Sogar bei den Rolltreppen: Die Uno rüstet sich für Trump

- Über 120 Staats- und Regierungschefs treffen sich ab Dienstag zur Uno-Generaldebatte in New York. Nicht mit dabei sind Friedrich Merz und Xi Jinping.
- Im Zentrum stehen wohl der Iran-, der Ukraine-Krieg und die Grönland-Frage – Trumps Rede am Dienstag wird mit besonderer Spannung erwartet.
- Am Rande der Debatte ist ein Treffen zwischen Selenski und Trump sowie die Unterzeichnung eines Grönland-Sicherheitsabkommens geplant.
Staats- und Regierungschefs aus über 120 Ländern kommen ab Dienstag zur Uno-Generaldebatte in New York zusammen. Im Zentrum der Woche stehen voraussichtlich der Iran-Krieg, die Grönland-Frage und der Ukraine-Krieg. Besonders gespannt wird gleich am ersten Tag die Rede von US-Präsident Donald Trump erwartet. Eine Übersicht.
Wer ist bei der Uno-Generaldebatte dabei?
Wer reist nicht nach New York?
Die Knackpunkte
Rede des US-Präsidenten
Trump wird sich am Dienstagnachmittag (Schweizer Zeit) als zweiter Redner an die Uno-Generalversammlung wenden. Seine Rede wird mit Spannung erwartet. Über den Inhalt ist derzeit noch nichts bekannt. Letztes Jahr hatte er die Uno in seiner rund einstündigen Rede – viermal so lang wie üblich – frontal angegriffen und ihr Versagen bei der Friedensstiftung unterstellt.
Iran-Krieg
Der Iran-Krieg und seine globalen Folgen dürften die Gespräche in New York über die nächsten Tage bestimmen. Der grösste Streitpunkt zwischen Washington und Teheran ist die Strasse von Hormus: Iran hat den Schiffsverkehr in der für den Ölhandel zentralen Meerenge mit Drohungen und Angriffen faktisch lahmgelegt. Öl- und Treibstoffpreise stiegen weltweit, was viele der anwesenden Staats- und Regierungschefs betrifft.
Der Iran reagierte seit Kriegsbeginn immer wieder mit Gegenangriffen in der Region. Trump will am Dienstag Vertreter der Golfstaaten treffen, die von den Folgen des Krieges besonders betroffen sind. Experten erwarten jedoch keinen Durchbruch. Eine dauerhafte Beilegung des Konflikts ist nicht in Sicht.
Aussenminister Abbas Araghtschi kündigte an, die iranischen Vertreter wollten in New York die «Rechte und Interessen des iranischen Volkes» verteidigen und «zahlreiche» Gespräche mit Amtsträgern und Aussenministern führen. Die Delegation wird laut Staatsmedien von Präsident Massud Peseschkian angeführt. Zwar erlaubten die USA ihre Teilnahme an der Uno-Generaldebatte, verhängten aber Einschränkungen. Laut iranischen Staatsmedien wurde einzelnen Mitgliedern die Einreise verweigert.
Ukraine-Krieg
Selenski will Trump am Dienstag am Rande der UN-Debatten treffen. Nach einem Telefonat am Sonntag sprach der ukrainische Präsident von «diplomatischer Dynamik» in den Bemühungen um ein Ende des Krieges. Beim Gespräch soll es laut Berichten um eine mögliche Teilwaffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen und Ziele zur See gehen.
Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beriet sich vor der UN-Generaldebatte mit Trump zur Energieversorgung durch die Strasse von Hormus und zu einer Energie-Waffenruhe im Ukraine-Krieg. Man wolle «gemeinsam Massnahmen ergreifen, um die Spannungen auf den Energiemärkten abzubauen und dabei die kritische Infrastruktur im Nahen Osten sowie die Freiheit der Schifffahrt in der Strasse von Hormus zu schützen», schrieb Macron auf X.
Zudem wolle man ein Moratorium für Angriffe auf Energie- und zivile Infrastruktur in der Ukraine erreichen.
Grönland-Abkommen
Dänemark, die USA und Grönland wollen am Dienstag gegen 16.30 Uhr (Schweizer Zeit) am Rande der Uno-Generaldebatte ein Sicherheitsabkommen unterzeichnen. Der genaue Inhalt ist noch nicht bekannt. Der US-Präsident hatte in der Vergangenheit mehrfach mit der Annexion Grönlands gedroht. Laut Ministerpräsidentin Mette Frederiksen erkennt die Vereinbarung Dänemarks Souveränität und das Selbstbestimmungsrecht Grönlands an.
Trump spricht dagegen von einer «dauerhaften Kontrolle» der USA über die Sicherheit und «alle anderen Belange» Grönlands. Medienberichten zufolge wollten die USA drei neue Stützpunkte im Süden der Insel errichten – einen hat das US-Militär bereits.
Rolltreppen-Debakel
Letztes Jahr sorgte Trump nicht nur wegen seiner Rede für Aufsehen, sondern wegen einer stehengebliebenen Rolltreppe. Diese hatte 2025 angehalten, als Trump und seine Frau Melania sie betraten. Daraufhin musste das Paar die Stufen zu Fuss erklimmen.
Erst vergangene Woche warf Trump der Uno erneut vor, die Rolltreppe vorsätzlich «abgestellt» zu haben. Um ein erneutes Debakel zu verhindern, habe man die Rolltreppen im New Yorker Hauptquartier «wiederholt und gründlich überprüft», sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric. Auch für den Teleprompter, der während Trumps Rede im letzten September ausfiel, seien zusätzliche Vorkehrungen getroffen worden.
Den «Sabotage»-Vorwurf von Trump wies die Uno bereits letztes Jahr zurück: Der Teleprompter wurde demnach von Vertretern des Weissen Hauses selbst betrieben. Die Rolltreppe habe angehalten, weil jemand versehentlich einen Sicherheitsschalter ausgelöst habe – vermutlich ein Videoreporter, der Trump und seine Frau filmen wollte.
Mit Material von AFP und DPA
Lynn Sachs (sac) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Sie ist stellvertretende Leiterin des Ressorts News.
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