Matter als Bundesrat? In der SVP bahnt sich ein Machtkampf an

- Der Zürcher SVP-Nationalrat Thomas Matter schliesst eine Kandidatur für die Parmelin-Nachfolge nicht aus.
- Die Westschweizer SVP will Céline Amaudruz durchsetzen, die Zürcher SVP bevorzugt andere Kandidaten.
- Auch der Oberwalliser Michael Graber prüft eine Kandidatur und will nächste Woche entscheiden.
Im Rennen um die Nachfolge von Bundesrat Guy Parmelin bringt sich ein weiterer SVP-Politiker ins Spiel. Der Zürcher Nationalrat Thomas Matter schliesst eine Kandidatur nicht aus. «Ich mache mir Gedanken», sagt er gegenüber dem «SonntagsBlick».
Derzeit bespreche er die Möglichkeit intensiv mit seiner Frau. Als er vor zwölf Jahren in den Nationalrat einzog, habe er ihr versprochen, dass ein Bundesratsamt nie infrage kommen werde.
Zürcher und Westschweizer SVP im Clinch
Während Matter über eine Kandidatur nachdenkt, zeichnet sich innerhalb der SVP ein Machtkampf ab, wie der «SonntagsZeitung» berichtet. Die Westschweizer Parteivertreter wollen die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz als Nachfolgerin von Parmelin durchsetzen.
Amaudruz hat ihre Kandidatur bereits angekündigt. Unterstützung erhält sie vom Waadtländer Nationalrat Yvan Pahud, der selbst auf eine Kandidatur verzichtet.
Der Walliser Nationalrat Jean-Luc Addor wirft den Zürchern vor, Amaudruz verhindern zu wollen. Hintergrund sei die Bundesratswahl 2015. Damals setzte sich Parmelin gegen den von den Zürchern favorisierten Thomas Aeschi (ZG) durch. Amaudruz hatte Parmelins Wahlkampf organisiert. «Das hat sie getroffen, das haben sie nicht vergessen», sagt Addor über die Zürcher.
Zürich seit 2022 nicht mehr im Bundesrat
Der bevölkerungsreichste Kanton Zürich war über Jahrzehnte fast durchgehend im Bundesrat vertreten. In den 1970er- und 1980er-Jahren stellten die Freisinnigen mit Fritz Honegger, Rudolf Friedrich und Elisabeth Kopp mehrere Regierungsmitglieder. Kopp schrieb 1984 Geschichte, als sie als erste Frau in den Bundesrat gewählt wurde.
Nach ihrem Rücktritt 1989 blieb Zürich zunächst ohne Vertretung. 1995 zog mit Moritz Leuenberger (SP) wieder ein Zürcher in die Landesregierung ein. Von 2004 bis 2007 sassen mit Leuenberger und Christoph Blocher (SVP) sogar zwei Zürcher gleichzeitig im Bundesrat.
Nach Blochers Abwahl blieb Leuenberger im Amt. 2009 kam mit Ueli Maurer (SVP) ein weiterer Zürcher hinzu. Als Leuenberger 2010 zurücktrat, blieb Maurer bis Ende 2022 der bislang letzte Vertreter des Kantons im Bundesrat.
Zürcher stellen sich gegen Forderungen
Der Zürcher SVP-Nationalrat Benjamin Fischer widerspricht. Die regionale Herkunft dürfe nicht entscheidend sein. Mit Elisabeth Baume-Schneider und Ignazio Cassis sei die lateinische Schweiz bereits zweimal vertreten.
Auch Nationalrat Martin Haab (ZH) äussert Vorbehalte gegenüber Amaudruz. Sie sei nicht besonders landwirtschaftsnah. Zudem sei es schwierig, ein kollegiales Verhältnis zu ihr aufzubauen. Der Berner SVP-Nationalrat Thomas Knutti bevorzugt ein Ticket mit Thomas Aeschi und Michael Graber.
Auch Michael Graber überlegt sich Kandidatur
Der Oberwalliser Nationalrat Graber bestätigt gegenüber der «SonntagsZeitung», dass er eine Kandidatur prüft. Kommende Woche will er entscheiden. Als deutschsprachiger Oberwalliser könnte er mit seiner Bewerbung die Forderung nach einer Vertretung der Romandie zusätzlich verkomplizieren. Amaudruz lässt sich von der Kritik nicht beirren. «Da muss man einfach durch», sagt sie.
Bis zum 23. Oktober können die SVP-Sektionen Kandidaturen einreichen. Über das offizielle Ticket entscheidet schliesslich die SVP-Bundeshausfraktion.
Worauf sollte die SVP bei der Wahl für die Parmelin-Nachfolge am meisten achten?
Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.
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