Lieh Charles Andrew 1,5 Millionen Pfund, um Schulden zu tilgen?

- König Charles III. soll seinem Bruder Andrew 1,5 Millionen Pfund aus seinem Privatvermögen geliehen haben.
- Das Geld diente zur Begleichung von Schulden gegenüber dem Crown Estate, die beim Auszug aus der Royal Lodge anfielen.
- Andrew musste die Luxusresidenz nahe Windsor wegen seiner Verbindungen zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein verlassen.
Der britische König Charles III. soll seinem Bruder Andrew 1,5 Millionen Pfund zur Begleichung von Schulden im Zusammenhang mit dessen früherem Anwesen Royal Lodge geliehen haben. Charles habe dem ehemaligen Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor das Geld aus seinem Privateinkommen zur Verfügung gestellt, damit das für die Verwaltung der Royal Lodge zuständige Crown Estate fristgerecht bezahlt wurde, verlautete am Freitag aus informierten Kreisen.
Das Crown Estate ist ein unabhängiges Unternehmen, das vom britischen Parlament zur Verwaltung von Grundstücken im Vereinigten Königreich gegründet wurde, die nominell dem britischen König gehören, aber zugunsten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler verwaltet werden.
«Heruntergekommener Zustand»
Charles hatte Andrew aufgefordert, wegen dessen Beziehungen zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein aus der luxuriösen Royal Lodge nahe Schloss Windsor auszuziehen. Das tat Andrew im Februar. Laut dem Crown Estate hatte Mountbatten-Windsor eine Rechnung in Höhe von 1,8 Millionen Pfund wegen des heruntergekommenen Zustands des Anwesens zu begleichen. Ihm wurden dann 302'000 Pfund gutgeschrieben, weil er den Mietvertrag vorzeitig beendet habe. Dadurch blieben Schulden in Höhe von etwa 1,5 Millionen Pfund, die Charles beglichen haben soll.
«Der Mietvertrag für die Royal Lodge ist ausgelaufen und unser Fokus liegt jetzt fest auf ihrer zukünftigen Verwendung und den Möglichkeiten, zusätzlichen finanziellen Wert für die Nation aus ihrer vorzeitigen Rückgabe zu generieren», teilte das Crown Estate mit.
Die Royal Lodge westlich von London hat 30 Zimmer. Zum Grundstück gehören mehr als 40 Hektar Land. Charles hatte Andrew wegen der Epstein-Beziehungen nicht nur zum Auszug gezwungen, sondern ihm auch den Prinzentitel entzogen. Andrew zog in ein Anwesen auf Sandringham um, einem privaten Grundstück von Charles im Osten Englands.
Günstige Mietbedingungen trotz Skandal
Dass Mountbatten-Windsor trotz des Skandals weiter in der Royal Lodge gewohnt hatte, sorgte für Diskussionen, zumal er nur eine symbolische Miete für das Luxusanwesen zahlte. Der zweitälteste Sohn der früheren Königin Elizabeth II. hatte 2003 seinen Mietvertrag über 75 Jahre für die Royal Lodge geschlossen. Damals war er noch aktives Mitglied der Königsfamilie und vertrat seine Mutter bei öffentlichen Veranstaltungen. Im Rahmen des Mietvertrags musste er 7,5 Millionen Pfund für Renovierungen ausgeben. Zudem war eine Einmalzahlung in Höhe von einer Million Pfund nötig.
Wie das Crown Estate erklärte, hatte Mountbatten-Windsor Anspruch auf eine Entschädigung für den Renovierungsaufwand, weil er den Mietvertrag innerhalb der ersten 25 Jahre vorzeitig beendete.
Gericht erklärt Durchsuchungsbefehle für rechtswidrig
Ein Richter hatte am Donnerstag mitgeteilt, die Anwälte der zuständigen Polizei und Mountbatten-Windsors hätten sich darauf verständigt, dass die damaligen Durchsuchungsbefehle rechtswidrig gewesen seien. In einem weiteren Gerichtsverfahren soll entschieden werden, welche bei den Durchsuchungen gefundenen Beweise in einem möglichen Strafprozess nicht verwendet werden dürfen.
Zwei Anwesen von Mountbatten-Windsor waren im Rahmen von Ermittlungen wegen seiner Verbindungen zu Epstein durchsucht worden, darunter die Royal Lodge. Die Polizei von Thames Valley nahm Mountbatten-Windsor am 19. Februar unter dem Verdacht des Fehlverhaltens in einem öffentlichen Amt fest.
Die polizeilichen Ermittlungen konzentrierten sich zunächst auf Vorwürfe, Mountbatten-Windsor habe in seiner Funktion als ehemaliger britischer Handelsbeauftragter vertrauliche Informationen an Epstein weitergegeben. Die Polizei teilte dann aber mit, dass es auch um andere Aspekte gehen könnte.
Mountbatten-Windsor hat ein Fehlverhalten im Zusammenhang mit seinem Verhältnis zu Epstein bestritten.
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Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.
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