«Von Gefühlen übermannt» – diese Seite von Merz kennen wenige

- Eine Mehrheit der Deutschen spricht sich laut einer Umfrage für den Rücktritt von Bundeskanzler Friedrich Merz aus.
- Nur elf Prozent der Bürgerinnen und Bürger sind mit seiner Arbeit zufrieden.
- Merz-Biografin Mariam Lau kritisiert, er habe sein Kabinett nach Loyalität statt nach Kompetenz zusammengestellt.
Eine Mehrheit der Deutschen spricht sich derzeit für den Rücktritt von Bundeskanzler Friedrich Merz aus. Einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage eines Meinungsforschungsinstituts zufolge sind nur elf Prozent der Bürgerinnen und Bürger mit seiner Arbeit zufrieden.
Nach dem historischen CDU-Debakel ist Merz schwer angeschlagen. Die Journalistin und Merz-Biografin Mariam Lau sieht die christdemokratische Partei nach der Wahlschlappe in einer existenziellen Krise. Im Interview mit SRF sagt sie, der Parteichef werde von vielen Deutschen als arrogant und herablassend wahrgenommen. «Er wirkt manchmal wie ein CEO, der nach zwei Wochen Urlaub ins Büro kommt, die Pizzakartons sieht und sagt: ‹So, Freunde, jetzt ist Schluss mit dem Dolce Vita.›», sagt Lau gegenüber SRF.
Tränen über Kinder-Schicksale
Das bedeute jedoch nicht, dass der 70-Jährige den Bedürfnissen anderer gleichgültig gegenüberstehe. So habe er sich bei der Lesben- und Schwulen-Community für frühere Beleidigungen entschuldigt. Zudem habe sie noch keinen Kanzler so oft weinen sehen, sagt Lau im SRF-Interview: «Besonders wenn es um Kinder geht, kann er von Gefühlen übermannt werden. Als er in einem jüdischen Gymnasium in Berlin war und Schüler ihm erzählten, dass sie aus Angst überlegen, ihren Davidstern abzunehmen, sind ihm die Tränen gekommen. Er schämt sich dafür auch nicht.»
Eine Mitverantwortung für den schwarzen Wahlsonntag vor einer Woche sieht die deutsche Journalistin darin, dass Merz in der Vergangenheit nie ein exekutives Amt innehatte. «Er war nie Ministerpräsident oder Bürgermeister. Für die Prozesse der Führung, für das Organisieren von Konsens, war er komplett unvorbereitet», sagt Mariam Lau zum SRF.
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Vor wenigen Tagen räumte Friedrich Merz bei einem Auftritt vor den Unionsabgeordneten eigene Fehler ein. Fraktionschef Thorsten Frei (CDU) stellte sich dennoch hinter den Kanzler: «Er hat unsere Unterstützung», sagte er.
Mariam Lau dürfte diese Rückendeckung kaum überraschen. Im SRF-Interview sagte sie: «Merz hat seine Mannschaft vor allem nach Loyalität zusammengestellt, nicht nach Kompetenz. Daran krankt das ganze Unternehmen.»
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Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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