und Nutzer, die sich von ihrem Smartphone an ein Notebook setzen, unter anderem mehr Bildschirmfläche benötigen würden, etwa um produktiver zu arbeiten. Am Notebook könne man schneller Sachen aufschreiben oder mit komplexen Dokumenten arbeiten. Wer etwa Excel-Tabellen auf einem Smartphone betrachtet oder gar bearbeiten will, kommt schnell an seine Grenzen.
Kuscher sieht Googlebook OS als ein „Multi-Purpose OS“ – also ein Betriebssystem für viele Einsatzbereiche: Man könne es sowohl zum Arbeiten – etwa zum Coden – als auch für die Unterhaltung verwenden. Um produktiv damit zu arbeiten, bringt Google neben nativen Office-Tools auch Anwendungen zur Bild- und Videobearbeitung wie Adobe Photoshop und Lightroom, aber auch CapCut und Luminar auf das Betriebssystem. Die Firma sei diesbezüglich aber erst am Anfang – es sollen mehr native Apps kommen. Derzeit seien Hunderte Apps optimiert.
Günstiger und teurer: Mehr Googlebooks kommen
Zudem seien Hardwarehersteller interessiert daran, Googlebooks zu bauen, denn auch diese sähen eine Lücke für Android-Nutzer. Die bisher fünf vorgestellten Googlebooks ordnen sich grob in die Preisklasse des MacBook Air ein und kosten ab 1200 Euro. Es sollen weitere Googlebooks kommen, die zum einen günstiger als die bisherigen sind – im MacBook-Neo-Bereich (unter 1000 Euro) –, zum anderen sollen auch teurere Geräte folgen.
Einen konkreten Zeitplan wollte Kuscher nicht preisgeben. Er sagte lediglich, es werde „nicht zu lange“ dauern. Womöglich könnte es schon zur Elektronikmesse CES 2027 im Januar weitergehen. Im Zuge der Messe in Las Vegas zeigen traditionsgemäß viele Hersteller neue Produkte.
Tablets bleiben, Funktionen wandern teils rüber
Auf die im Google Store eingestampfte Tablet-Kategorie angesprochen, entgegnete Kuscher lediglich: „Wir machen noch Android-Tablets.“ Dabei bezieht er sich jedoch auf die allgemeine Kategorie der Android-Tablets, nicht auf die Pixel-Produkte, mit denen er nicht direkt etwas zu tun hat. Kuscher ergänzte, dass Tablets vor allem im Premiumbereich beliebt seien.
Zudem sagte er, dass einige der Googlebook-Funktionen auch auf weiteren Android-Produkten landen sollen. Konkret wollte er nicht darauf eingehen, allerdings hat Google bereits angekündigt, dass „Create my Widget“ unter anderem auf Smartphones landen wird – für Tablets sicherlich auch. Mit dieser Funktion lassen sich eigene Widgets für verschiedenste Funktionen oder Aktionen entweder aus Vorlagen oder in Vibe-Coding-Manier erstellen und auf dem Desktop ablegen.
Jedoch würden nicht alle Funktionen auf allen Gerätekategorien Sinn ergeben: etwa der Magic Pointer auf dem Smartphone oder einem Tablet mit Standardoberfläche. Zudem gestand er ein, dass die Desktop-Oberfläche von Android 16 und 17 noch ausbaufähig sei. Beim Anschließen eines Smartphones an einen externen Monitor zeigt der große Bildschirm einen Desktop-Modus an, den Samsung-Nutzer etwa vom Dex-Modus her kennen. Dieser Desktop-Modus dürfte im Laufe der Zeit noch ausgebaut werden.
Schließlich sagte er auf den Digital Markets Act (DMA) angesprochen, dass Googlebooks, obwohl sie auf Android basieren, in der EU unter dem DMA nicht als zentraler Plattformdienst eingestuft würden. So müsste Google das Betriebssystem theoretisch nicht für KI-Fremdanbieter öffnen. Allerdings sagte er, dass Googlebook OS – ähnlich wie macOS und Windows – so weit wie möglich für KI-Anwendungen offen sein solle. Daher ermögliche Google unter anderem Claude im Terminal.
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