Abstimmung Kanton Graubünden – Graubünden könnte zweiter Kanton mit Stimmrechtsalter 16 werden

Worum geht es? Die Bündner Stimmbevölkerung entscheidet am 27. September über ein Stimmrechtsalter 16. Bislang liegt es wie in fast allen anderen Kantonen bei 18 Jahren. Es geht in der entsprechenden Teilrevision der Verfassung aber lediglich um ein aktives Stimm- und Wahlrecht. Heisst: In ein Amt wählen lassen wäre weiterhin erst ab 18 Jahren möglich.
Warum ist die Ausgangslage in Graubünden dieses Mal anders? In Graubünden gab es bereits mehrere Anläufe. 2007 und 2009 lehnte das Bündner Parlament entsprechende Vorstösse ab. Nun weht ein anderer politischer Wind im Bergkanton. Mitte-Grossrat Gian Andris Derungs hatte den Vorstoss auf Wunsch der Jugendsession Graubünden eingereicht. Der Vorstoss fand eine Mehrheit. Auch die Bündner Regierung und das Parlament empfehlen der Stimmbevölkerung, ein Ja in die Urne zu legen.
Was sagen die kritischen Stimmen? Bei der Parlamentsabstimmung kamen die Nein-Stimmen grösstenteils aus dem SVP-Lager. Mit 16 Jahren fehle die politische Reife, zudem seien die Jugendlichen einer grösseren Gefahr ausgesetzt, beeinflusst zu werden – etwa durch soziale Medien. Zudem moniert die Gegnerschaft, dass das Stimmrechtsalter nicht mehr mit der zivil- und staatsrechtlichen Volljährigkeit übereinstimmen würde.
Was sagen die Befürworterinnen und Befürworter? Die Mehrheit des Bündner Parlaments sieht in der Vorlage die Chance, der Überalterung der Gesellschaft entgegenzuwirken und junge Menschen früher mitgestalten zu lassen. Und würde sich damit die Stimmbeteiligung erhöhen, wäre dies ein «wünschenswerter Nebeneffekt», heisst es im Argumentarium.
Wie viele Neuwähler gäbe es und ab wann würde das neue Stimmrechtsalter gelten? Nimmt die Bündner Stimmbevölkerung die Vorlage an, dürften rund 3000 Jugendliche bereits ab 2027 mitbestimmen. Bislang sind es im Kanton Graubünden rund 143'000 Stimmberechtigte. Das Stimmrechtsalter 16 wäre nur für kantonale Abstimmungen und Wahlen gültig. Auf kommunaler Ebene liegt die Hoheit weiterhin bei den Gemeinden.
Wo gab es bereits ähnliche Bestrebungen? Seit bald 20 Jahren ist Glarus der einzige Kanton, der ein Stimmrechtsalter 16 kennt. In zahlreichen anderen Kantonen sind entsprechende Anliegen entweder bereits im Parlament oder in einer Volksabstimmung gescheitert. Im Kanton Luzern lehnte die Stimmbevölkerung im vergangenen Jahr eine Initiative mit fast 80 Prozent Nein-Stimmen ab, ebenso im Aargau 2024. In Basel-Stadt läuft aktuell die Debatte: Die Regierung und die zuständige Kommission gaben grünes Licht, jetzt ist das Kantonsparlament an der Reihe.
Abstimmungsdossier
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Hier finden Sie News und Hintergründe zu den Abstimmungen vom 27. September 2026.
Regionaljournal Graubünden, 2.9.2026, 17:30 Uhr ; ledn/sda;vonb;weds
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