Kampf gegen Fast Fashion: Warum Mode Qualität braucht
Das Must-have für die nächste Saison oder das trendige Stück: Immer mehr Billigangebote verführen zum schnellen Kauf. Doch mit dem exzessiven Konsum von Mode steigen auch die Berge an Abfällen. Um die Flut an Textilmüll zu bremsen, führt die Europäische Union nun eine Art Steckbrief für jedes Kleidungsstück ein. Ob mehr Transparenz die Konsumlust abschwächen kann, ist umstritten.
In der Wissens-Kolumne von NANO und Terra X auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpertinnen und Gastexperten jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.
Der Digitale Produktpass (DPP) liefert über einen QR-Code Informationen zu den genauen Inhaltsstoffen, den Produktionsstätten und zum Recycling. Ab 2027 soll es schrittweise losgehen.
Da es sich bei manchen Rezepturen um Geschäftsgeheimnisse handelt, wird noch diskutiert, welche Details verfügbar sein werden. Das Ziel: Mehr Transparenz soll Kleidung auf Dauer nachhaltiger machen, also langlebig, reparierbar und bereit zum Recycling.
Günstige T-Shirts und Ultra Fast Fashion landen oft direkt im Müll. Forscher testen im Labor die mangelhafte Qualität und zeigen, was der Digitale Produktpass dagegen tun kann.
28.10.2026 | 7:21 minWarum Recycling keine Lösung ist
Noch ist die Industrie für Altkleiderrecycling nicht ausgereift. Bislang kann nur ein kleiner Teil der Alttextilien recycelt werden, billige Mischgewebe landen direkt im Müll. Das sogenannte Faser-zu-Faser-Recycling, also die Herstellung neuer Kleidung, funktioniert vor allem bei hochwertigen und sortenreinen Materialien.
Aber recycelte Fasern sind teurer als Neufasern, zudem erfordern die Prozesse viel Energie- und Chemikalieneinsatz und erzeugen Produktionsabfälle. Die Umweltbilanzen sind eindeutig: Statt schnell zum Altkleidercontainer zu gehen, ist es sinnvoller, Kleidung häufig und lange zu tragen.
Sich selbst belohnen mit Qualität im Kleiderschrank
Ein erster Schritt: beim Einkauf gezielt auf Qualität zu achten. Hochwertige Kleidung ist nicht nur im Luxussegment erhältlich. Doch zu günstig darf es auch nicht sein, da sonst an Qualitätskontrollen, Verarbeitung und langlebigen Materialien gespart wird.
In Deutschland landen jährlich über eine Million Tonnen Alttextilien in Containern. Neue Kleidung entsteht daraus so gut wie nie. Wie wird aus Wegwerfmode ein Kleiderkreislauf?
18.06.2023 | 28:45 minDer Kauf eines hochwertigen Kleidungsstücks kann sich wie eine Belohnung anfühlen. Wenn ich mehr zahle, bin ich auch eher bereit, das gute Stück auszubessern oder beim Schneider reparieren zu lassen. Gute Pflege kann die emotionale Bindung zu den Lieblingsteilen in unserem Kleiderschrank stärken.
Diese Merkmale verraten hochwertige Kleidung
Qualitätsmerkmale sind oft nicht leicht zu erkennen, doch es kann sich lohnen, genau hinzusehen. Zunächst der Blick aufs Etikett: Bei T-Shirts und Sweatshirts können Polyesteranteile gemischt mit Baumwolle oder Viskose nach ein paar Wäschen zu rauen Oberflächen (Pilling) führen. Elastanfasern sollten nur bei enger Passform enthalten sein.
Nachhaltigkeit ist ein Trend, der auch auf der Berliner Fashion Week nie aus der Mode kommt. Was zeichnet nachhaltige Modelabels aus?
03.02.2025 | 1:45 minZu enge Kleidung strapaziert Nähte und lässt uns stärker schwitzen. Zudem sollten Nähte und Kanten sauber verarbeitet sein. Reißverschlüsse und Knöpfe müssen richtig schließen. Sind Tascheneingriffe durch zusätzliche Riegel verstärkt? Sind alle abstehenden Fädchen abgeschnitten?
Der Digitale Produktpass kann den Modekonsum ankurbeln
Auch wenn er stetig verbessert werden kann, ist der Digitale Produktpass nur ein Baustein auf dem Weg zu mehr nachhaltiger Mode. Die Konsumforschung liefert keine Hinweise dafür, dass wir durch mehr Informationen weniger kaufen oder unsere Kleidung länger tragen. Pflegeetiketten und Nachhaltigkeitslabels finden schon jetzt kaum Beachtung.
Modekonsum wird immer schneller und landet bald im Müll. Die Designerinnen Jana Heinemann und Sophie Claussen schöpfen ihre Mode aus recyceltem Material: neue Looks – ganz ohne Abfall.
24.03.2024 | 26:50 minDer Kauf neuer Kleidungsstücke stimuliert unser Belohnungszentrum im Gehirn. Wer sich beim Shoppen am Digitalen Produktpass orientieren möchte, könnte fälschlicherweise den Eindruck gewinnen, dass Altkleider recycelt werden. Damit bewirkt der Digitale Produktpass womöglich genau das Gegenteil und kurbelt den Konsum weiter an.
Nachhaltige Mode beginnt bei uns
Der Digitale Produktpass kann helfen, die Kreislaufwirtschaft zu fördern und Fast Fashion zu reduzieren. Doch für nachhaltige Mode braucht es mehr als technologische Lösungen. Viel wichtiger ist ein kultureller Wandel, der zu bewussten Kaufentscheidungen führt und die Lebensdauer von Kleidung erhöht. Wir sollten bereit sein, für mehr Qualität auch etwas höhere Preise zu zahlen.
Voller Kleiderschrank und trotzdem im Kaufrausch? Pia Osterhaus wagt ein Experiment, checkt Schnäppchenpreise, geht auf Verfolgungsjagd und enthüllt Tricks der Textilindustrie.
11.12.2024 | 43:20 minFür mehr hochwertigere Kleidung braucht es auch bessere Rahmenbedingungen, wie die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR), zu der die EU Deutschland und andere Mitgliedstaaten bis 2028 verpflichtet. Demnach sollen die Kosten für das Entsorgen oder das Recycling in den Preis einer Textilie einfließen. Ein aussichtsreicher Weg, um nachhaltige Mode zu fördern und die Textilflut zu stoppen.
... ist Professorin für Bekleidungstechnik an der School of Design and Culture der Hochschule für Wirtschaft und Technik Berlin. Ihr Fokus liegt auf Nachhaltigkeitstransformation und Kreislaufwirtschaft in der internationalen Textil- und Bekleidungsindustrie.
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