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Monday, September 21, 2026

Merz hat "Deutungshoheit über Kanzlerschaft längst verloren"

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Die Regierung unter Kanzler Merz habe versäumt zu erklären, was die Reformen genau seien und wie sie Politik in Zukunft gestalten wollen, sagt Politikwissenschaftler Constantin Wurthmann.

21.09.2026 | 9:22 min

Es ist ein ungewöhnlicher Schritt, als Bundeskanzler Friedrich Merz am Sonntag kurz nach Bekanntwerden der Prognosen der Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin vor die Kameras tritt. Der CDU-Chef wirbt trotz einer beispiellosen Wahlschlappe für seinen Reformkurs und zeigt, dass er im Amt bleiben will.

Für Constantin Wurthmann von der Universität Mainz ist das Merz-Statement noch vor der endgültigen Gewissheit, dass die CDU in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Landtag fliegt, "eine Form der Verzweiflungstat" und ein "Sprung nach vorne".

Wurthmann sieht Merz politisch stark geschwächt

Viele Beobachter werteten Merz' Schritt zudem als Versuch, die Deutungshoheit über die Ergebnisse zu behalten und einer neuen Diskussion über einen möglichen Rücktritt zuvorzukommen. Politikwissenschaftler Wurthmann sagt dazu jedoch bei ZDFheute live:

Merz hat die Deutungshoheit über seine Kanzlerschaft längst verloren.

Constantin Wurthmann, Politikwissenschaftler an der Universität Mainz

"Das sind dann quasi so die letzten Zuckungen, würde ich fast schon sagen. Wenn jetzt nicht ein großes Wunder passiert", betont der Experte.

Die CDU fliegt in Mecklenburg-Vorpommern erstmals aus einem Landtag, die AfD wird stärkste Kraft. Die Linke feiert einen historischen Erfolg in Berlin. Wie es weitergeht, analysiert ZDFheute live.

21.09.2026 | 40:54 min

Insgesamt sei die Lage in der CDU sehr fragil und die Niederlage in Mecklenburg-Vorpommern die größte in der Geschichte der Partei bei Landtagswahlen.

Das ist ja schon wirklich so ein Erdbeben.

Constantin Wurthmann, Politikwissenschaftler an der Universität Mainz

... ist Professor für Politisches Verhalten und Repräsentation an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Unter seine Forschungsfelder fallen unter anderem Wahlverhalten, politische Haltungen und Wahlpartizipation sowie politische Soziologie und Demokratieforschung.

In Mecklenburg-Vorpommern hat die AfD das Kopf-an-Kopf-Rennen gegen die SPD gewonnen. Laut vorläufigem Ergebnis erreicht sie 38,2 Prozent – die SPD folgt mit 35,5 Prozent.

21.09.2026 | 0:34 min

Politikwissenschaftler: Reformen nicht nachvollziehbar gemacht

Zu den anstehenden Reformen und dem Rückhalt in der Bevölkerung sagt Wurthmann, dass Union und SPD es nicht hinbekommen hätten, Reformen nachvollziehbar zu machen und zu erklären, wohin sie eigentlich wollen. Man habe die "Menschen auch gar nicht mitgenommen".

Auf die Frage, ob die politische Mitte nach den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern jetzt endgültig vor dem Aus stehe, sagte der Politikwissenschaftler:

Die politische Mitte in Deutschland ist so sehr unter Druck, wie sie das noch nie gewesen ist.

Constantin Wurthmann, Politikwissenschaftler an der Universität Mainz

Und auch das Vertrauen in Politiker sei auf einen Tiefstand gesunken. Allerdings zeigten Landtagswahlen in Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz auch, dass die politische Mitte erfolgreich sein könne.

Merz' Statement um kurz nach 18 Uhr zeige, unter welchem "Autoritätsverfall" der Kanzler leide, sagt Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte.

20.09.2026 | 1:17 min

Parteien verlieren ihre traditionellen Stammwähler

Das Problem sei auch, dass die Parteien ihre Wähler-"Grundbasis" verlören. Denn Stammwähler, die beispielsweise wegen ihrer Konfession immer eine Partei wählen, sterben laut Wurthmann langsam aus.

Aus Sicht des Politikwissenschaftlers ist ein Wendepunkt in der Parteienlandschaft nicht erst mit den Landtagswahlen vom Sonntag eingeläutet, sondern bereits mit dem Niedergang der FDP.

Aber natürlich ist es eine bedrohliche Situation, wenn die großen Akteure, die bedeutenden Akteure, auf dem Weg verloren gehen. Das ist schon einschneidend.

Constantin Wurthmann, Politikwissenschaftler an der Universität Mainz

Quelle: ZDF

Über das Thema berichtete ZDFheute live am 21.09.2026 ab 8 Uhr.

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