Ex-Bürgermeisterin von Barcelona: Die Rückkehr der Mietenkämpferin

Ada Colau soll das linke Bündnis Frente Amplio in Spaniens Neuwahlen führen. Mit ihrem Kampf für bezahlbaren Wohnraum trifft sie einen Nerv.
Foto: Lorena Sopêna/imago
Eine alte Bekannte ist zurück. Die ehemalige linksalternativeBürgermeisterin Barcelonas, Ada Colau, tritt als Spitzenkandidatin für das linke Wahlbündnis Frente Amplio (Breite Front) bei den vorgezogenen Neuwahlen in Spanien am 29. November an. Die 52-jährige Aktivistin ist gewissermaßen die richtige Person am richtigen Ort. Denn Regierungschef Pedro Sánchez hat die Wahlen vom Sommer 2027 auf diesen Herbst vorgezogen, weil zwei Gesetze zur Reform des Mietmarkts am Widerstand der Rechten im Parlament scheiterten.
Die Gesetzentwürfe waren die Folge von noch immer anhaltenden Protesten für würdigen und bezahlbaren Wohnraum. Das Thema wird den Wahlkampf bestimmen. Und wenn es um Wohnungspolitik geht, hat niemand einen so guten Ruf wie Ada Colau.
Die getrennt lebende Mutter zweier Kinder kämpft seit Jahren gegen Zwangsräumungen – zuerst gegen die von säumigen Ratenzahlern, dann gegen die von Mietern. Colau leitete die von ihr mitbegründete Plattform für die von Hypotheken Betroffenen (PAH) während der Finanzkrise. In Spanien bekannt wurde sie durch einen Auftritt im Parlament, in dem sie einen Vertreter der Banken „zynisch und kriminell“ nannte. Colau sprach damit Hunderttausenden aus dem Herzen, die nach dem Platzen der Spekulationsblase Wohnungen abbezahlen mussten, die weniger wert waren als der Kredit. Viele verloren ihren Job und wurden zwangsgeräumt.
Die Bank erhielt die Wohnung, doch die gescheiterten Kunden mussten trotzdem die Differenz zwischen dem neuen, niedrigeren Wert und dem Kredit begleichen. Die PAH sammelte Unterschriften für eine Volksgesetzesinitiative. Sie forderte, dass Schuldner nach der Schlüsselübergabe schuldenfrei bleiben. Das Parlament nahm das Gesetz zur Debatte an, verabschiedete es aber nie.
Politik für die ärmeren Stadtviertel
Von der PAH wechselte Colau in die Politik. In diesen Jahren entstand die linksalternative Podemos, in Katalonien gründete sich mit En Comú (Gemeinsam) eine verwandte Partei. Colau war eine der treibenden Personen hinter diesem Projekt und zog schließlich 2015 mit den Comunes als stärkste Kraft in den Stadtrat von Barcelona ein und wurde Bürgermeisterin.
Ihre beiden Amtszeiten prägte sie mit sozialer Politik, vor allem in den ärmeren Vierteln der Stadt. Im Wohnungsbau unterstützte sie kleine, selbstorganisierte Genossenschaften mit Grundstücken. Die Stadt wurde ökologischer, dank verkehrsberuhigter Zonen und Förderung nachhaltiger Mobilität. Ein kommunales Energieversorgungsunternehmen entstand.
Nach ihrer Wahlniederlage 2023 unterstützte Colau den neuen sozialistischen Bürgermeister Jaume Collboni und zog sich dann aus dem Stadtrat zurück. Spanienweit wurde es ruhig um sie, doch in Katalonien blieb sie in der Wohnungsbewegung aktiv. Als die neue Protestwelle für bezahlbaren Wohnraum begann und die Wahlen vorgezogen wurden, schauten viele aus der Linken in ihre Richtung.
Nun führt Colau ein breites Bündnis an. Am Samstag sollen die Listen in Madrid vorgestellt werden. Colau wollte die Zeit bis dahin nutzen, um Podemos ins Boot zu holen. Bislang sieht es nicht danach aus, als würde das gelingen.
„Man hat mich als Kandidatin für das Amt der Regierungschefinvorgeschlagen, und das ehrt mich. Wenn ich von Nutzen sein kann, werde ich diese Aufgabe mit großer Begeisterung angehen und meine ganze Energie darauf verwenden“, erklärte Colau, macht aber gleichzeitig klar, dass sie niemandem im Wege stehen wolle. Falls „neue Gruppierungen“ hinzukommen sollten und sich der Konsens zugunsten „einer anderen Person verschiebt, die mehr Rückhalt genießt als meine Kandidatur“, werde sie sich zurückziehen.
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