Agrarindustrie – Wie eine Handvoll Konzerne die Macht übernommen hat

Agrarindustrie Wie eine Handvoll Konzerne die Macht übernommen hat
Einige wenige Unternehmen dominieren den Markt für Saatgut, Maschinen und Pestizide – zum Nachteil der Landwirtschaft.
02.10.2026, 19:45
Bei fast 1800 Pflanzenschutzmitteln hat Syngenta im vergangenen Jahr eine Erst- oder Wiederzulassung beziehungsweise eine Verlängerung der Zulassung erreicht. So steht es im Geschäftsbericht 2025 des Agrarkonzerns mit Hauptsitz in der Schweiz.
Syngenta ist damit Weltmarktführer – ein Vorteil für das Unternehmen. Doch der eingeschränkte Wettbewerb reduziert die Auswahl für Landwirte.
Ein grosses Pestizidportfolio ist umso wertvoller geworden, als die Behörden die Regulierung von Pestiziden weltweit verschärft haben, um Menschen und Umwelt zu schützen.
Die EU etwa hat die Zahl der zugelassenen Wirkstoffe in Pestiziden in den vergangenen 25 Jahren von über 1000 auf rund 500 reduziert. Bis ein neues Pestizid in der EU zugelassen ist, kann es sieben bis zehn Jahre dauern. Die Zulassung gilt jeweils höchstens fünfzehn Jahre.
Die Zahlen – wie etwa in diesem Bericht des Agrarforschungskollektivs ETC – zeigen, wie stark sich die Macht bei wenigen Unternehmen konzentriert.
Diese Konzentration in der Industrie für landwirtschaftliche Produktionsmittel hat schon vor rund 150 Jahren begonnen. Landmaschinenhersteller wie John Deere bauten grosse Industrieunternehmen auf, was in den 1870er-Jahren dazu führte, dass Bauernbewegungen in den USA sie als Monopole ins Visier nahmen.
Auch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts dominierten einige wenige Unternehmen den Saatgut- und den Agrarchemiesektor. In den 1980er-Jahren begannen diese Firmen, zu fusionieren, um ihre Geschäfte zu konsolidieren.
In jüngerer Zeit kam es zu mehreren Megafusionen: 2018 übernahm Bayer Monsanto, 2019 schlossen sich Dow und Dupont zu Corteva Agriscience zusammen, 2018 fusionierten die Düngemittelriesen Potash Corporation und Agrium zu Nutrien, und Syngenta wurde 2017 von Chemchina übernommen, bevor Chemchina 2022 mit Sinochem fusionierte.
Die Konzentration wirtschaftlicher Macht kann sich negativ auf die Landwirtinnen auswirken, da sie bei der Beschaffung von Saatgut, Chemikalien und Landmaschinen nur eine begrenzte Auswahl haben. Auch auf den nachgelagerten Märkten ist die Konzentration hoch: Einige wenige Unternehmen dominieren die Verarbeitung und den Detailhandel.
«Das bringt landwirtschaftliche Produzenten oft in eine schwierige Lage zwischen diesen konzentrierten vor- und nachgelagerten Märkten», sagt Robert Finger, Professor für Agrarökonomie und -politik an der ETH Zürich.
Eine hohe Konzentration führe jedoch nicht zwangsläufig zu einem Missbrauch von Marktmacht, sagt Max Koppenberg, Assistenzprofessor für Betriebswirtschaft an der Wageningen University & Research in den Niederlanden.
«In vielen Branchen für landwirtschaftliche Produktionsmittel sehen wir eine hohe Konzentration, die sich nicht in hohen Gewinnmargen niederschlägt, da die Unternehmen ihre Bruttogewinne in Marketing, Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung investieren müssen, um ihre Marktanteile zu halten», sagt Koppenberg.
Politische Massnahmen könnten helfen
Eine Möglichkeit, die Marktmacht dieser Unternehmen zu begrenzen, sind politische Massnahmen, die die Markteintrittsbarrieren für neue Unternehmen senken. Koppenberg empfiehlt etwa, die Zulassungsverfahren für neue Pflanzenschutzmittel zu beschleunigen.
Ein weiteres Instrument ist das Kartellrecht. So stellten sich die Wettbewerbsbehörden in den USA und der EU zunächst gegen die Übernahme von Monsanto durch Bayer.
Letztlich wurde sie dann doch zugelassen, allerdings erst nach umfangreichen Veräusserungen von Geschäftsbereichen. Unter anderem verkaufte Bayer sein globales Saatgutgeschäft an den Konkurrenten BASF.
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