Comeback mit Geburtstagstorte – Bonaparte: «Scheisse bauen ist ein Menschenrecht»

Comeback mit Geburtstagstorte Bonaparte: «Scheisse bauen ist ein Menschenrecht»
Trash-Punk, Kostüme, Schweiss: In den späten Nullerjahren waren Bonaparte der schönste Störfall der Popwelt. 800 Shows und eine lange Pause später ist der Zirkus zurück: mit Tour, Torte und neuem Album. Zündet der Exzess noch?
Autor:
22.10.2026, 08:47
Eigentlich war 2019 Schluss. Bonaparte gaben vor sieben Jahren mit Abschiedstränen und einer letzten grossen Show ihren offiziellen Rücktritt bekannt. Mastermind Tobias Jundt hatte das Touren satt. «Mit Covid machte ja eh die ganze Welt Pause», sagt der 47-jährige Wahlberliner aus Bern. Irgendwann holte ihn aber der Wunsch ein, doch wieder dem Exzess zu frönen.
An neuen Songs fehlt es bei Jundt, dessen natürliches Habitat das Studio ist, schliesslich nie. Zum 20-jährigen Bühnenjubiläum hat er nun ein neues Bonaparte-Album produziert – inklusive eigenem Happy-Birthday-Song.
Das neue Album: Paradiesisch, wenn man es aushält
Schlachtrufe wie «Anti Anti» oder «Computer in Love» sucht man auf dem neuen Album vergebens. Der rohe Trash-Punk von früher klingt heute verspielter. Von Rumpel-Punk über Italo-Pop bis New-Age-Stomper: Tobias Jundt kann vieles – vielleicht zu viel.
Nach 18 Songs ist nicht ganz klar, wohin «Paradise If You Can Stand It» zielt. Oder will dieser Bonaparte-Wurf einfach «too much» sein? Wer weiss. Im kurzen Song «Human Right» bringt Jundt es auf den Punkt: «Fucking shit up is a human right» – Scheisse bauen ist ein Menschenrecht.
Obwohl das Album etwas ausfranst, ist es ein hübsches Chaos. Ab Ende Oktober geht’s auf Tour damit. Wie gut die neuen Songs auf der Bühne neben den alten Abriss-Hymnen funktionieren, wird sich zeigen.
Die Tour: Fellmütze, Boxerstiefel und Geburtstagstorte
Auch seine alte Fellmütze sei noch funktionstüchtig. Gut möglich, dass sie zum Einsatz kommt. Fix ist: «Ich habe eine riesige Geburtstagstorte gebaut, aus der die Band auf die Bühne springen wird.» Wie viele Pferdeköpfe und Brustkostüme über die Stage hüpfen, scheint noch nicht geklärt. Es bleiben noch ein paar Tage bis zum Tourstart.
Weshalb Tobias Jundt den Bonaparte-Zirkus nochmals anwirft, hat für ihn einen tieferen Grund: «Je digitaler unsere Zeit wird, umso gewichtiger wird eine Bonaparte-Show, in der man zusammenkommt und etwas real Physisches verspürt.»
Die Bühne als Gegenentwurf zur digitalen Welt: Gemeinsam schwitzen, statt allein auf Bildschirme zu starren. Ob das Publikum 2026 wieder auf diesen Zirkus anspringt, wird sich in der Schweiz am 1. November im Zürcher Volkshaus und am 2. November im Berner Bierhübeli zeigen.
Anarchie mit Funktionswäsche
Seit Bonaparte in der Bar 25 für Quentin Tarantino spielten, hat sich die Welt gedreht. Familien wurden gegründet, neue Tonstudios bezogen. Das Leben ist vielschichtiger und funktionaler geworden. So auch Bonapartes Musik. «Ich wollte eigentlich eine punkige Riot-Platte machen. Es wurde aber was viel Persönlicheres daraus», sagt Jundt.
In «Everybody President» und «Brain Rot» klingt das soziale Chaos der Gegenwart an. «Obey (There Is Still a Riot Going On)» stellt der Wut einen Mehrgenerationen-Chor entgegen, der «Everything will be okay» singt.
Der alte Störgeist ist noch da. Einfach nicht so laut und direkt wie geplant. Stattdessen entstand ein Album, das sich stilistisch verzweigt. Die nächste, punkigere und geradlinigere Platte habe er bereits im Kasten. Bonaparte sind zurück – und Tobias Jundt ist gedanklich schon wieder einen Schritt weiter.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.